Eine große Wärmepumpe könnte künftig die Wärme des Dresdner Abwassers nutzen, um Fernwärme für die Stadt zu produzieren. Das Projekt dafür planen Sachsenenergie und Stadtentwässerung gemeinsam.

 

Belebungsbecken in der Kläranlage Dresden-Kaditz. Archivfoto 2025: Stefan Schroeter

In Dresden wollen zwei kommunale Unternehmen künftig Fernwärme aus der Wärme von Abwasser produzieren. Eine entsprechende Vereinbarung haben der Energieversorger Sachsenenergie und das Abwasser-Unternehmen Stadtentwässerung Dresden im Oktober 2026 unterschrieben. Ab dem Jahr 2033 soll eine große Wärmepumpe die Wärme des gereinigten Abwassers nutzen, um Fernwärme zu produzieren und in das Dresdner Fernwärmenetz einzuspeisen.

Die geplante Anlage könnte eine Wärmemenge bereitstellen, die rechnerisch 5,7 Prozent des heutigen Dresdner Fernwärmebedarfs entspricht, teilten die Unternehmen mit. Das würde es nach derzeitigen Berechnungen ermöglichen, gegenüber der erdgasbasierten Wärmeerzeugung 12.480 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen im Jahr zu vermeiden.

Möglich wird diese Form der Wärmenutzung, weil das gereinigte Abwasser selbst an strengen Wintertagen noch eine Temperatur von 12 Grad Celsius hat. Im Sommer erreicht es sogar bis zu 20 Grad.

 

Wärmepumpe hebt das Temperaturniveau

Die Stadtentwässerung Dresden plant derzeit zwei neue Klärbecken, die zusammen 28.000 Kubikmeter Wasser aufnehmen können. Bei dieser Planung soll der Bau der Wärmepumpe direkt integriert werden. Um die Wärme aus dem gereinigten Abwasser zu gewinnen, wird es in die Wärmepumpe geleitet.

Dort wird dem Abwasser Wärme entzogen, so dass es sich um etwa fünf bis sieben Grad abkühlt. Anschließend fließt das nun kühlere Abwasser über die Ablaufleitung in die Elbe. Die gewonnene Wärme wird unter Einsatz elektrischer Energie auf ein Temperaturniveau von bis zu 110 Grad Celsius angehoben und mit einer Wärmeleistung von 12 MW in das zentrale Fernwärmenetz eingespeist.

Aus der Wärme von 11 Millionen Kubikmetern Abwasser können so pro Jahr etwa 72.000 bis 96.000 Megawattstunden nutzbare Wärme entstehen. Den notwendigen Stromeinsatz für die Wärmepumpe beziffert Sachsenenergie im Mittel mit 30.000 MWh – abhängig von Einflussgrößen wie Außenluft-Temperatur und Vollaststunden. Der Wärmeertrag würde reichen, um 3.600 bis 4.800 durchschnittliche Dresdner Haushalte mit Wärme zu versorgen.

Dazu muss unter anderem noch eine Fernwärme-Verbindungsleitung von den Stadtentwässerungs-Anlagen im Stadtteil Kaditz zum zentralen Dresdner Fernwärmenetz gebaut werden. Die Projektkosten für Wärmepumpe und Fernwärme-Anbindung beziffern die Partner mit 35 Millionen Euro. Zur Finanzierung streben sie eine Förderung von 40 Prozent aus der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze an.

Wärme aus Abwasser wird in Deutschland bereits an einzelnen Standorten genutzt. Dazu zählen Hamburg, Lemgo, Berlin und Aachen. Dabei versorgen die meisten Anlagen gezielt einzelne Gebäude oder Stadtviertel. In Hamburg und Lemgo fließt die Wärme auch in die zentralen Fernwärmenetze.

 

Fossiles Erdgas ersetzen

Sachsenenergie arbeitet derzeit an weiteren Projekten, um in der Dresdner Wärmeversorgung den fossilen Energieträger Erdgas zu ersetzen. Ein Großprojekt ist die geplante Flusswasser-Wärmepumpe an der Elbe neben der Marienbrücke. Sie soll eine Wärmeleistung von 50 MW erreichen und jährlich 300.000 MWh Wärme erzeugen.

Bereits in Betrieb ist eine Wärmepumpe an der TU Dresden, die Abwärme des dortigen Rechenzentrums für die Produktion von Fernwärme nutzt. Dazu kommt eine Solarthermie-Anlage in Dresden-Räcknitz, die den gleichen Zweck erfüllt. Außerdem plant der Energieversorger eine thermische Abfallbehandlungs-Anlage in der Stadt.

 

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