Vor einem Jahr hatten Daniel Křetínský und Patrik Tkáč die Besitzverhältnisse bei dem tschechisch-slowakischen Energie- und Industriekonzern EPH Energetický a prùmyslový holding neu geordnet. Nun gibt es neue Erkenntnisse darüber, welche weitverzweigten Gesellschafterstrukturen Tkáč für seinen Anteil aufgebaut hat.

KW Lippendorf gross

Der ostdeutsche Braunkohleförderer Mibrag und sein Tagebau Vereinigtes Schleenhain gehören zum EPH-Konzern. Foto: Stefan Schroeter


Bei dem tschechisch-slowakischen Energie- und Industriekonzern EPH Energetický a prùmyslový holding zeichnen sich die Gesellschafterstrukturen wieder etwas deutlicher ab. Zum Jahreswechsel 2020/21 hatte der damalige tschechische Fast-Alleinaktionär Daniel Křetínský ein großes Aktienpaket von 44 Prozent minus einer Aktie an seinen langjährigen slowakischen Geschäftspartner Patrik Tkáč abgegeben. Damals war zunächst noch unklar geblieben, auf welche Weise Tkáč seine EPH-Beteiligung verwalten würde.

 

Ausführliche Recherchen haben nun neue Erkenntnisse darüber erbracht, welche weitverzweigte Struktur von Zweckgesellschaften der slowakische Geschäftsmann inzwischen gemeinsam mit mehreren schon bekannten Landsleuten für das 44-prozentige EPH-Paket aufgebaut hat. Demnach kontrolliert er selbst alle Stimmrechte für dieses Paket, teilt sich aber die wirtschaftlichen Ergebnisse mit mehreren Partnern, die früher schon einmal an EPH beteiligt waren. Wie damals verwalten sie nun auch wieder ihre Beteiligungen über Strukturen, die auf der Mittelmeer-Insel Zypern angesiedelt sind. Von Zypern aus fließen die Beteiligungsstrukturen in mehreren tschechischen Zweckgesellschaften zusammen.

 

Mehrheitspaket in Luxemburg

Für das Mehrheitspaket von 56 Prozent plus einer Aktie gibt es eine deutlich einfachere Gesellschafterstruktur, auch wenn sie ebenfalls international verzweigt ist. Křetínský selbst hält 50 Prozent der EPH-Anteile plus eine Aktie. Dazu kommen einige leitende Angestellte des Konzerns, die mit insgesamt sechs Prozent beteiligt sind. Sie haben ihre Beteiligungen gemeinsam mit Křetínský in einer Luxemburger Muttergesellschaft gebündelt, die über eine tschechische Zweckgesellschaft an EPH beteiligt ist.

 

EPH selbst ist in Tschechien registriert und hat seinen Hauptsitz in der Hauptstadt Prag. Der EPH-Konzern ist in Deutschland vor allem durch seine starken Beteiligungen in der ostdeutschen Braunkohlewirtschaft bekannt. Er hält alle Anteile am Braunkohleförderer Mibrag und die Hälfte der Anteile am Lausitzer Tagebau- und Kraftwerksbetreiber Leag. Die andere Hälfte der Leag-Anteile liegt beim tschechisch-niederländischen PPF-Konzern. PPF verwaltet diese Beteiligung über Zweckgesellschaften auf der britischen Kanalinsel Jersey und auf Zypern.


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