Bei Magdeburg und Leuna soll bald Wasserstoff mit Windstrom produziert und an Industriekunden geliefert werden. Weitere Produktionsprojekte und Leitungsnetze sind geplant. Bei manchen möglichen Anwendern wächst aber auch die Zurückhaltung.

 

Bildunterschrift. Foto: Stefan Schroeter

Im Industriepark Osterweddingen bei Magdeburg arbeitet das Energieunternehmen Enertrag an der Produktion von grünem Wasserstoff. Noch im laufenden Jahr 2025 soll hier ein Elektrolyseur mit zehn Megawatt Leistung in Betrieb gehen, der seinen Strom aus nahen Windparks bezieht.

Den damit produzierten Wasserstoff will Enertrag über eine Direktleitung an lokale Industrieunternehmen liefern, an einer Spezialtankstelle verkaufen und in eine überregionale Erdgas-Fernleitung einspeisen. Darüber berichtete Abteilungsleiterin Anna Jabloniec-Grüger am Donnerstag beim Mitteldeutschen Wasserstoff-Kongress in Halle/Saale.

Damit dürfte Enertrag für Osterweddingen zwei zentrale Entwicklungsprobleme lösen, die beim Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft entstehen.

Zum einen gibt es ein Transportproblem: Unternehmen, die ihre Produktionsanlagen von fossilem Erdgas auf grünen Wasserstoff umstellen wollen, haben in den meisten Fällen keinen Anschluss an eine Wasserstoffleitung. Um die Umstellung zu testen, können sie sich den Kohlenstoff-freien Energieträger nur in begrenzten Mengen mit Lastkraftwagen liefern lassen.

Zum zweiten gibt es ein Produktionsproblem: Grüner Wasserstoff aus erneuerbaren Energien wird bisher nur in kleinen Mengen produziert und ist schwer zu bekommen. Geliefert werden kann in den meisten Fällen nur grauer Wasserstoff, der aus fossilen Energieträgern wie Erdgas erzeugt wurde.

 

Leitung und Elektrolyse

Um das Transportproblem zu lösen, arbeiten die Betreiber der Gasleitungs-Netze derzeit daran, ein leistungsfähiges Wasserstoffnetz aufzubauen. Dabei nutzen sie teilweise bestehende Erdgasleitungen und rüsten sie für den Betrieb mit Wasserstoff um. Diese umgerüsteten Leitungen werden durch neue Wasserstoffleitungen ergänzt.

So hat der Ferngas-Leitungsbetreiber Ontras in Sachsen-Anhalt eine 25 Kilometer lange Erdgasleitung für Wasserstoff umgerüstet. Sie soll künftig grünen Wasserstoff aus dem Energiepark Bad Lauchstädt zur Total-Raffinerie in Leuna transportieren.

Im Energiepark wird derzeit noch am Elektrolyseur gearbeitet, der auf eine Leistung von 30 Megawatt ausgelegt ist. Er soll in den nächsten Monaten den Betrieb aufnehmen und dann Strom aus einem nahen Windpark nutzen, um grünen Wasserstoff zu produzieren.

Inzwischen gibt es in Ostdeutschland und bundesweit eine ganze Reihe von Projekten für die Produktion von grünem Wasserstoff, die auch schon auf deutlich größere Leistungen und Produktionsmengen ausgelegt sind. In den nächsten Jahren soll auch das Wasserstoff-Leitungsnetz ausgebaut werden, so dass dieser Energieträger zunehmend an vielen Standorten verfügbar sein dürfte.

 

Blick auf die Kosten

Dann wird es darauf ankommen, das dritte Problem beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft zu lösen: Es müssen sich genügend Anwender finden, die das Angebot auch annehmen. Eine wichtige Zielgruppe dabei sind Industrieunternehmen, die weniger Treibhausgase ausstoßen wollen. Deshalb hatten sich viele von ihnen in den vergangenen Jahren für grünen Wasserstoff interessiert.

Bei einigen wächst inzwischen allerdings die Zurückhaltung. Darüber berichtete Mario Suckert, Staatssekretär im Thüringer Wirtschaftsministerium. Die Zahl der Unternehmen, die an das künftige Wasserstoffnetz angeschlossen werden wollen, habe sich aus verschiedenen Gründen verringert. Als einen dieser Gründe nannte er die Kosten.

Ein wichtiger Teil dieser Kosten ist wiederum der Preis für grünen Wasserstoff, der noch deutlich über dem für Erdgas liegt. Eine Orientierung dafür bietet die Energiebörse EEX European Energy Exchange mit ihrem Preisindex „Hydrix“, den sie einmal pro Woche anhand von außerbörslichen Vertragsabschlüssen ermittelt.

Hier lag der Preis für grünen Wasserstoff zuletzt bei 225 Euro pro Megawattstunde. Zum Vergleich: Fossiles Erdgas kostet derzeit im börslichen Großhandel 32 Euro – also etwa ein Siebtel. Es gibt also noch einen enormen Preisunterschied.

 

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