© 2018 Stefan Schroeter, Energiejournalist, www.stefanschroeter.com


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Enge gesetzliche Rahmenbedingungen und eine begrenzte Akzeptanz in der Bevölkerung bremsen die sächsische Ökostrom-Produktion. Die Regierungskoalition aus CDU und SPD konnte sich nicht auf ein neues Ausbauziel einigen.

Böhlen mit Lippendorf gross

Böhlens Stadtbild wird von einem Braunkohle-Kraftwerk geprägt. Im Kulturhaus standen am Freitag die erneuerbaren Energien im Mittelpunkt. Foto: Stefan Schroeter


Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien kommt in Sachsen weiterhin nur sehr langsam voran. Im Jahr 2017 lieferte sie 5,87 Terawattstunden und deckte damit einen Anteil von 22,4 Prozent des landesweiten Brutto-Stromverbrauchs. Zum Vergleich: Bundesweit lag dieser Anteil bereits bei 37,8 %. Diese Zahlen nannte der Döbelner Energie- und Klimaschutz-Experte Hans-Jürgen Schlegel am Freitag in Böhlen bei der Jahrestagung der VEE Vereinigung zur Förderung der Nutzung Erneuerbarer Energien. Für das abgelaufene Jahr 2018, für das noch keine statistischen Daten vorliegen, rechnet Schlegel mit einer etwa vergleichbaren Stromerzeugung. Dabei dürfte die Solarstrom-Produktion aufgrund der vielen Sonnenstunden zugelegt haben, während die Windkraft von geringeren Luftbewegungen gebremst wurde.

 

Die viel diskutierte Windkraft trägt mit einem Drittel der erzeugten Ökostrom-Menge am stärksten zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bei. Sie stößt aber auch auf große Widerstände bei Anwohnern und Genehmigungsbehörden, was den Bau neuer Anlagen erschwert. Wie Schlegel berichtete, sind im Jahr 2018 insgesamt 17 neue Windenergieanlagen mit einer gesamten Spitzenleistung von 55,45 MW in Betrieb gegangen. Damit laufen nun im Freistaat insgesamt 896 Windräder mit insgesamt 1.255 MW. Im bundesweiten Vergleich der Länder liegt Sachsen so auf dem 12. Platz, hinter Baden-Württemberg und vor dem kleinen Saarland.

 

Der weitere Ausbau der Windkraft wird in Sachsen von engen gesetzlichen Rahmenbedingungen und oft auch von begrenzter Akzeptanz in der Bevölkerung gebremst. Mehr Rückenwind hätte ein neues EKP Energie- und Klimaschutzprogramm der Staatsregierung bringen können, das die Koalitionsparteien CDU und SPD für ihre gerade ablaufende Regierungszeit vereinbart hatten. Wie VEE-Präsident Wolfgang Daniels berichtete, hätte das neue EKP eigentlich im vergangenen Dezember verabschiedet werden sollen. Der dafür notwendige Regierungsbeschluss sei dann aber doch nicht zustande gekommen.

 

Ausbauziele

Der SPD-Landtagsabgeordnete Jörg Vieweg erklärte dies damit, dass die CDU nicht bereit gewesen sei, sich im EKP an den Ausbauzielen der Bundesregierung zu orientieren. Sie strebt bekanntlich bis zum Jahr 2030 einen bundesweiten Ökostrom-Anteil von 65 % an. Er kündigte einen Neustart in der nächsten Legislaturperiode an, für die es im September die Landtagswahl gibt. Bei den Vertretern der Landtags-Opposition stieß diese Ankündigung allerdings auf starke Skepsis. Die bisherige Koalition sei nicht Teil der Lösung, sondern selbst das Problem, sagte Gerd Lippold von Bündnis 90/Grüne. Sie brauche einen deutlichen Anschub. Lippold forderte für das EKP ein Ausbauziel von 100 % erneuerbare Energien. Ähnlich äußerte sich Enrico Böhme von der Linken: Wenn die SPD wieder eine Koalition mit der CDU eingehe, werde sich nichts ändern.

 

Der CDU-Abgeordnete Georg-Ludwig von Breitenbuch äußerte sich nicht direkt zum EKP, rückte aber die mangelnde Speicherfähigkeit von Windstrom in den Vordergrund. Deshalb stehe derzeit hinter jedem weiteren Windrad ein Fragezeichen. Breitenbuch hält es dabei für möglich, dass beispielsweise durch eine Windstrom-Speicherung mit Wasserstoff auch eine bessere Akzeptanz erreichbar ist. Als ein weiteres diskussionswürdiges Thema nannte er, wie die Landschaft mit Windkraft und großen Solarfeldern technisiert werde.

 

Die Schülerbewegung „Fridays for Future“ (Deutsch: Freitage für die Zukunft) will dagegen schnell greifbare Ergebnisse erreichen, um den absehbaren Klimakollaps zu verhindern. Ihr Leipziger Delegierter Tim Knüpfer stellte in Böhlen sechs Forderungen vor. Dazu gehört, noch in diesem Jahr ein Viertel der deutschen Braunkohle-Kraftwerke abzuschalten. Eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien streben die Schüler bis 2035 an.