Der Bau von Solarstrom-Anlagen auf Leipzigs kommunalen Gebäuden war zunächst gut angelaufen, zuletzt aber gebremst worden. Ursachen dafür sind die angespannte Haushaltslage der Stadt, der Zustand der geeigneten Dächer und eine neue Versicherungs-Richtlinie.
Das Solardach-Ausbauprogramm für kommunale Gebäude in Leipzig war im Jahr 2024 gut vorangekommen. Damals wurden 16 stadteigene Dächer mit Fotovoltaik-Anlagen ausgerüstet, die über eine Spitzenleistung von einem Megawatt Peak verfügten. Damit hat Leipzig ein Ziel des Ausbauprogramms erreicht, das der Stadtrat im Jahr 2021 beschlossen hatte. Demnach sollen jährlich Fotovoltaik-Anlagen mit 1 – 1,5 Megawatt Peak auf bestehende und neue kommunale Gebäude gebaut werden. In den Jahren zuvor hatte sich die Stadt diesem Ziel allmählich genähert. Nun schienen die Weichen dafür gestellt zu sein, den Solarausbau zu stabilisieren und zu erweitern. Bei ihrem Solardach-Programm arbeitet die Stadtverwaltung mit der Leipziger Kommunale Energieeffizienz GmbH zusammen, einer Tochtergesellschaft der Stadtwerke Leipzig. Die Stadtverwaltung bereitet die Dächer für den Solarausbau vor und stellt sie zur Verfügung. LKE errichtet die Solaranlagen und betreibt sie. Doch im vorigen Jahr 2025 kam der Solarausbau überraschend ins Stocken: Nur noch sieben stadteigene Dächer wurden mit Fotovoltaik-Anlagen ausgerüstet, die über eine Spitzenleistung von 500 Kilowatt Peak verfügen. Das war nur noch halb so viel wie im bisher erfolgreichsten Jahr 2024. Für das laufende Jahr 2026 rechnen Stadtverwaltung und LKE nun mit einem Zuwachs von 800 Kilowatt Peak. Auch das liegt weiter unter dem Ziel des Stadtrats-Beschlusses von 2021. Ursachen dafür sind die angespannte Haushaltslage der Stadt, der Zustand der geeigneten Dächer und eine neue Versicherungs-Richtlinie. Damit Solarstrom-Anlagen auf den Dächern von kommunalen Gebäuden errichtet werden können, müssen bestimmte bauliche Voraussetzungen erfüllt sein. Bei Neubauten kann das von vornherein eingeplant werden. „Seit dem Jahr 2022 sind fast alle kommunale Neubauten in Leipzig mit Solarstrom-Anlagen auf dem Dach ausgerüstet worden‟, berichtet Benjamin Schönherr, Sachgebietsleiter Energiemanagement im Amt für Gebäudemanagement. Auch wenn ältere Bestandsgebäude komplett saniert werden, können Solaranlagen mit eingeplant werden. Bei anderen Bestandsgebäuden, die sich für Solaranlagen eignen können, prüft die Stadtverwaltung zunächst die Statik der Dächer und weitere Voraussetzungen. Wenn Verbesserungen notwendig sind, setzt sie die entsprechenden Arbeiten um. Allerdings gibt es bei den Bestandsgebäuden eine begrenzte Anzahl von gut geeigneten Dächern. „Sie sind inzwischen weitgehend mit Solarstrom-Anlagen ausgerüstet worden‟, erklärt Silko Menge, Klimaschutzmanager im AGM. „Jetzt haben wir es zunehmend mit Dächern zu tun, bei denen größere Vorbereitungen nötig sind.‟ Das Neubauprogramm der Stadt ist aufgrund der angespannten Haushaltslage der Stadt stark eingeschränkt worden. Das gleiche gilt für Komplettsanierungen von Gebäuden. Auch das AGM kann weniger Mittel für die Dachsanierungen einsetzen. Dazu kommt, dass sich mehrere Projekte durch eine geänderte Richtlinie der Gebäudeversicherungen verzögern. Sie stellt seit dem Jahresende 2023 besondere Anforderungen an Dächer, auf denen Solarstrom-Anlagen nachgerüstet werden. Ihre Dachhaut besteht zwar bereits aus schwer brennbaren Materialien, die der Bauordnung entsprechen und von den Versicherungen bisher als sicher genug eingestuft wurden. Doch wenn eine Solarstrom-Anlage dazukommt, fordern die Versicherungen nun einen stärkeren Brandschutz. Der Grund dafür ist, dass es in seltenen Fällen zu Kurzschlüssen und Kabelbränden an der Anlage kommen könnte. Um diesen zusätzlichen Brandschutz zu gewährleisten, soll eine besonders feuerfeste Trennschicht zwischen Dachhaut und Solaranlage aufgebracht werden. Inzwischen haben die Hersteller Trennschicht-Materialien entwickelt und auf den Markt gebracht, die dieser Richtlinie entsprechen. Die Handwerker lernen nun allmählich, wie sie damit arbeiten können. „Das alles braucht Zeit und kostet auch mehr Geld als bisher‟, erklärt Menge. „Gleichzeitig müssen wir jetzt mit weniger Haushaltsmitteln auskommen.‟ Schönherr und Menge gehen deshalb davon aus, dass sich das Ausbauprogramm in den nächsten Jahren bei 800 Kilowatt Peak einpendeln wird. Das Ziel von 1 – 1,5 MWp Jahresausbau, das der Stadtrat im Jahr 2021 beschlossen hatte, halten sie in der gegenwärtigen Situation nicht für erreichbar. Dabei sind unter günstigen Bedingungen auch noch einzelne Großprojekte möglich. Dazu zählt das Projekt eines Solar-Carports auf einem kommunalen Parkplatz an der Leipziger Messe. Die Solaranlagen hier sollen allein auf eine Spitzenleistung von 1 MWp kommen und ab Mai 2027 jährlich 915.000 Kilowattstunden Strom erzeugen. Dieses Projekt wurde möglich, weil die Stadt dafür 2 Millionen Euro Fördergelder aus einem Energie- und Klimaschutzprogramm des Freistaats Sachsen einsetzen kann. Dazu kommen 528.000 Euro, die LKE investiert. Als ein wichtiges Ziel des Solardach-Programms nennt Schönherr, dass der erzeugte Solarstrom möglichst weitgehend in den Gebäuden vor Ort selbst verbraucht werden kann. Das gelingt derzeit bei durchschnittlich 70 Prozent des Solarstroms. Für die Stadtverwaltung ergibt sich daraus der Vorteil, dass sie den vor Ort erzeugten Solarstrom zu einem vergünstigten Strompreis von LKE bezieht. Den übrigen Strom für die Gebäude liefert das Unternehmen zu einem höheren Normalpreis. Zusammen haben die städtischen Gebäude gemeinsam mit der Straßenbeleuchtung einen jährlichen Stromverbrauch von insgesamt 46 Gigawattstunden. Auf ihren Solardächern können derzeit etwa 2,5 GWh erzeugt werden. Wenn der Solar-Carport dazukommt, könnte die selbst erzeugte Solarstrom-Menge im Jahr 2027 auf 4 GWh steigen.Geeignete Dächer
Neue Brandschutz-Anforderungen
Großprojekt durch Fördergelder
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