Die Raffinerie von Total Energies bereitet bisher ungenutzte Abwärme auf und liefert sie an die Stadtwerke Leipzig. Der Energieversorger will dafür eine Leitung in die Großstadt bauen, muss sich aber noch mit Grundstückseigentümern einigen.
Über der Mineralöl-Raffinerie Leuna steigen weiße Wölkchen aus Wasserdampf in den Himmel. Hier wird Rohöl bei hohen Temperaturen zu Benzin, Diesel und anderen Produkten verarbeitet. Dabei fällt viel Abwärme an, die über Luftkühler in die Atmosphäre abgegeben wird. Diese bisher ungenutzte Abwärme will der Raffineriebetreiber Total Energies künftig mit Wärmetauschern aufbereiten, über ein 15 Kilometer langes Rohrleitungs-System sammeln und an einer Übergabestation an die Stadtwerke Leipzig liefern. Für Geschäftsführer Thomas Behrends ist das ein konkreter Schritt auf dem Weg zur Dekarbonisierung: Bis zum Jahr 2030 sollen die Kohlendioxid-Emissionen der Raffinerie um mehr als die Hälfte reduziert werden, sagte er gestern in Leuna. Die Stadtwerke wiederum bauen eine 19 Kilometer lange Fernwärmeleitung von Leuna nach Leipzig. Die Leipziger Stadtwerke investieren 170 Millionen Euro in die Leitung, Total Energies setzt 60 Millionen Euro für die Wärmeaufbereitung ein. Beide Projekte werden aus einem Förderprogramm des Bundes mit insgesamt 90 Millionen Euro unterstützt. Den Bau der Fernwärme-Leitung starteten die Partner gestern offiziell mit einem symbolischen Spatenstich auf einem Parkplatz der Raffinerie. Dabei ist eine wichtige Frage für den Leitungsbau noch nicht endgültig geklärt: Die Leitung soll über zahlreiche Grundstücke führen, mit deren Eigentümern sich die Stadtwerke einigen müssen. Wie Stadtwerke-Geschäftsführer Karsten Rogall gestern sagte, haben bisher noch nicht alle Eigentümer zugestimmt. Dabei zeigte er sich zuversichtlich, das noch erreichen zu können. Der Zeitplan sieht jedenfalls vor, dass die Leitung bis zum Herbst 2027 gebaut und in Betrieb genommen werden kann. Die Abwärme aus der Raffinerie wird als unvermeidbare industrielle Abwärme eingestuft und kann deshalb dazu dienen, Klimaschutz-Vorgaben zu erfüllen. Für die Stadtwerke Leipzig ist das aus zwei Gründen wichtig: Zum einen hatte der Stadtrat vor einigen Jahren beschlossen, den langjährigen Fernwärme-Bezug aus dem Braunkohle-Kraftwerk Lippendorf zu beenden. Den Bezugsvertrag dafür lassen die Stadtwerke nun auch zum Jahresende 2025 auslaufen. Über die Fernwärme-Leitung aus Lippendorf wollen sie nur noch kleine Mengen beziehen, die technisch notwendig sind, um die Leitung für spätere Nutzungsmöglichkeiten zu erhalten. Zum anderen hat sich die Stadt auch das Ziel gestellt, die Wärmeversorgung bis zum Jahr 2038 klimaneutral zu gestalten. Das ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Die Fernwärme aus Leuna soll künftig 38 Prozent des Leipziger Fernwärme-Bedarfs decken. Damit löst sie weitgehend die Fernwärme-Mengen aus Lippendorf ab, die bisher mehr als die Hälfte beigetragen hatten. Da die Leunaer Fernwärme als klimaneutral gilt, kommen die Stadtwerke auch bei der Klimaneutralitäts-Vorgabe ein großes Stück voran. Interessant ist auch die Frage, wie die Stadtwerke ihren Fernwärme-Bedarf im Jahr 2026 und in den ersten Wintermonaten 2027 decken werden. Dann beziehen sie nahezu keine Fernwärme mehr aus Lippendorf und noch keine Fernwärme aus Leuna. Von Pressesprecher Frank Viereckl war zu erfahren, dass die gesamte Fernwärme für Leipzig dann in den eigenen Heizkraftwerken auf Erdgas-Basis erzeugt werden kann. Dabei ließ er noch offen, wie sich diese Umstellung auf die Kosten und Preise der Fernwärme auswirken kann.Einigung mit Grundstücks-Eigentümern
Klimaschutz mit Abwärme
Fernwärme aus Erdgas
Lesen Sie auch: Leipzigs Pläne für eine klimaneutrale Wärmewende

