Der Zubau von Biogasanlagen in Deutschland ist im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen. Die schon bestehenden Anlagen sollen künftig flexibel Strom erzeugen, doch der dafür nötige Umbau kommt bisher nur sehr langsam voran.


Eine Biomethan-Anlage, die im vergangenen Jahr in Betrieb ging, steht in Brandis bei Leipzig. Foto: Stefan Schroeter


Das DBFZ Deutsche Biomasse-Forschungszentrum rechnet damit, dass im vergangenen Jahr 2013 bundesweit 250 Biogasanlagen für die Stromproduktion vor Ort neu gebaut worden sind. Den Zuwachs der installierten Stromleistung, der damit und mit dem Ausbau schon vorhandener Anlagen verbunden war, prognostizierte DBFZ-Arbeitsgruppenleiterin Jaqueline Daniel-Gromke gestern beim Biogas-Fachgespräch in Leipzig mit 200 bis 250 Megawatt. Mit den endgültigen Zahlen für das Jahr 2013 sei allerdings erst im April oder Mai zu rechnen.

Wenn sich die Prognose des DBFZ bestätigt, hat sich der Zubau von Biogasanlagen weiter abgeschwächt. Im Jahr 2011 waren noch 1.300 Biogasanlagen mit 550 MW gebaut worden. Durch neue Vergütungsregeln brach der Zubau dann im Jahr 2012 auf 400 Biogasanlagen mit 350 MW ein.

Das DBFZ geht nun davon aus, dass zum Jahresende 2013 bundesweit 7.750 Biogasanlagen am Netz waren, die über eine installierte Stromleistung von 3.450 MW verfügen. Hinzu kommen 135 bis 140 Biomethan-Anlagen, die Biogas auf Erdgas-Qualität veredeln und in die Gasnetze einspeisen. Auch bei diesen Biomethan-Anlagen sei der jährliche Zubau deutlich gesunken, berichtete Daniel-Gromke. Zum Vergleich: Ende 2012 waren bereits 120 Biomethan-Anlagen in Betrieb, die insgesamt 7,1 Milliarden Terawattstunden Biomethan einspeisen konnten.

Das DBFZ hat auch untersucht, welche Einsatzstoffe in Biogas- und Biomethan-Anlagen verwendet werden. In beiden Anlagentypen dominieren nachwachsende Rohstoffe, unter denen Mais wiederum mit Abstand die größte Rolle spielt. Biogasanlagen verarbeiten große Mengen Gülle, was in Biomethan-Anlagen deutlich weniger ausgeprägt ist. Sie setzen dafür mehr Bioabfälle sowie Reststoffe aus Landwirtschaft und Industrie ein.

Einen deutlichen Trend gibt es offenbar dazu, die lange wenig entwickelte Wärmenutzung bei Biogasanlagen zu verbessern. Bei einer Betreiberbefragung für das Jahr 2012 erklärten  73 Prozent der Teilnehmer, dass sie ihre Anlagen dafür ausbauen wollen. Die Wärmenutzung verbessert nicht nur die Energieeffizienz der Anlagen, sondern ist für die Betreiber auch eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle neben dem Stromverkauf. Den durchschnittlichen Wärmenutzungsgrad der deutschen Biogasanlagen bezifferte Daniel-Gromke mit 56 Prozent. Weitere Trends, die das DBFZ ermittelt hat, sind der Ausbau der Kraftwerksleistung sowie der Ersatz alter Kraftwerke.

Die politisch gewollte flexible Stromerzeugung in Biogasanlagen kommt dagegen bisher nur sehr langsam voran: Ende 2013 wurden nur 4,5% des Biogas-Anlagenbestandes so flexibel betrieben, dass die Betreiber die dafür ausgesetzte Flexibilitätsprämie in Anspruch nehmen konnten. Dazu müssen sie allerdings auch in größere Gasspeicher, Kraftwerke und Informationstechnik investieren. Daniel-Gromke hält hier größere Fortschritte für notwendig: „Biomasse muss im Strombereich regelbar sein.“

Dafür setzte sich gestern auch Guido Ehrhardt ein, Politikreferent beim Fachverband Biogas. „Die Legitimität von Biogasanlagen muss sein, dass sie künftig Residuallast produzieren“, sagte er. Residuallast ist der Strombedarf, der zu einer bestimmten Tageszeit nicht durch schwankende erneuerbare Energiequellen wie Sonne und Wind gedeckt werden kann. Als ein bisheriges Hindernis für die Flexibilisierung nannte Ehrhardt, dass lange nicht eindeutig geklärt war, ob der Betreiber einer flexibilisierten Biogasanlage die gleiche Einspeisevergütung wie bisher beanspruchen kann. Inzwischen gibt es neue Unsicherheiten: In den bisher bekannt gewordenen Reformplänen für das EEG Erneuerbare Energien Gesetz kann Ehrhardt bisher keine eindeutigen Signale dafür erkennen, dass die Flexibilitätsprämie erhalten bleibt.

Nicht einverstanden ist der Fachverband auch mit der Absicht, den Zubau von Biogasanlagen auf jährlich 100 MW installierter Stromleistung zu beschränken. Das entspreche einer Halbierung des ohnehin schon geringen Zubaus von 2013 und werde zu Insolvenzen und Arbeitsplatz-Verlusten führen, sagte Ehrhardt. Um dies zu vermeiden, plädierte er unter anderem für Übergangsregelungen, mit denen sich die Branche auf neue Vorgaben einstellen kann. Ehrhardt stellte außerdem mehrere Vorschläge des Fachverbands vor, die er in die EEG-Reform einbringen möchte. Sie zielen darauf, die Biogasproduktion zu ökologisieren und zu flexibilisieren.

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