Im Gebiet des Netzbetreibers Mitnetz Gas sollen in diesem Jahr zwei Biomethan-Anlagen ans Netz gehen. Fünf weitere solche Projekte waren bisher bereits in Planung, doch vier davon wurden inzwischen gestoppt.


Mitnetz Gas ist eines der RWE-Konzernunternehmen, die in Kabelsketal ihren Sitz haben. Foto: Stefan Schroeter


Die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Gas (Mitnetz Gas) will im laufenden Jahr 2014 insgesamt 46 Millionen Euro in das eigene Gasnetz investieren und für Betriebsaufwendungen sowie Instandhaltungen einsetzen. Das kündigte der zum RWE-Konzern gehörende regionale Gastransporteur gestern am Unternehmenssitz in Kabelsketal an. Er ist in großen Gebieten Sachsens und Sachsen-Anhalts sowie in kleineren Teilen Thüringen und Brandenburgs aktiv. Im vergangenen Jahr 2013 hatte er für die gleichen Zwecke 37 Mio. Euro ausgegeben und einen Umsatz von 146 Mio. Euro erwirtschaftet.

Für Investitionen in das Gasnetz hat das Unternehmen insgesamt 26,65 Mio. Euro eingeplant. Einen großen Teil davon nehmen wiederum die Netzanschlüsse für Biomethan-Anlagen in Anspruch, die Biogas zu Erdgasqualität veredeln und ins öffentliche Gasnetz einspeisen. Der Netzbetreiber ist verpflichtet, für solche Anlagen die jeweils etwa 2,5 Mio. Euro teure Einspeisetechnik bereitzustellen. Der betreffende Anlagenbetreiber beteiligt sich daran mit etwa 250.000 Euro.

Für solche Netzanschlüsse plant Geschäftsführer Adolf Schweer allein 12 Mio. Euro ein. Allerdings kann er sich noch nicht sicher sein, ob alle bisher geplanten Biomethan-Projekte auch tatsächlich umgesetzt werden. Die Investoren seien vorsichtig geworden, weil sich mit der anstehenden Reform des EEG Erneuerbare Energien Gesetzes die Rahmenbedingungen ändern könnten, sagte Schweer. Dazu zählten unter anderem vermiedene Netzentgelte von 0,7 Cent je Kilowattstunde, die Mitnetz Gas derzeit an die Betreiber von Biomethan-Anlagen zahlt.

Bereits im Bau sind nach seinen Worten die beiden Biomethan-Anlagen im Thüringer Heygendorf und in Niederröblingen, Sachsen-Anhalt, die noch in diesem Jahr ans Netz gehen sollen. Die Anlage Heygendorf wird vom etablierten Biogas-Spezialisten Agricapital errichtet und soll 400 Normkubikmeter Biomethan pro Stunde ins Netz einspeisen. Hinter der Anlage in Niederröblingen, die auf eine Leistung von 620 Nm³/h ausgelegt ist, steht eine Projektgesellschaft.

In Planung waren bis vor einigen Tagen noch fünf weitere Biomethan-Anlagen im Gebiet von Mitnetz Gas, die insgesamt auf eine Einspeiseleistung von 2.850 Nm³/h kommen. Wie Schweer berichtete, wurde davon nun ein Projekt abgebrochen. Drei weitere Biomethan-Projekte sind zeitweise gestoppt, weil die Investoren die EEG-Reform abwarten wollen. Nur für die in Raitzen bei Oschatz projektierte Anlage mit 700 Nm³/h laufen die Planungen derzeit weiter.

In den vergangenen Jahren sind im Mitnetz-Gas-Gebiet bereits acht Biomethan-Anlagen in Betrieb gegangen, die über eine Gesamtleistung von 10.400 Nm³/h verfügen. Sie speisten im vergangenen Jahr 2013 insgesamt 46 Mio. m³ ins Netz – was knapp vier Prozent der von Mitnetz Gas insgesamt transportierten Gasmenge entspricht.

Zu dem Betriebsaufwand, der dem regionalen Gastransporteur durch die Biomethan-Einspeisung entsteht, zählt die sogenannte Konditionierung. Dabei werden dem bereits weitgehend zu Erdgasqualität aufbereiteten Biogas noch bestimmte Mengen Propangas zugesetzt, damit es den im regionalen Gasnetz üblichen Brennwert erreicht. Bisher kostete diese Konditionierung jährlich 1,7 Mio. Euro, künftig rechnet Schweer mit zwei bis drei Mio. Euro.

Derzeit verfolgt Mitnetz Gas das Testprojekt „Smartsim“, mit dem diese Konditionierungskosten deutlich sinken oder ganz eingespart werden könnten. Dabei wird dem eingespeisten Biomethan kein Propangas mehr oder deutlich weniger als bisher zugesetzt. Dadurch entstehen im regionalen Netz größere Unterschiede beim Brennwert des gelieferten Gases. Diese Unterschiede sollen an geeigneten Stellen im Netz gemessen, für die jeweiligen Kunden hochgerechnet und bei der Gasabrechnung berücksichtigt werden.

Schweer zufolge wird eine solche Brennwertverfolgung bereits beim Regionalversorger Eon Avacon eingesetzt, nachdem sie vom Eichamt und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt zugelassen worden war. Mitnetz Gas will „Smartsim“ zunächst im Netzabschnitt Minkwitz erproben, in dem sich die Biomethananlage Leuben sowie die gasversorgten Orte Oschatz, Leisnig und Waldheim befinden.

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