Große Batteriespeicher sind eigentlich gut dafür geeignet, Stromnetze zu entlasten. Ihre Betreiber brauchen dazu Informationen von den Netzbetreibern, die damit noch sehr vorsichtig umgehen.

 

Große Batteriespeicher können Strom sehr flexibel aufnehmen und abgeben. Symbolfoto: Stefan Schroeter

Der Energiewissenschaftler Jens Schneider hat die Betreiber von Stromnetzen und die Betreiber von großen Batteriespeichern zu einer besseren Zusammenarbeit aufgerufen. Es müsse ein Weg gefunden werden, dass die Netzbetreiber den Batteriebetreibern mehr Vertrauen entgegenbringen können, sagte der Experte für Vernetzte Energiesysteme an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig.

Derzeit werden bundesweit zahlreiche Batterie-Großspeicher gebaut, die Strom in Zeiten günstiger Großhandelspreise einspeichern und in Zeiten hoher Preise wieder in die Netze ausspeichern. Dabei kommt es mitunter vor, dass die Batteriespeicher auch dann noch zusätzlichen Strom in lokale Netze einspeisen, wenn diese Netze ohnehin schon durch starke Stromflüsse überlastet sind. Das kann zu schwierigen Situationen führen.

Schneider erklärte das damit, dass die Batteriebetreiber sich mit ihrer Betriebsweise nach den gesamtdeutschen Strompreisen richten. Über die lokale Netzsituation hätten sie keine Informationen und könnten sich deshalb nicht daran orientieren. 

Dabei wären Batteriespeicher nach Ansicht des Wissenschaftlers eigentlich gut geeignet, die Netze zu entlasten. „Die Batteriespeicher sind sehr flexibel‟, sagte er. „Sie können Energie aufnehmen und abgeben und damit dem Netz helfen.‟ 

Die Netzbetreiber haben nach seiner Erfahrung dagegen vor allem die größtmögliche Sicherheit ihrer Systeme im Blick. Deshalb würden sie sich damit zurückhalten, neue Batterie-Großspeicher an ihre Leitungen anzuschließen. 

Ihre unterschiedlichen Standpunkte können Netz- und Batteriebetreiber am 30. September bei einer Diskussion auf dem Ostdeutschen Energieforum in Leipzig austauschen. Das Programm der zweitägigen Veranstaltung wurde gestern vorgestellt.

 

Günstiger Strom – direkt oder vernetzt

Der Experte für Vernetzte Energiesysteme sprach sich auch dafür aus, günstige Strompreise für lokal produzierten Strom aus erneuerbaren Energien zu ermöglichen. Das würde es erleichtern, mehr Strom vor Ort zu erzeugen und zu verbrauchen. 

Möglichkeiten dafür sieht er in einem Reformprozess für die Strom-Netzentgelte, an dem die Bundesnetzagentur derzeit arbeitet. Dabei geht es um die Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom, die in Fachkreisen auch unter dem Kürzel „Agnes‟ bekannt ist.

Eher skeptisch äußerte sich Schneider zu einem neuen Trend der Strom-Direktbelieferung. Dabei werden Unternehmen oder Gewerbegebiete über direkte Leitungen mit Strom aus nahen Solar- oder Windparks beliefert. So können sie die hohen Entgelte des öffentlichen Stromnetzes vermeiden.

Der Wissenschaftler zeigte Verständnis dafür, dass Unternehmen auf diese Weise günstiger an Energie kommen wollen. Er wünscht sich aber eher, gemeinsame gute Lösungen innerhalb des öffentlichen Netzes zu finden und damit auch seine weitere Finanzierung zu gewährleisten.

 

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