Bei der Produktion von grünem Wasserstoff kommt es besonders auf die Elektrolyseure und ihr Zusammenspiel mit anderen Anlagen an. In Dresden wird diese Technik entwickelt und produziert. Die ostdeutsche Wasserstoff-Branche rechnet langfristig mit größeren Impulsen für die regionale Industrie.
Im Energiepark Bad Lauchstädt arbeiten die Projektpartner weiter daran, grünen Wasserstoff produzieren zu können. „Wir sind mitten in der Inbetriebnahme und kurz davor, das erste Molekül zu erzeugen‟, berichtete Projektleiter Sebastian Pflüger kürzlich beim Ostdeutschen Wasserstoffkongress in Dresden. Dabei kommt es vor allem auf das Herzstück des Projektes an: den Druck-Alkali-Elektrolyseur, der vom Dresdner Unternehmen Sunfire geliefert wurde. Mit einer Leistung von 30 Megawatt soll er künftig Wasserstoff aus Windstrom und Wasser produzieren. Den Strom dafür liefert ein naher Windpark mit 50 MW Spitzenleistung, der schon seit zwei Jahren am Netz ist. Die Wasseraufbereitungs-Anlage läuft schon lange und kann das hochreine Wasser bereitstellen, das für die Elektrolyse nötig ist. Auch eine 25 Kilometer lange Gasleitung wurde bereits von Erdgas auf den Betrieb mit Wasserstoff umgerüstet. Sie soll den grünen Energieträger künftig zur Raffinerie Leuna transportieren. Mit dem Raffineriebetreiber Total Energies hat das Energiepark-Konsortium auch schon vor einiger Zeit einen Liefervertrag unterschrieben. Nun bleibt also noch die Aufgabe, das Zusammenspiel aller Anlagen zu organisieren und das grüne Gas selbst zu produzieren. Projektleiter Pflüger sieht das auch als Praxistest für den angestrebten Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft. Hier zeige sich, wie die kommerziellen technischen Prozesse zueinander gebracht werden können, sagte er auf dem Kongress. Für den Hersteller der Elektrolyseure, Sunfire, ist Bad Lauchstädt nicht das einzige und auch nicht das größte Praxisprojekt. Er liefert auch Elektrolyseure mit 100 MW an RWE für ein Wasserstoff-Projekt in Lingen, Niedersachsen, und mit 200 MW für zwei Projekte des Ölkonzerns Repsol in Spanien. Dazu kommen mehrere Projekte in Finnland, berichtete der Berliner Büroleiter Christopher Frey. Sunfire beschäftigt inzwischen mehr als 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die meisten davon in Dresden. Derzeit arbeitet das Unternehmen an einer neueren Klasse von Hochtemperatur-Elektrolyseuren, die auch als SOEC-Elektrolyseure bekannt sind (Solid Oxide Electrolysis Cell). Als Energiequelle soll sie neben Strom auch Abwärme oder Wasserdampf nutzen und mit einem besonders hohen Wirkungsgrad arbeiten können. Diese SOEC-Elektrolyseure will Sunfire nun gemeinsam mit dem Chemiekonzern BASF an dessen Standort Schwarzheide in Brandenburg in einem industriellen Langzeittest erproben. Hier sind Flächen ebenso verfügbar wie die notwendigen Medien Strom, Wasser, Abwärme und Stickstoff. „Deswegen ist Schwarzheide ein idealer Standort‟, sagte Frey. „Wir produzieren hier keinen Wasserstoff für BASF, sondern wir validieren unsere Technologie.‟ Dabei kommt die Chemieindustrie ebenso wie die Stahl- und Glasindustrie auch als künftiger Großkunde für grünen Wasserstoff und die dafür notwendige Anlagentechnik in Frage. Das sind energieintensive Industrien, die in Ostdeutschland über Jahrzehnte gewachsen sind und jetzt vor der Herausforderung stehen, klimaneutral zu werden. Wasserstoff aus erneuerbaren Energien kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Darauf wies Henrike Knopf hin, Referentin der IWO Initiative für Wasserstoff in Ostdeutschland. Dabei rückte sie auch die Möglichkeiten in den Blick, die sich aus der Produktion von Elektrolyseuren für die regionale Industrieentwicklung eröffnen können. Neben den Elektrolyseuren werden auch zahlreiche andere Spezialanlagen und Komponenten benötigt, auf die sich ostdeutsche Hersteller und Zulieferer inzwischen spezialisiert haben. Dazu kommt eine starke Forschungslandschaft. „Die wirtschaftliche Chance von Wasserstoff liegt nicht nur darin, Wasserstoff zu produzieren und ihn zu nutzen, sondern auch die Technologien zu exportieren‟, sagte Knopf. Welche Potenziale für Wertschöpfung und Beschäftigung damit langfristig verbunden sein könnten, hat IWO in einer Studie untersucht. Sie soll demnächst vorgestellt werden. Demnach könnten ostdeutsche Hersteller von Elektrolyseuren und ihre Zulieferer im Jahr 2045 eine Brutto-Wertschöpfung von mindestens 480 Millionen Euro pro Jahr erreichen. Knopf zufolge entspricht das der heutigen Wertschöpfung in der ostdeutschen Papierindustrie. Im besten Fall könnten sogar 2,2 Milliarden Euro erreicht werden. Das wäre mit der heutigen Mineralölverarbeitung vergleichbar. „Wir reden hier nicht über irgendeinen Nischenmarkt‟, schlussfolgerte die IWO-Referentin. „Sondern wir sprechen über eine Technologie mit volkswirtschaftlicher Relevanz.‟Elektrolyseure aus Dresden
Wirtschaftliche Chancen
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