Die flexible Stromerzeugung aus Biogas kann noch deutlich ausgebaut werden und so zur Versorgungssicherheit im Stromsystem beitragen. Dabei hängt viel davon ab, welche Einsatzstoffe zur Biogas-Produktion künftig genutzt werden können.
Flexible Biogas-Kraftwerke können Erdgas-Kraftwerke gut ergänzen, um die Versorgungssicherheit in einem zunehmend erneuerbaren Stromsystem zu gewährleisten. Das geht aus einem Positionspapier des Deutschen Biomasse-Forschungszentrums und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung hervor. Zwar wäre es aus technischer Sicht auch möglich, auf neue Erdgas-Kraftwerke ganz zu verzichten, wenn die vorhandenen Biogas-Anlagen erweitert würden, schreiben die Leipziger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. In Modellrechnungen haben sie allerdings ermittelt, dass damit hohe Mehrkosten verbunden wären. Schon bis zum Jahr 2030 könnten dafür Zusatzausgaben von mehr als 5 Milliarden Euro anfallen, selbst wenn die Klimavorteile von Biogasanlagen berücksichtigt werden. Bis zum Jahr 2050 würden sich die Mehrkosten sogar auf bis zu 46 Mrd. Euro summieren. Als ein Grund dafür wird genannt, dass dafür viel Biomasse benötigt wird, die dann für Klimaschutz in anderen Sektoren fehlt. Der Anlass für das Positionspapier ist, dass die Bundesregierung derzeit Ausschreibungen für steuerbare Stromerzeuger vorbereitet. Sie sollen die wetterbedingt schwankende und regional unterschiedliche Stromproduktion aus Solar- und Windenergie ausgleichen. Dabei sind Gaskraftwerke mit 9 Gigawatt Leistung vorgesehen, die zunächst mit Erdgas betrieben und später auf Wasserstoff umgestellt werden sollen. Dazu sollen weitere „Flexibilitätsoptionen‟ mit 2 GW kommen, zu denen Biogas-Kraftwerke zählen können. Dieses Konzept ist mit hohen Kosten für Bau und Betrieb der neuen Kraftwerke auf einem neuen „Kapazitätsmarkt‟ verbunden. Die Bundesregierung schätzt die jährlichen Förderkosten dafür auf bis zu drei Milliarden Euro, die sie durch eine neue Strompreis-Umlage von den Kundinnen und Kunden bezahlen lassen will. Dazu kommt die Nutzung von klimaschädlichem Erdgas, das aus fernen Regionen importiert werden muss und deshalb auch mit Risiken für Kosten und Liefersicherheit verbunden ist. Ob Wasserstoff künftig ausreichend verfügbar sein wird, ist ebenso noch ungewiss. Deshalb sind derzeit auch flexible Biogas- und Biomethan-Anlagen als potenziell kostengünstigere und heimisch verfügbare Alternative im Gespräch. Sie können aktuell eine Stromerzeugung von 6,8 GW bereitstellen, wobei 4,5 GW für eine flexible Stromerzeugung geeignet sind. Wie sehr diese flexible Stromerzeugung noch ausgebaut werden kann, hängt bei den Leipziger Modellrechnungen stark davon ab, ob weiter Anbau-Biomasse einsetzbar ist. Sie wird auch als „Nachwachsende Rohstoffe‟ oder „Nawaro‟ bezeichnet. Bleibt ihre Nutzung weiter wie bisher möglich, kann die flexible Stromerzeugung aus Biogas kosteneffizient von heute 4,5 GW auf 11 GW bis 2050 ausgeweitet werden. Nach Ansicht der Wissenschaftler sollte dabei ein Teil der heutigen Biogasanlagen an effizientere Standorte versetzt werden, wo auch die anfallende Wärme genutzt werden kann. Könnte Nawaro aus förderpolitischen Gründen nicht mehr genutzt werden, müssten verstärkt biogene Abfälle und Reststoffe eingesetzt werden. Dafür fallen höhere Kosten an, so dass die flexible Stromerzeugung aus Biogas auf dem heutigen Niveau stagnieren würde. Als mögliche Lösung schlagen die Wissenschaftler vor, die Biogasanlagen auf dem künftigen Kapazitätsmarkt stärker zu fördern.Biogas-Kraftwerke als „Flexibilitätsoption‟
Biomasse aus Anbau oder Abfall
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