Der Braunkohleförderer Mibrag und Getec Green Energy haben am Tagebau Profen einen Windpark gebaut. Es ist das erste konkrete Projekt für einen Strukturwandel an diesem Standort.

Windpark Profen gross

Windräder auf der Innenkippe des Tagebaus Profen. Foto: Stefan Schroeter


Auf einer rekultivierten Kippenfläche des Braunkohle-Tagebaus Profen wird nun Windstrom produziert. Der Windpark Hohenmölsen-Profen verfügt über neun Windräder mit einer Gesamtleistung von 28,8 Megawatt und soll jährlich 65 Millionen Kilowattstunden Strom liefern. Der Windpark und ein Umspannwerk wurden für 42 Mio. Euro von einem Gemeinschaftsunternehmen des Braunkohleförderers Mibrag und des Grünenergie-Unternehmen GGE Getec Green Energy errichtet, das den Windpark auch betreibt. Über das 13 Kilometer entfernte Umspannwerk wird der Windstrom in das regionale Netz von Mitnetz Strom eingespeist und mit einem Einspeisetarif von 7,68 Cent pro Kilowattstunde vergütet.

 

Nach GGE-Berechnungen kann das Gemeinschaftsunternehmen Windpark Hohenmölsen-Profen damit einen Jahresumsatz von 5 Mio. Euro erzielen. Wie GGE-Vorstand Chris Döring gestern bei der offiziellen Inbetriebnahme sagte, wird das Gemeinschaftsunternehmen voraussichtlich eine Viertelmillion Euro pro Jahr Steuern zahlen, die Hälfte davon als Gewerbesteuer an die Stadt Hohenmölsen.

 

Für den Windpark werden Siemens-Anlagen des Typs SWT 3.2-113 mit einer Nabenhöhe von 115 Metern und einem Rotor-Durchmesser von 113 Metern eingesetzt. Damit diese hohen, 470 Tonnen schweren Anlagen auf dem rekultivierten Boden der Tagebau-Innenkippe einen sicheren Stand haben, wurde jede Anlage auf 91 Betonsäulen gegründet. Sie sind jeweils 40 Zentimeter stark und reichen 18 Meter tief in den Boden. Diese Betonsäulen bilden Döring zufolge die Grundlage für ein „schwimmendes Flachfundament“, in dem 70 Tonnen Stahl und bis zu 600 Kubikmeter Beton pro Anlage verbaut wurden.

 

Mibrag-Geschäftsführer Armin Eichholz bezeichnete den Windpark als Zeichen dafür, dass konventionelle Energieträger und erneuerbare Energien als Partner auftreten können. Der Windpark erzeuge Strom, ohne Kohlendioxid auszustoßen. Wenn kein Wind wehe, werde aber die Braunkohle gebraucht, um eine sichere Stromversorgung zu sichern. Über erste Erfahrungen mit der Windkraft verfügt Mibrag bereits seit einigen Jahren: Am Tagebau Vereinigtes Schleenhain betreibt die Tochtergesellschaft Mibrag Neue Energie einen Windpark mit 7 MW Gesamtleistung.

 

Der Windpark Hohenmölsen-Profen ist das erste konkrete Projekt für einen Energiepark Profen, mit dem GGE und Mibrag den Strukturwandel an dem Braunkohle-Standort erreichen wollen. Anspruchsvoll ist das Vorhaben auch deshalb, weil der Tagebau auf der Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Sachsen liegt. Die nun errichteten Windräder stehen auf sachsen-anhaltinischem Boden. Später sollen weitere Windräder im sächsischen Teil des Tagebaus hinzukommen. Das nächste größere Projekt des Energieparks könnte im Jahr 2019 ein Batterie-Stromspeicher mit 40 MW Leistung und 40 MWh Kapazität sein. Weitere Projektideen gibt es für Biomasse-Anlagen, eine Wasserstoff-Produktion und ein Pumpspeicher-Kraftwerk.