Die Raffinerie Leuna verarbeitet fossile Energieträger, mit denen ein hoher Kohlendioxid-Ausstoß verbunden ist. Wenn dort „Kohlendioxid-neutrale“ Fernwärme erzeugt werden soll, führt das zu berechtigten Fragen.
Kommentar. In zwei Jahren wollen die Stadtwerke Leipzig damit beginnen, Fernwärme aus der Mineralöl-Raffinerie von Total Energies in Leuna zu beziehen. Das soll es ermöglichen, ihre Fernwärme-Erzeugung so schnell wie möglich Kohlendioxid-neutral zu gestalten. Ist das nicht ein Widerspruch? Schließlich verarbeitet die Raffinerie fossiles Rohöl und Wasserstoff aus fossilem Erdgas zu Benzin, Diesel und anderen Energie- und Chemieprodukten. Damit ist ein hoher Kohlendioxid-Ausstoß verbunden, der zum Klimawandel beiträgt. Wie kann dann Fernwärme aus dieser Raffinerie als „Kohlendioxid-neutral“ oder „klimaneutral“ gelten? Solche Fragen liegen nahe und sind vollkommen berechtigt. Um sie angemessen zu beantworten, ist eine nähere Betrachtung nötig. In den Produktionsprozessen der Raffinerie fallen große Mengen von Abwärme an, was derzeit wohl unvermeidbar ist. Mit ihren hohen Temperaturen eignet sich diese Abwärme gut dafür, Heißwasser für die Fernwärme zu erzeugen. Diese Abwärme wurde bisher noch nicht genutzt, sondern über Luftkühler in die Atmosphäre abgegeben. Das ist erstaunlich genug, soll sich nun aber ändern. Um die Abwärme nutzbar zu machen und Fernwärme bereitzustellen, muss nicht mehr Energie aufgewendet werden, als wenn die Wärme weiter in die Luft geblasen würde. Damit beziehen die Stadtwerke Leipzig künftig Fernwärme, die ohne zusätzlichen Kohlendioxid-Ausstoß erzeugt werden kann. Deshalb kann sie tatsächlich als „Kohlendioxid-neutral“ bezeichnet werden, auch wenn ihr Ursprung in fossilen Energieträgern liegt. Der Weisheit letzter Schluss ist das allerdings noch lange nicht. Langfristig wird es darauf ankommen, wie es der Raffinerie gelingt, das fossile Rohöl und den fossilen Wasserstoff durch erneuerbare Rohstoffe und Energieträger zu ersetzen. Einen kleinen Schritt in diese Richtung kann sie voraussichtlich in den nächsten Monaten gehen. Dann soll sie den ersten grünen Wasserstoff aus dem nahen Energiepark Bad Lauchstädt erhalten. In einigen Jahren sollen auch größere Lieferungen von einem weiter entfernten Produzenten beginnen. Deutlich anspruchsvoller und langwieriger wird es sein, auch das fossile Rohöl durch erneuerbare Alternativen zu ersetzen. Der Mutterkonzern Total Energies unternimmt dafür schon die ersten Schritte an einem Standort in Frankreich. Ob diese Transformation gelingt und künftig auch in Leuna möglich ist, bleibt abzuwarten. Das wird sich auch darauf auswirken, als wie klimafreundlich die hier erzeugte Fernwärme langfristig gelten kann.Kein zusätzliches Kohlendioxid
Fossile Rohstoffe ersetzen
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