Über die Energie- und Industrieholding EPH kaufen sich tschechische und slowakische Geschäftsleute zunehmend in die deutsche Braunkohlewirtschaft ein. Ihre Gesellschafterstrukturen sind undurchsichtig – und auffällig eng mit dem Steuerparadies Zypern verknüpft.


Dass Mibrag im Tagebau Profen Braunkohle fördert, ist eine klar ersichtliche Tatsache. Doch warum fließen die Gewinne daraus ins Steuerparadies Zypern? Foto: Stefan Schroeter


Energetický a průmyslový holding. In Deutschland ist diese tschechische Energie- und Industrieholding bisher wenig bekannt, doch das dürfte sich allmählich ändern. Denn die kurz EPH genannte Holding hat in den vergangenen Jahren nicht nur den ostdeutschen Braunkohleförderer Mibrag übernommen und sich in das von Mibrag belieferte Braunkohlekraftwerk Schkopau eingekauft. Derzeit schickt sie sich auch an, das Kraftwerk Buschhaus in Niedersachsen zu übernehmen. Weitere Übernahmen in der deutschen Braunkohlewirtschaft erscheinen derzeit möglich, denn der deutsche Energiekonzern Eon und der schwedische Vattenfall sind zu Verkäufen bereit.

Wenn EPH also einen zunehmenden Einfluss auf die deutsche Energiewirtschaft, auf Arbeitsplätze, Kapitalflüsse und auf die von der Braunkohlewirtschaft stark betroffene Umwelt erhält, ist ein näherer Blick auf diese Holding angebracht. Da wird es interessant, herauszufinden, wer ihre Gesellschafter sind und wie sie üblicherweise ihre Geschäfte betreibt.

Zumindest der erste Teil dieses Vorhabens erweist sich allerdings als ein schwieriges Unterfangen, das auch nur teilweise gelingt. Die EPH-Strukturen bleiben zu einem großen Teil undurchsichtig. In sie sind immer wieder andere Holding-Gesellschaften eingebunden, die überwiegend auf Zypern angesiedelt sind, einem allseits bekannten Steuerparadies. Bei diesen zypriotischen Holdings lässt sich oft mehr erahnen als tatsächlich herausfinden, welchen tschechischen und slowakischen Finanzinvestoren sie letztendlich gehören.

Wer sich für EPH unter dem Blickwinkel der ostdeutschen Bergbautochter Mibrag interessiert, stößt zunächst auf die zypriotische Holding Lignite Investment 1 Limited. Sie hält alle Mibrag-Anteile und gehört ihrerseits vollständig der JTSD-Braunkohlebergbau GmbH, die wieder in Zeitz ansässig ist, wo auch Mibrag residiert. Doch wozu ist die zypriotische Holding zwischen die beiden Zeitzer Gesellschaften geschaltet? EPH und Mibrag beantworten diese Frage nicht. Eine mögliche Antwort wäre, dass die Mibrag-Gewinne auf diese Weise ins Steuerparadies Zypern gelangen, wo sie zu geringeren Sätzen versteuert werden können als in Deutschland und Tschechien.

Die Muttergesellschaft von JTSD-Braunkohlebergbau GmbH ist EP Energy, a.s. mit Sitz im tschechischen Brno (Deutsch: Brünn). In EP Energy haben die EPH-Gesellschafter ihre in den letzten Jahren umfangreich gewordenen energiewirtschaftlichen Beteiligungen gebündelt. Auch EPH selbst hat einen tschechischen Sitz – in der Hauptstadt Prag. Die vier Gesellschafter dieser Holding residieren allerdings wieder auf der Mittelmeerinsel. Nur bei einem einer dieser vier Gesellschafter wird das Bild jetzt schon klarer: Es ist die zypriotische Holding Mackarel Enterprises Limited, die einen Anteil von 19% an EPH hält. Hinter ihr steht der tschechische Geschäftsmann Daniel Křetínský, der auch den EPH-Aufsichtsrat leitet.

Mibrags GesellschafterKomplizierter ist es bei den anderen drei zypriotischen EPH-Gesellschaftern. Sie befinden sich wiederum im Eigentum verschiedener anderer Holdings, die entweder ebenfalls auf Zypern oder in den Niederlanden residieren. Aus den verfügbaren Informationen geht soviel hervor, dass der tschechische Geschäftsmann Petr Kellner über diese Strukturen gemeinsam mit unbekannten Partnern einen Anteil von 44% an EPH hält. Kellner gilt derzeit mit einem Vermögen von 10,4 Mrd. US-Dollar (7,8 Mrd. Euro) als der reichste Tscheche. Weitere 37% der EPH-Anteile sind mehr oder weniger mit den slowakischen Finanzinvestoren Patrik und Jozef Tkáč, Ivan Jakabovič und weiteren, unbekannten Personen verbunden.

Zu welchem Zweck haben EPH-Gesellschafter die 3.000 Kilometer entfernte Mittelmeerinsel Zypern gewählt, um Geschäftstätigkeiten in Tschechien und Deutschland zu verwalten? EPH gibt darauf keine Antwort, ebenso wie auf Fragen nach unklar gebliebenen Beteiligungsverhältnissen. „Die Gesellschafterstruktur von EPH ist sehr einfach und transparent“, teilt Holdingsprecher Daniel Častvaj nur mit. Das ist, bei allem Respekt, nun wirklich überhaupt nicht nachvollziehbar.

So kompliziert und undurchsichtig die EPH-Strukturen, so erstaunlich sind die finanziellen Transaktionen, mit denen EPH und ihr früherer Mitgesellschafter ČEZ seit ihrem Einstieg bei Mibrag im Jahr 2009 dort große Kapitalmengen abgezogen haben. Das Bergbauunternehmen führt seit Jahren hohe Gewinne an sie ab – zuletzt 83 Mio. Euro. Im Jahr 2010 agierte der Braunkohleförderer gegenüber seinen Gesellschaftern sogar wie eine Bank und vergab an sie einen hohen Kredit von 220 Mio. Euro. Damit dürfte EPH, die inzwischen über ihre Tochter EPE alleinige Mibrag-Eigentümerin ist, den Kaufpreis für den Kohleförderer inzwischen vollständig refinanziert haben. Das ist ein Vorgehen, wie es eigentlich von Hedgefonds bekannt ist – kurzfristig orientierten Finanzinvestoren, die in wenigen Jahren mit Firmenkäufen und -verkäufen maximale Gewinne anstreben.

Derzeit sorgt in Tschechien eine andere Transaktion für Aufsehen: Der staatliche Energiekonzern ČEZ hatte im vergangenen Jahr seinen 50-prozentigen Mibrag-Anteil für 130 Mio. Euro an EPH verkauft. Wie die tschechische Wirtschaftszeitschrift Ekonom berichtet, lag dieser Verkaufspreis um ein Drittel unter dem tatsächlichen Wert. Denn 2009 hatten ein EPH-Vorläuferunternehmen und ČEZ gemeinsam noch reichlich 400 Mio. Euro für alle Mibrag-Anteile bezahlt. Ekonom zufolge wird das Geschäft zwischen EPH und ČEZ deshalb inzwischen von der tschechischen Anti-Korruptionsbehörde untersucht.

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