Der Fachverband Biogas hält es für notwendig, dass in Deutschland sehr viel mehr Biomethan-Anlagen als bisher gebaut werden. Die Rahmenbedingungen dafür sind allerdings inzwischen weniger günstig als in anderen europäischen Ländern.

 

Biomethan-Anlagen speisen grünes Gas in Erdgasnetze ein. Symbolfoto: Stefan Schroeter

In Deutschland werden wieder mehr Biomethan-Anlagen gebaut. Mit 21 Anlagen sei der Zubau im Jahr 2024 so hoch gewesen wie seit zehn Jahren nicht mehr, berichtete der Fachverband Biogas gestern bei einer Onlinekonferenz. In den Jahren zuvor seien immer nur drei oder vier Anlagen pro Jahr dazu gekommen, sagte Präsident Horst Seide.

Insgesamt zählt der Fachverband nun 272 Biomethan-Anlagen, die knapp 1,4 Milliarden Kubikmeter Biomethan pro Jahr ins Gasnetz einspeisen. Das entspreche 1,6 Prozent des deutschen Gasverbrauchs.

Dieser Anstieg sei jedoch marginal im Vergleich zu den enormen Anstrengungen, die im restlichen Europa unternommen werden, sagte Seide. „Dieses kleine Zwischenhoch kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Weltmarktführer Deutschland beim Biomethan allmählich den Anschluss verliert.“

 

Europäischer Ausbauplan

Der Präsident verwies auf den „RePowerEU“-Plan der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2022. Mit diesem Plan will sie die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland reduzieren und den Übergang zu sauberen Energien beschleunigen.

Demnach soll die Biomethan-Produktion der Europäischen Union bis zum Jahr 2030 auf 35 Milliarden Kubikmeter pro Jahr gesteigert werden. Das ist allerdings ein recht hochgestecktes Ziel, von dem die bisherigen Ausbauzahlen und bekannten Investitionspläne noch weit entfernt sind.

Seide leitet aus dem europäischen Ausbauplan vor allem die Notwendigkeit ab, die bisher ungenutzten Biogas-Potenziale von Rest- und Abfallstoffen, Gülle, Mist und Stroh zu erschließen. Um daraus Biomethan zu produzieren, müssten in Deutschland sehr viel mehr Anlagen gebaut werden als zuletzt.

Vor einem verstärkten Ausbau stehen aus seiner Sicht vor allem zwei Hindernisse. Eines davon sind die Unsicherheiten um die Gasnetz-Zugangsverordnung. Die legt fest, wie Anlagenbetreiber ihr produziertes Biomethan in Gasnetze einspeisen können.

Diese Verordnung läuft zum Jahresende 2025 aus und wird zunächst durch eine Übergangsregelung ersetzt. Später soll es eine dauerhafte Nachfolgeregelung geben.

Bis es soweit ist, fehlt den Betreibern eine langfristige Perspektive für neue Biomethan-Projekte. Ein solches Projekt braucht Seidel zufolge etwa fünf Jahre für Planung und Bau. Derzeit könne keiner sagen, welche Gesetzeslage dann gilt, wenn die Anlage fertig ist.

Diese Unsicherheit hemme den Zubau der Anlagen sehr stark, sagte der Präsident. Sein Fachverband fordert deshalb von der Politik, zeitnah eine dauerhafte Nachfolgeregelung zu schaffen.

 

Schwierige wirtschaftliche Situation

Als weiteres Ausbauhemmnis nannte Seidel, dass auf dem deutschen Markt derzeit keine wirtschaftlichen Preise für Biomethan zu erzielen seien. Er führt das auf einen Missbrauch des Emissionshandels mit gefälschten Kohlendioxid-Zertifikaten zurück, der zu einem Preisverfall bei den CO2-Zertifikaten geführt habe. Deshalb sei die wirtschaftliche Situation der Biomethan-Anlagen momentan sehr schwierig, sagte Seide.

Zum Verständnis: Biomethan wird zu höheren Preisen produziert und verkauft als fossiles Erdgas. Allerdings müssen Anlagenbetreiber, die fossiles Erdgas verbrennen, dafür CO2-Zertifikate zukaufen. Für Biomethan gilt das nicht. Deshalb verbessert sich die Marktsituation von Biomethan bei hohen CO2-Preisen und verschlechtert sich bei niedrigen CO2-Preisen.

Anders als in Deutschland verläuft die Entwicklung bei Biomethan in Frankreich, Italien und Dänemark. Vizepräsident Christoph Spurk wies darauf hin, dass es dort große Fortschritte gibt. In diesen Ländern seien stabile Rahmenbedingungen geschaffen worden. Auch Spanien, Polen und Griechenland würden in diese Richtung gehen.

Besonders deutlich zeigen sich die Fortschritte in Frankreich, wo es inzwischen feste Einspeisevergütungen für Biomethan gibt. Dort wird schon mehr Biomethan produziert als in Deutschland, das im europäischen Vergleich lange vorne lag.

 

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