Der Betreiber des russischen Strom-Großmarktes hat erneut Projekte für Solar-, Wind- und Wasserkraft vergeben. Während Solarkraftwerke auf ein großes Interesse trafen, waren Wind- und Wasserkraft-Projekte weniger gefragt.


Die Windkraft wird in Russland schon lange mit kleinen Anlagen zur Eigenstrom-Versorgung genutzt. Für den Bau größerer Windparks sind die Rahmenbedingungen schwieriger. Archivfoto: Stefan Schroeter


Der Administrator des Handelssystems (Russisch: Administrator Torgowoj Sistemy – ATS), der den russischen Strom-Großmarkt betreibt, hat erneut Kraftwerksleistungen für Ökostrom-Projekte vergeben. Die so vertraglich gebundenen Solar-, Wind- und Wasserkraftwerke sollen in den Jahren 2015 bis 2018 in Betrieb gehen und Strom an den Großmarkt liefern. Wie schon bei der ersten derartigen Ausschreibung im vergangenen Oktober konnte auch diesmal nur für die Fotovoltaik eine größere Zahl von Projekten vereinbart werden.

ATS genehmigte 33 Solarpark-Projekte, die mit einer gesamten Spitzenleistung von 505 Megawatt ausgewiesen sind. Allein 175 MW entfallen dabei auf die sechs geplanten Solarparks des Unternehmens Solar Systems, zu denen eine 50 MW große Anlage im nordkaukasischen Gebiet Stawropol gehört. Wie die russische Zeitung Kommersant berichtet, ist Solar Systems ein Tochterunternehmen des chinesischen Energietechnik-Herstellers Amur Sirius. Als ein weiterer größerer Solarpark-Betreiber tritt Avelar Solar Technology auf, ein Unternehmen der Renova-Gruppe, das 14 Projekte mit insgesamt 155 MW vereinbart hat. Seine Anlagen kommen auf Spitzenleistungen zwischen 5 MW und 15 MW.

Bei Wind- und Wasserkraftprojekten war das Interesse möglicher Betreiber deutlich geringer. So wurde nur ein Windpark-Projekt mit 51 MW in der südrussischen Teilrepublik Kalmückien vereinbart. Betreiber ist hier das Unternehmen Alten, hinter dem laut Kommersant die tschechische Fondsgesellschaft Falcon Capital steht. Hinzu kommen drei Wasserkraftwerke mit zusammen 21 MW, die der Staatskonzern Rusgidro bauen will. 

Damit erreichte der Großmarktbetreiber nur bei den Solarparks die Kraftwerksleistung, die er für die Inbetriebnahme in den vier Jahren vorgesehen hatte. Bei der Windkraft hatte ATS eine Gesamtleistung von 1,6 Gigawatt angepeilt, bei mittelgroßen Wasserkraftwerken waren es 395 MW.

Für Bau und Betrieb der Anlagen gelten jeweils spezielle Kostengrenzen. Außerdem ist für die Anlagen ein bestimmter Anteil lokaler Wertschöpfung vorgeschrieben, der sich nach der verwendeten Technik und dem erstem Betriebsjahr richtet. Das könnte die Ursache dafür sein, dass ATS kaum Windkraftprojekte vereinbart hat. Denn in Russland steckt die Produktion von Windrädern noch in den Anfängen.

In welcher Weise den Investoren die gebaute Kraftwerksleistung oder der damit erzeugte Strom vergütet werden soll, geht aus den verfügbaren Informationen nicht klar hervor.  Möglicherweise werden den Betreibern die jeweiligen Investitionen und Betriebskosten über einen bestimmten Zeitraum erstattet. Einem früheren Kommersant-Bericht zufolge könnte es sich dabei um 15 Jahre handeln.

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