Nach vielen schwierigen Jahren können in Sachsen nun wieder mehr Windräder gebaut werden. Wann sie ihren ersten Strom ins Netz einspeisen können, hängt von mehreren Einflüssen ab.

 

In Sachsen werden wieder mehr Windräder gebaut. Foto: Stefan Schroeter

Beim Ausbau der Windenergie in Sachsen mehren sich die Anzeichen für eine mögliche Trendwende. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Windenergie-Anlagen geplant und genehmigt worden, die nun auch zunehmend gebaut werden können. 

In der Statistik für das erste Halbjahr 2026 ist die Trendwende noch nicht direkt erkennbar. In diesem Zeitraum sind erst sechs große Windenergie-Anlagen in Betrieb gegangen. Sie verfügen über eine Spitzenleistung (Nennleistung) von insgesamt 36 Megawatt. Gleichzeitig wurden 12 kleinere und ältere Windräder abgebaut.

Derzeit ist allerdings schon eine größere Zahl von Anlagen im Bau, die demnächst oder in den nächsten Monaten in Betrieb gehen könnten. Darüber berichtet der Döbelner Windenergie-Experte Hans-Jürgen Schlegel.

Nach seiner Einschätzung könnte im Gesamtjahr 2026 wieder die Marke von 20 Windenergie-Anlagen erreicht oder überschritten werden. Damit wäre eine Leistung von mehr als 100 Megawatt verbunden. 

Das würde eine Trendwende nach vielen schwierigen Jahren bedeuten: Mehr als 20 WEA waren zuletzt im Jahr 2015 an die sächsischen Netze gegangen. 

Ob es tatsächlich dazu kommt, ist allerdings nicht sicher. Denn es hängt von mehreren Einflüssen ab, wann ein Windrad fertig gestellt werden und den ersten Strom ins Netz einspeisen kann. 

Dazu gehört, dass die Transportgenehmigungen für die riesigen Turmsegmente und Rotorblätter rechtzeitig vorliegen müssen, damit diese Großteile mit Schwerlast-Transporten angeliefert werden können. Auch wenn eine Anlage schon fertiggestellt ist, kann es noch unterschiedlich lange dauern, bis sie vom Betreiber des örtlichen Stromnetzes angeschlossen wird.

 

Größere Ausbauziele

Um die Ziele des sächsischen Energie- und Klimaprogramms zu erreichen, wäre ohnehin ein größeres Ausbautempo nötig. Dieses Programm war im Jahr 2021 von der sächsischen Staatsregierung beschlossen worden und hatte Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien festgelegt.

Demnach sollte die jährliche Stromproduktion aus erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2030 auf 16,3 Terawattstunden ausgebaut werden. Damit die Windenergie einen angemessenen Beitrag dazu leisten kann, müssten Schlegel zufolge eigentlich 40 bis 50 große Windräder pro Jahr gebaut und ans Stromnetz angeschlossen werden.

Wie es im nächsten Jahr mit dem Windenergie-Ausbau weitergeht, kann er bisher noch nicht gut abschätzen. Zwar liegen viele Genehmigungen für neue Windräder vor. Ob diese Anlagen auch tatsächlich gebaut werden, hängt nach seiner Einschätzung davon ab, wie wirtschaftlich die einzelnen Projekte umgesetzt werden können.

 

Neue Schwierigkeiten

Denn die Kosten für die Anlagen seien in der letzten Zeit deutlich gestiegen. Die Vergütungen für den erzeugten Windstrom entsprechend dem EEG Erneuerbare Energien Gesetz seien dagegen gesunken. Dazu kommt, dass das EEG derzeit von der Bundesregierung überarbeitet wird. „Die Gesellschaften warten jetzt erst einmal ab‟, berichtet der Experte.

Außerdem bilden sich an möglichen Windenergie-Standorten zunehmend Bürgerinitiativen, die sich gegen die Projekte wehren. Eine aktive Rolle spielt dabei die AfD. Mitunter gibt es auch langwierige Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern der Windenergie.

Es kommt auch zu technischen Schwierigkeiten: In Oberwiera bei Zwickau sorgte ein Windrad mit ungewöhnlichen Geräuschen für Unruhe bei den Anwohnern. Der Hersteller tauschte deshalb das Getriebe aus, konnte die Geräusche aber nicht abstellen. Schließlich entschloss er sich dazu, die Anlage zu demontieren.

 

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