Die beiden Energiekonzerne haben fast alle Zuschläge bei der ersten Ausschreibung für die Gaskraftwerke erhalten, die künftig die Strom-Versorgungssicherheit gewährleisten sollen. Die meisten davon werden in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg gebaut.

 

In Boxberg sollen zwei Gaskraftwerks-Blöcke gebaut werden. Archivfoto 2021: Stefan Schroeter

In der ersten Ausschreibung für neue Versorgungssicherheits-Kraftwerke hat die Bundesnetzagentur elf Zuschläge für insgesamt 5.160 Megawatt reduzierter Leistung vergeben. Dabei gingen alle Zuschläge an Erdgas-Kraftwerke, die für einen späteren Betrieb mit Wasserstoff vorbereitet werden sollen. Anbieter von Stromspeichern hatten sich auch an der Ausschreibung beteiligt, gingen aber leer aus.

Die Kraftwerke sollen bis zum Jahr 2031 gebaut werden und dann 15 Jahre lang dafür bereit gehalten werden, die Schwankungen der Solar- und Windstromproduktion auszugleichen. Sie müssen auch längere Dunkelflauten überbrücken können, in denen kein Wind weht und die Sonne nicht scheint.

Die jetzt beendete erste Ausschreibung war ursprünglich auf eine reduzierte Leistung von 4.500 rMW ausgelegt. Sie wurde erweitert, damit ein größeres Gebot, das darüber hinausging, noch einen Zuschlag erhalten konnte.

Die „reduzierte Leistung‟ (rMW) steht für die Leistung, die ein bestimmtes Kraftwerk mit großer Sicherheit bereitstellen kann. Sie hängt von Einflussgrößen wie Kraftwerkstechnik, Brennstoff-Versorgung, Witterung und Netzanschluss ab. Deshalb fällt sie oft etwas geringer aus als die technisch mögliche Nennleistung einer Anlage.

 

Gaskraftwerke an Kohlestandorten

Regional gesehen wurde der größte Leistungsumfang an Standorte in Nordrhein-Westfalen vergeben. Hier kann der Energiekonzern RWE an drei Standorten neue Erdgas-Kraftwerke mit insgesamt 2.118 rMW bauen.

Als Unternehmen war der Lausitzer Energiekonzern Leag besonders erfolgreich. Er erhielt Zuschläge für Erdgas-Kraftwerke mit insgesamt 2.998 rMW. Am bisherigen Braunkohle-Standort Jänschwalde in Brandenburg kann er vier Kraftwerksblöcke mit insgesamt 1.819 rMW bauen.

In Boxberg, Sachsen, kann Leag zwei Kraftwerksblöcke mit insgesamt 910 rMW errichten. Dazu kommt ein neuer Kraftwerksblock mit 269 rMW in Leipheim, Bayern. Wie der Energiekonzern mitteilte, kann er an allen Standorten die bestehende Kraftwerks-Infrastruktur und auch einzelne Gebäude für die neuen Stromerzeuger nutzen.

Als drittes Unternehmen kamen die Stadtwerke Karlsruhe in Baden-Württemberg zum Zug. Sie erhielten den Zuschlag für einen Pool von kleineren Einzelkraftwerken mit insgesamt 45 rMW.

Die Zuschläge wurden deutlich unter dem zulässigen Höchstpreis vergeben, der mit 244.000 Euro/rMW pro Jahr festgelegt wurde. Das höchste erfolgreiche Gebot lag bei 190.000 Euro.

Als wichtiger Grund dafür gilt, dass der Bau von neuen Gaskraftwerken an bestehenden Kraftwerksstandorten günstiger ist als an neuen Standorten. RWE und Leag können dafür die Standorte ihrer Kohlekraftwerke nutzen, die sie im Zuge des Kohleausstiegs stilllegen.

Das Bundeskartellamt hatte bereits vor einigen Monaten darauf hingewiesen, dass sich auf diese Weise die Marktmacht bestehender Anbieter im Strommarkt verfestigen könnte. Umweltschutz-Verbände kritisieren vor allem, dass die neuen Kraftwerke mit fossilem Erdgas betrieben werden sollen und damit zur Klimaerwärmung beitragen.

 

Weitere Ausschreibungen folgen

Die Bundesnetzagentur kündigte nun an, eine zweite Ausschreibung für die Versorgungssicherheits-Kraftwerke vorzubereiten. Dabei sollen weitere steuerbare Stromerzeuger mit 4.500 rMW gebunden werden, die über einen längeren Zeitraum sicher Strom erzeugen können.

Im Mai 2027 soll es schließlich auch noch eine Ausschreibung für Stromerzeuger geben, die weniger strenge Auflagen für die gesicherte Langzeit-Stromlieferung erfüllen müssen. Damit könnte es bessere Aussichten für Stromspeicher und Biomasse-Kraftwerke geben. Für diese Ausschreibung ist ein Volumen von 2.000 rMW vorgesehen.

Mit allen drei Ausschreibungen zusammen wäre dann insgesamt eine gesicherte Stromleistung von 11.000 rMW für den Zeitraum von 2031 bis 2046 gebunden. Dafür rechnet die Bundesregierung bisher mit jährlichen Kosten von bis zu drei Milliarden Euro, die durch eine Umlage von den Stromkunden bezahlt werden sollen.

 

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