Braunkohle über größere Entfernungen zu transportieren, galt bisher als unwirtschaftlich und ungünstig für die Umweltbilanz. Doch für den Braunkohleförderer Mibrag lohnen sich die Bahntransporte ins 200 Kilometer entfernte Kraftwerk Buschhaus offenbar.


Am Tagebau Profen wurden zuletzt weniger Kohlezüge beladen. Die Transportentfernungen wachsen. Foto: Stefan Schroeter


Bundesumweltminister Peter Altmaier hat sich dafür ausgesprochen, Planungssicherheit für konventionelle Energieträger zu schaffen. Trotz des Wachstums der erneuerbaren Energien würden Erdgas, Braun- und Steinkohle noch lange gebraucht, um eine zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung zu sichern, sagte Altmaier gestern bei einem Besuch des Braunkohle-Tagebaus Profen bei Leipzig. Gleichzeitig sprach er sich dafür aus, die Braunkohle möglichst effizient und umweltfreundlich zu nutzen.

Im Tagebau Profen fördert das Bergbauunternehmen Mibrag jährlich neun bis zehn Millionen Tonnen Braunkohle, die hauptsächlich per Bahn in regionale Kraftwerke und Industrieunternehmen geliefert werden. Größter Kunde ist das 40 Kilometer entfernte Großkraftwerk Schkopau, die größte Entfernung hatten Mibrags Kohlezüge bisher ins 90 km entfernte Dessau zurückzulegen. In die nahe Zuckerfabrik Zeitz wird der Brennstoff mit Lastwagen gefahren.

Seit dem vergangenen Jahr liefert das Unternehmen seinen fossilen Energieträger auch über deutlich längere Strecken: 2012 versorgte es das 300 km entfernte tschechische Kraftwerk Opatovice mit größeren Mengen, um dort einen zeitweiligen Engpass zu überbrücken. Und für die Jahre 2013 bis 2017 wurden regelmäßige Lieferungen für das 200 km entfernte Kraftwerk Buschhaus in Niedersachsen vereinbart.

Bisher galten Braunkohletransporte über solche großen Entfernungen als unwirtschaftlich. Hinzu kommt, dass sich die ohnehin ungünstige Umweltbilanz des fossilen Energieträgers durch den größeren Energieaufwand für den Transport weiter verschlechtert. Der Vorsitzende der Mibrag-Geschäftsführung, Joachim Geisler, sagte gestern dazu, dass sich die Braunkohlelieferungen an Buschhaus für sein Unternehmen rechnen. Außerdem verwies er darauf, dass Mibrags bisherige Kunden zuletzt weniger Kohle abgenommen haben. Mit neuen Kunden wie Buschhaus und Opatovice könne dieser Rückgang ausgeglichen werden. Damit sei es auch möglich, Arbeitsplätze bei Mibrag zu erhalten, die sonst gefährdet wären.

Geisler äußerte sich auch zu dem langfristig geplanten Projekt eines neuen Tagebaus bei Lützen. Dieser Tagebauaufschluss werde nur im Zusammenhang mit dem ebenfalls geplanten Kraftwerksneubau Profen stattfinden, sagte der Mibrag-Chef. Darüber gebe es klare Absprachen mit der Landesregierung von Sachsen-Anhalt. Am Kraftwerksprojekt Profen selbst halte das Unternehmen weiter fest. Eine Bauentscheidung werde es aber erst geben, wenn die politischen Rahmenbedingungen dies rechtfertigen.

Daneben verfolgt Mibrag derzeit auch ein größeres Windkraftprojekt. Wie der kaufmännische Geschäftsführer, Bernd-Uwe Haase, sagte, sollen auf einer Rekultivierungsfläche des Tagebaus Profen 14 Windräder mit einer Spitzenleistung von insgesamt 50 Megawatt errichtet werden. Derzeit laufe das Genehmigungsverfahren dafür.

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