Im Leipziger Westen geht die größte Solarthermie-Anlage Deutschlands ans Netz. Sie liefert künftig grüne Fernwärme und trägt dazu bei, dass die Stadtwerke ihren Kohlendioxid-Ausstoß senken können.

 

Die Solarthermie-Anlage Leipzig-West. Foto: Stefan Schroeter

Die Solarthermie-Anlage Leipzig-West wird derzeit schrittweise in Betrieb genommen. Die Hälfte der Kollektorfelder könne bereits Solarwärme erzeugen und ins Leipziger Fernwärmenetz einspeisen, sagte Projektleiter Erik Jelinek gestern bei einem Pressetermin vor Ort. Er rechnet damit, dass bis Ende Juli auch die anderen Kollektorfelder in Betrieb gehen können.

Die bisher größte Solarthermie-Anlage Deutschlands soll dann eine Spitzenleistung von 41 Megawatt erreichen. Dafür investieren die Stadtwerke Leipzig 40 Millionen Euro, von denen 16 Millionen aus einem Förderzuschuss der Kreditanstalt für Wiederaufbau kommen.

Gebaut wurde die Anlage von Ritter Solartechnik aus Dettenhausen in Baden-Württemberg. Um Wärme aus solarer Strahlungsenergie zu produzieren, setzt das Unternehmen spezielle Vakuum-Röhrenkollektoren ein.

In den Kollektoren wird warmes Wasser auf bis zu 113 Grad Celsius aufgeheizt. Das Heißwasser gelangt danach über ein Leitungssystem ins Technikgebäude. Dort wird seine Wärmeenergie genutzt, um grüne Fernwärme zu produzieren und ins Leitungssystem der Stadtwerke einzuspeisen.

Die Stadtwerke rechnen damit, dass die neue Solarthermie-Anlage im Sommer ein Fünftel des Leipziger Fernwärmebedarfs decken kann. Dann liefert die Sonne besonders viel Energie, und gleichzeitig ist der Wärmebedarf viel geringer als in den anderen Jahreszeiten.

Im Herbst, Winter und Frühjahr hat die Sonne weniger Kraft, und der Wärmebedarf für Warmwasser und Heizung ist deutlich größer. Deshalb kann die Anlage in allen Jahreszeiten zusammen voraussichtlich zwei Prozent des Leipziger Fernwärmebedarfs decken.

 

Ein Schritt zur Dekarbonisierung

Stadtwerke-Geschäftsführer Karsten Rogall bezeichnete die Solarthermie-Anlage am Mittwoch als wichtigen Baustein in der Dekarbonisierungs-Strategie des Unternehmens – dem schrittweisen Abschied von der Energiebereitstellung mit Kohlendioxid-Ausstoß. Als nächstes Ziel bis zum Jahr 2028 nannte er, dass 40 Prozent der Fernwärme auf Kohlendioxid-neutrale Weise erzeugt werden sollen.

Dabei setzt er auf ein Großprojekt, bei dem unvermeidbare industrielle Abwärme aus der Total-Raffinerie Leuna zu Fernwärme aufbereitet und über eine 19 Kilometer lange Leitung nach Leipzig transportiert werden soll. Diese Abwärme gilt als CO2-neutral und wird deshalb in Dekarbonisierungs-Bilanzen angerechnet.

Den Bau der Fernwärme-Leitung hatten die Stadtwerke und Total im September 2025 offiziell gestartet. Dabei ist eine wichtige Frage für den Leitungsbau bisher noch nicht endgültig geklärt: Die Leitung soll über zahlreiche Grundstücke führen, mit deren Eigentümern sich die Stadtwerke einigen müssen.

Bei den meisten Eigentümern ist das gelungen, doch bei einigen auch nicht. Sie wehren sich auf dem Rechtsweg gegen das Projekt. Wie Rogall gestern sagte, ist diese rechtliche Klärung noch nicht abgeschlossen. Auf den Zeitplan werde sich das nicht auswirken. Demnach soll die Leitung im Herbst 2027 in Betrieb gehen können.

 

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