Biomasse kann Kohlenstoff liefern, der für viele Produktionsprozesse nötig ist und bisher aus fossilen Rohstoffen stammt. Wissenschaftlerinnen wollen dieses Element künftig möglichst lange in integrierten Produktionsketten nutzen und danach auch wiedergewinnen.

 

Waldholz kann biogenen Kohlenstoff liefern. Symbolfoto: Stefan Schroeter

Bei der Biomassenutzung kann der Umgang mit dem enthaltenen Kohlenstoff künftig eine größere Rolle spielen. „Kohlenstoff wird limitiert sein, wenn wir keine fossilen Rohstoffe mehr haben‟, sagte die Wissenschaftlerin Daniela Thrän heute bei einer Konferenz in Leipzig. „Und Biomasse ist erstmal eine Möglichkeit, den Kohlenstoff schon vorkonfiguriert bereitzustellen.‟

Nach ihrer Einschätzung sollte nachhaltige Biomasse künftig in integrierten Produktionsketten und Kreisläufen genutzt werden, in denen viele verschiedene Endprodukte entstehen. Das könnten neben Kraftstoffen und Energie auch Chemieprodukte, Baumaterialien und viele andere Produkte sein. Als nachhaltige Biomasse bezeichnete die Wissenschaftlerin die Reststoffe aus Land- und Forstwirtschaft sowie Abfallstoffe.

Als wichtiges Zukunftsthema sieht die Abteilungsleiterin des Umwelt-Forschungszentrums Leipzig die Abscheidung von Kohlendioxid. Dieses wirkt bekanntlich als klimaschädliches Treibhausgas, wenn es als Verbrennungsprodukt in die Atmosphäre entweicht. Es enthält aber auch Kohlenstoff, der wiedergewonnen und als Rohstoff genutzt werden kann.

 

Rohstoffe im Kreislauf halten

Thrän zufolge umfasst das aktuelle Bioenergiesystem 150 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Ein großer Teil davon entfalle auf Anlagen zur Herstellung von Biogas und Biokraftstoff sowie zur Feststoff- und Müllverbrennung. In diesen Anlagen sei es technisch möglich, 30 Millionen Tonnen CO2 abzuscheiden.

Auf den nachhaltigen Wandel in der Rohstoffbasis ging auch Heike Brugger ein, Geschäftsführerin des Karlsruher Forschungsinstituts Irees. In einer zirkulären Wirtschaft gehe es darum, die Produkte schon so zu gestalten, dass die Rohstoffe später wiedergewonnen und möglichst lange im Kreislauf gehalten werden können. „Die Frage ist dann auch: Wie sieht der passende Kohlenstoff-Kreislauf dazu aus?‟, sagte sie. Dabei solle der Einsatz von fossilem Kohlenstoff möglichst vermieden werden.

 

Holz für die Bioraffinerie

Als Paradebeispiel für die stoffliche Nutzung biogener Rohstoffe kann wohl die Bioraffinerie gelten, die das finnische Unternehmen UPM derzeit am Chemiestandort Leuna in Betrieb nimmt. Wie Forschungsdirektor Gerd Unkelbach berichtete, sind die Anlagen auf die Verarbeitung von Laubholz ausgelegt.

Konkret geht es dabei um forstwirtschaftliches Ausdünnungsholz und Restholz aus Sägewerken, das bisher überwiegend energetisch genutzt wurde. Die Transporte erfolgen aus einem Umkreis von 150 bis 200 Kilometern.

Aus diesem Holz gewinnt die Raffinerie mit mehreren Verarbeitungsstufen verschiedene Zwischenprodukte und Grundstoffe, die in der Chemieindustrie weiterverarbeitet werden können. Dazu zählt auch grüner Wasserstoff, der als nachhaltige Alternative zu fossilem Erdgas gilt.

 

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