Die Bundesregierung will Süddeutschland bei Ausschreibungen für neue Gaskraftwerke mit einem „Südbonus‟ begünstigen. Die Energieminister von Sachsen und Brandenburg setzen sich dafür ein, dass auch Standorte im Norden und Osten ausreichend berücksichtigt werden.

 

Braunkohle-Großkraftwerke wie hier in Schkopau werden in den nächsten Jahren stillgelegt. Archivfoto 2023: Stefan Schroeter

Brandenburg und Sachsen fordern die Bundesregierung auf, die ostdeutschen Standorte stärker in ihrer Kraftwerks-Strategie zu berücksichtigen. Bei den Ausschreibungen für neue Gaskraftwerke ab 2026 müssten die Kraftwerks-Standorte im „netztechnischen Norden‟ anteilsgerecht einbezogen werden, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der beiden Wirtschafts- und Energieministerien. Nur so bleibe die Energiewende sozialverträglich und regionsgerecht.

Die Kraftwerksstrategie des Bundes sieht vor, dass bis zum Jahr 2030 neue steuerbare Anlagen mit einer Gesamtleistung von bis zu 25 Gigawatt gebaut werden. Das sollen vor allem Wasserstoff-fähige Gaskraftwerke sein, die spätestens im Jahr 2045 umgestellt werden müssen.

 

„Südbonus‟ für Gaskraftwerke

Im Jahr 2026 sollen bereits neue Anlagen mit insgesamt 12 GW Leistung ausgeschrieben werden: 10 GW davon sind faktisch für Gaskraftwerke vorgesehen, 2 GW bleiben technologieoffen und kommen beispielsweise für Stromspeicher in Frage. Ein derzeit vorgesehener Standortbonus – der sogenannte „Südbonus‟ – würde Süddeutschland bei den 10 GW für Gaskraftwerke begünstigen.

Ein Grund dafür ist, dass es in den verbrauchsstarken Industrie- und Ballungszentren von Bayern und Baden-Württemberg immer wieder zu Situationen mit Strommangel und Netzengpässen kommt. Sie sollen unter anderem mit neuen Gaskraftwerken ausgeglichen werden.

Allerdings ist es auch in anderen Regionen notwendig, die zunehmenden Ungleichgewichte zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch auszugleichen. Dazu kommt, dass in Ostdeutschland in den nächsten Jahren mehrere Braunkohle-Großkraftwerke außer Betrieb gehen sollen. Ihre Stromerzeugung muss durch neue Anlagen ersetzt werden.

Sachsens Wirtschafts- und Energieminister Dirk Panther (SPD) erklärte dazu: 

„Die Ausschreibung neuer Kraftwerks-Kapazitäten muss natürlich netztechnische Aspekte berücksichtigen – aber eben nicht nur das. Eine Benachteiligung ostdeutscher Kraftwerksstandorte durch einen rigiden ‚Südbonus‘ wäre ein falsches, für die Menschen im Osten ein fatales Signal. Mindestens ein Drittel der künftigen Kraftwerksstandorte muss nördlich der Netzengpässe und damit auch im Osten entstehen. Das Ausschreibungsdesign kann entsprechend ausgestaltet werden – so können auch die Kraftwerksstandorte in Ostdeutschland zum Zuge kommen.“

 

Brandenburgs Wirtschafts- und Energieminister Daniel Keller (SPD) wies darauf hin, dass die Lausitz über geeignete Standorte und das qualifizierte Personal für die neuen Anlagen verfügt. 

„Die Lausitz nicht zu berücksichtigen, hieße auch, die jahrzehntelangen Transformationsbemühungen eines traditionellen Energiestandortes mit Füßen zu treten. Neben der strukturpolitischen Frage muss auch klar sein: Für die Fähigkeit des Wiederaufbaus der Versorgung nach einem Blackout ist eine ausgewogene regionale Verteilung der Gaskraftwerke unerlässlich.“

  

Warnung aus Sachsen-Anhalt

Vor einer Benachteiligung des Ostens beim Bau von neuen Gaskraftwerken hatte im November 2025 auch der Energieminister von Sachsen-Anhalt, Armin Willingmann (SPD) gewarnt. Dabei setzte er sich vor allem dafür ein, den Kraftwerksstandort Schkopau einzubeziehen, der für die Stromversorgung der regionalen Chemieindustrie wichtig ist. Dort soll zum Jahresende 2034 die Braunkohle-Verstromung beendet werden. Bis dahin will der Betreiber Mibrag Energy ein Gaskraftwerk bauen, das später auf Wasserstoff umgestellt werden könnte.

 

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