Leipziger Wissenschaftler forschen daran, wie eine zirkuläre und resiliente Bioökonomie aufgebaut werden kann. In der Politik gibt es großes Interesse, hohe Erwartungen und riesige Fragen.

 

Waldholz ist ein lokaler Rohstoff für die zirkuläre Bioökonomie. Symbolfoto: Stefan Schroeter

Biomasse ist in Deutschland begrenzt verfügbar. Deshalb sollte sie möglichst nachhaltig, klimafreundlich und kostengünstig genutzt und in Kreisläufen wieder aufbereitet werden. Darüber sprachen Wissenschaftler und ihre Gäste bei der Jahrestagung des DBFZ Deutschen Biomasse-Forschungszentrums in Leipzig.

Geschäftsführer Michael Nelles erinnerte daran, dass das DBFZ vor zehn Jahren seine Forschung von der energetischen Nutzung der Biomasse auf die integrierte stoffliche Nutzung erweitert hatte. Nun gehe es darum, eine zirkuläre und resiliente Bioökonomie aufzubauen. Dazu sei es notwendig, möglichst geschlossene Kohlenstoff-Kreisläufe zu schaffen.

„Unser Ziel ist es, die fossile Wirtschaft bis zum Jahr 2045 abzulösen‟, sagte Nelles. „Also ein sehr ambitioniertes Ziel, und wir wollen substanzielle Beiträge leisten.‟

Diese Entwicklung verfolgt auch das sächsische Wirtschaftsministerium mit großem Interesse und hohen Erwartungen. Aus der Sicht von Staatssekretär Dirk Orlamünder kommt es darauf an, wie die Biomasse-Forschungen in die wirtschaftliche Nutzung überführt werden können. „Bezahlbarkeit der Energie in Deutschland, Bezahlbarkeit der Energie-und Klimawende ist ein Riesenthema‟, sagte er.

Dabei sprach Orlamünder die „Biotreppe‟ des neuen Gebäudemodernisierungs-Gesetzes an, wonach künftig wachsende Mengen Biogas für Heizungszwecke eingesetzt werden sollen: „Wo kommen bezahlbare Biogase her? Das ist eine riesige, auch politisch zu diskutierende Frage.‟

Nach Meinung von Ursula Heinen-Esser wird diese Frage derzeit nicht ausreichend diskutiert. „Wir führen keine intensive Debatte darüber, wo wir mit dem Biogas eigentlich hinwollen‟, sagte die Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energien. Dabei wies sie darauf hin, dass derzeit viele Biogas-Anlagen aus der bisherigen Förderung fallen und vor einer ungewissen Zukunft stehen.

 

Szenarien für die Zukunft

Über langfristig orientierte wissenschaftliche Erkenntnisse konnte Matthias Jordan aus dem benachbarten Umweltforschungszentrum berichten. Er hatte in umfangreichen Modellrechnungen untersucht, wie Biomasse bis zum Jahr 2050 möglichst kostenoptimal und klimagerecht eingesetzt werden kann.

Demnach wäre es am besten, die verfügbare Biomasse weitaus überwiegend in den Bereichen des Energiesektors anzuwenden, die schwer elektrifiziert werden können. Dazu zählt der Umweltforscher beispielsweise Hochtemperatur-Prozesse in der Industrie.

Der stofflichen Nutzung in der Chemieindustrie rechnet er einen deutlich kleineren Anteil zu. Er soll aber ausreichen, um dort den Bedarf an Biomasse zu decken. Dieser Anteil würde auch dann noch stabil bleiben, wenn die insgesamt verfügbare Biomasse eher knapp werden sollte.

In einem solchen Knappheits-Szenario könnte allerdings wesentlich weniger Biomasse im Energiebereich eingesetzt werden. Gleichzeitig würden auch die Kosten für das Gesamtsystem deutlich steigen, sagte Jordan voraus.

Seine Forschungsgruppe hatte auch den Wärmemarkt im Gebäudesektor gründlich untersucht. „Wir konnten keine Ergebnisse sehen, wo das Konzept Biotreppe wirklich Sinn macht‟, berichtete er. Biomasse könnte am ehesten noch in Form von Scheitholz aus Privatwäldern vor Ort eingesetzt werden, um Spitzenlasten in schlecht isolierten Gebäuden abzudecken.

 

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