Für die meisten Fernwärmekunden in Leipzig dürfte es im Jahr 2026 eine minimale Kostenersparnis geben. Dabei bleiben die Preise immer noch auf einem Niveau, das sich in den Jahren der Energiekrise eingestellt hatte.

 

Fernwärme-Ausbau in Leipzig. Foto: Stefan Schroeter

Ergänzt-2. Die Stadtwerke Leipzig halten ihre Fernwärmepreise für das Jahr 2026 auf hohem Niveau stabil. Das geht aus einem Preisblatt hervor, das der stadteigene Energieversorger in diesen Tagen veröffentlicht hat. Die neuen Strom- und Gaspreise für die Grundversorgung hatte er bereits Anfang November bekanntgegeben.

Im neuen Preisblatt für den überwiegend genutzten Fernwärmetarif „wärme.kompakt‟ sinkt der Verbrauchspreis leicht auf 14,20 Cent pro Kilowattstunde. Das liegt vor allem daran, dass die bisher vom Bund erhobene Gasspeicher-Umlage zum Jahresende ausläuft. Sie war bisher in den Verbrauchspreis eingegangen, weil die Fernwärme teilweise aus Erdgas hergestellt wird. 

Dagegen steigt der Grundpreis-Änderungsfaktor leicht an. Er wirkt sich auf den Grundpreis für einen Fernwärme-Anschluss aus, der im Versorgungsvertrag festgehalten ist und jährlich an aktuelle Kostenentwicklungen angepasst wird.

Bei den meisten Kunden dürfte sich insgesamt eine minimale Kostenersparnis ergeben. Die Stadtwerke selbst hatten im November vorab mitgeteilt, dass die Kosten für einen durchschnittlichen Mieterhaushalt in Leipzig mit einem Jahresverbrauch von 7.500 kWh um 1,5 Prozent sinken würden. Dies entspreche einer jährlichen Kostenersparnis von 21,50 Euro.

 

Anspruchsvolle Preisstruktur

Dabei ist es gar nicht so einfach, die Kosten für einen einzelnen Haushalt auszurechnen. Denn die Fernwärme hat eine sehr anspruchsvolle Preisstruktur. Das betrifft vor allem den Grundpreis. Er wird stufenweise nach der höchsten Wärmeleistung berechnet, die in einem versorgten Gebäude an besonders kalten Wintertagen notwendig werden kann.

Als weitere Berechnungsgröße kommt die Rücklauftemperatur der Fernwärme dazu. Und schließlich ändert sich der Grundpreis auch noch in jedem Jahr um einen neu festgelegten Grundpreis-Änderungsfaktor.

Ein Preisvergleich mit anderen Energieträgern, die eine viel einfachere Preisstruktur haben, ist so kaum möglich. Um etwas mehr Transparenz zu erreichen, hat die Fernwärme-Branche inzwischen ein System von Mischpreisen geschaffen. Dabei werden für drei typische Versorgungsfälle der Grundpreis, der Verbrauchspreis und der Jahresverbrauch erfasst und miteinander zu einem Mischpreis verrechnet.

So können auch die Stadtwerke Leipzig typisierte Brutto-Mischpreise für das Jahr 2026 nennen: Für ein Einfamilienhaus fallen 18,33 Cent pro kWh an. Für ein Mehrfamilienhaus mit 30 Wohnungen und einer Wärmeleistung von 70 Kilowatt sind es 16,74 Cent. Für die Industrie werden 16,20 Cent genannt.1

In konkreten Versorgungsfällen können sich allerdings auch andere Mischpreise ergeben. So gibt es Hinweise darauf, dass es bei kleineren Mehrfamilienhäusern auch zu Mischpreisen von mehr als 20 Cent kommen kann. Die Stadtwerke bestätigten das auf Nachfrage nicht. Bei einem Jahresverbrauch von 95.000 kWh und einer Leistung von 70 kW betrage der Mischpreis 18,09 Cent, teilten sie mit.1

 

Preisunterschied zum Erdgas

Damit liegt die Leipziger Fernwärme weiter auf einem hohen Preisniveau, das sich in den Jahren der Energiekrise eingestellt hatte. Bei der wichtigsten Konkurrenzenergie im Wärmemarkt – Erdgas – ist das Preisniveau dagegen wieder deutlich gesunken. Hier gibt es inzwischen Angebote, die einem Mischpreis von 10 Cent entsprechen.

Fernwärme ist vor Ort zwar effizienter als Erdgas, weil sie ohne weitere Umwandlungsverluste genutzt werden kann. Doch auch wenn dieser Effizienzvorteil berücksichtigt wird, ist Fernwärme in Leipzig damit noch um teilweise mehr als 50 Prozent teurer als Erdgas.

Dabei gibt es in Leipzig das politische Ziel, die Fernwärme weiter auszubauen und schrittweise zu dekarbonisieren. Derzeit trägt sie mit 30 Prozent zur Wärmeversorgung bei. 70 Prozent der Wärme werden dezentral mit Erdgas und Heizöl erzeugt.

Die Fernwärme wird derzeit ebenfalls aus Erdgas und auch noch aus Braunkohle produziert. Der Braunkohle-Anteil soll demnächst abgelöst und in zwei Jahren durch unvermeidliche industrielle Abwärme aus der Raffinerie Leuna ersetzt werden.

Als ein wichtiger Schritt zur Dekarbonisierung gilt die Solarthermie-Anlage Leipzig West. Sie soll im Frühjahr 2026 in Betrieb gehen und Solarwärme ins Fernwärmenetz einspeisen.

 

Das Argument: Die Gaspreise steigen wieder

Wenn es das politische Ziel gibt, die teure Fernwärme in Leipzig weiter auszubauen und das günstigere Erdgas abzulösen: Sind die hohen Fernwärmepreise dann nicht sehr ungünstig, um die Erdgaskunden für diesen Umstieg zu gewinnen?2

"Nein!", antwortet Stadtwerke-Pressesprecher Frank Viereckl. Dabei argumentiert er damit, dass die Gaspreise nach seiner Einschätzung mittel- und langfristig wieder steigen werden: So würden für Erdgas in den nächsten Jahren höhere Emissionskosten für Kohlendioxid-Zertifikate anfallen.

Bei der Fernwärme sinke dagegen der Anteil an kohlenstoffbasierter Wärmeerzeugung und damit auch der Anteil für den Emissionspreis. Dabei setzen die Stadtwerke vor allem auf die industrielle Abwärme, für die laut Viereckl keine Emissionskosten anfallen.

Außerdem rechnet der städtische Versorger damit, dass die Gasnetz-Entgelte in den kommenden Jahren steigen werden. Das erklärt er damit, dass immer mehr Kunden die Gasinfrastruktur verlassen, durch einen Wechsel in andere Heizungsarten wie beispielsweise Fernwärme oder Wärmepumpe. Die weniger werdenden Gaskunden müssen dann die Infrastruktur Gasnetze weiter bezahlen.

Dazu kommen die Vorgaben einer klimaneutralen Wärmeversorgung. Sie können in bestimmten Fällen dazu führen, dass dem fossilen Erdgas künftig erneuerbare Gase wie Biomethan zugemischt werden müssen. Diese erneuerbaren Gase sind teurer als fossiles Erdgas und führen somit zu einem Preisanstieg, argumentieren die Stadtwerke.

 


Ergänzungen:

1 - Dieser Absatz wurde am 20.01.2026 ergänzt.

2 - Dieser und die folgenden Absätze wurden am 21.01.2026 ergänzt.


 

 

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