Große Batteriespeicher können Verteilnetze an ihre Grenzen bringen, wenn sie Strom zu ungünstigen Zeiten einspeisen. Mit den richtigen Spielregeln ist es aber auch möglich, die Batteriespeicher netzdienlich zu betreiben.
Derzeit werden bundesweit viele Batterie-Großspeicher gebaut. Ein häufiges Geschäftsmodell dabei ist, Strom günstig einzukaufen und zu speichern, wenn die Preise im Strom-Großhandel niedrig sind. Bei hohen Preisen wird dieser Strom dann wieder verkauft. Dazu muss er durch die regionalen Verteilnetze transportiert werden, und kann dort auch zu größeren Belastungen führen. Der Münchner Speicherbetreiber Ecostore hat damit bereits einige Erfahrungen gesammelt. Er baute vor zwei Jahren einen besonders leistungsfähigen Batterie-Großspeicher in Schleswig-Holstein und nahm ihn vor reichlich einem Jahr in Betrieb. Der regionale Verteilnetzbetreiber sei bereit gewesen, sich auf dieses „Experiment‟ einzulassen, berichtete Ecostore-Geschäftsführer Georg Gallmetzer am Mittwoch beim Ostdeutschen Energieforum in Leipzig. Im regulären Speicherbetrieb kam es dann zu Zwischenfällen im Verteilnetz, die Gallmetzer bildhaft mit „Unfällen‟ im Straßenverkehr verglich. Ähnlich wie Autos auf der Autobahn brauche der Batteriespeicher auch Verkehrsregeln für das Verhalten im Verteilnetz, sagte Gallmetzer. Deshalb habe man gemeinsam mit dem Verteilnetzbetreiber einen Satz von Spielregeln entwickelt. So sei der Speicher inzwischen keine Gefahr mehr für das Netz, sondern könne sogar netzdienlich betrieben werden. Bei einem netzdienlichen Betrieb nimmt die Batterie dann Strom aus dem Netz auf, wenn es durch eine starke Einspeisung von Solar- und Windstrom belastet wird. Wird umgekehrt wenig Solar- und Windstrom eingespeist, aber viel Strom verbraucht, liefert die Batterie mehr Strom ins Netz. Das Praxismodell aus Schleswig-Holstein wird auch beim ostdeutschen Regionalversorger Enviam begrüßt, der mit seiner Tochter Mitnetz ein großes Verteilnetz in mehreren Bundesländern betreibt. Enviam-Vorstandschef Stephan Lowis hält das Vorbild aus dem Norden allerdings für eine „absolute Ausnahme‟. Er berichtete über Speicherbetreiber, die regelmäßig dann zusätzlichen Strom ins Netz ausspeisen, wenn dort ohnehin schon zuviel Strom fließt. Sie würden sich allein nach dem Strompreis richten und damit ihre Gewinnmarge sichern. Dazu kommt, dass Mitnetz inzwischen mit 10.000 Netzanschluss-Anfragen für große Batteriespeicher zu tun hat. Normalerweise müssten sie der Reihe nach abgearbeitet werden. Dann könnten Lowis zufolge aber keine Rechenzentren, lokalen Bezugskunden oder erneuerbaren Stromerzeuger mehr angeschlossen werden. Deshalb habe Mitnetz eigene Regeln entwickelt, nach denen die Netzanschluss-Anfragen bearbeitet werden, sagte der Vorstandschef. Als wichtige Kriterien dafür nannte er den volkswirtschaftlichen Nutzen, die Netzdienlichkeit und den Reifegrad der Projekte. Außerdem würden sogenannte „Rampen‟ für die Einspeisung des Stroms festgelegt. Für die Regulierung großer Stromnetze ist die Bundesnetzagentur zuständig. Vizepräsidentin Barbie Kornelia Haller erkannte die Notwendigkeit an, spezielle Spielregeln für große Batteriespeicher zu entwickeln. Netzbetreibern empfahl sie, sich dabei zunächst mit ihrer Behörde abzustimmen. Allgemein gültige Grundregeln für den Anschluss von großen Batteriespeichern würden derzeit auch vom Gesetzgeber mit dem „Netzpaket‟ diskutiert. Die Bundesnetzagentur werde sie noch erweitern. Haller sprach sich dafür aus, künftig bestimmte Zeitabschnitte mit einem gewissem Vorlauf zu definieren, in denen die Speicherbetreiber frei in Stromnetzen agieren können. In anderen Zeitabschnitten müsse es dagegen Beschränkungen geben. Außerdem wären grundlegende Sicherheitsregeln notwendig.Vorbild als Ausnahme
Freiheiten und Beschränkungen
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