Derzeit wird Strom aus erneuerbaren Energien in Polen über ein Zertifikate-System vergütet, das Großunternehmen begünstigt. Ein neues Gesetz soll nun die Bedingungen für Mikro- und Kleinanlagen deutlich verbessern.


In Polen wird derzeit ein neues Gesetz für die Einspeisung und Vergütung erneuerbarer Energien vorbereitet. Darüber berichtete Janusz Starościk von der Warschauer Beratungsfirma Komfort International gestern auf der Leipziger Energiemesse Enertec. Der Entwurf sei im Oktober an das polnische Parlament weitergeleitet worden. Staroscik hält es für möglich, dass das Gesetz bis zum Jahresende beschlossen wird.

Derzeit wird Ökostrom in Polen nach einem Zertifikate-System vergütet. Die Anlagenbetreiber erhalten dabei Grüne Zertifikate für den Ökostrom, den sie ins Netz einspeisen. Diese Zertifikate werden an einer Börse gehandelt, und die Energieversorger sind verpflichtet, eine bestimmte Menge davon zu kaufen. Mit diesem System haben sich in den vergangenen Jahren vor allem die Mitverbrennung von Biomasse in Kohle-Großkraftwerken und die Windkraft gut entwickelt. Solarstrom-Anlagen spielen bisher kaum eine Rolle. Starościk wies darauf hin, dass bisher vier Fünftel der Grünen Zertifikate an Großunternehmen vergeben worden seien. Zuletzt habe es ein Überangebot von Zertifikaten gegeben, womit ihr Preis fiel. Damit sanken auch die Erlöse der Ökostrom-Produzenten.

Das könnte sich mit dem neuen Gesetz ändern, das neben den Grünen Zertifikaten nun auch feste Einspeisevergütungen für Mikro- und Kleinanlagen vorsieht. Sie gelten dann 15 Jahre lang. So soll Solarstrom von Dach- und Fassadenanlagen mit bis zu 10 Kilowatt Spitzenleistung mit 1,30 Zloty (0,32 Euro) je Kilowattstunde vergütet werden. Für Fotovoltaik-Freiflächenanlagen zwischen 10 und 100 kW ist noch eine Vergütung von 1,10 Zloty (0,27 Euro) je kWh vorgesehen. „Das bedeutet eine Verdopplung der heutigen Vergütungen“, erklärte Starościk. Ähnlich günstige Einspeisevergütungen seien auch bei kleinen Biogas-, Wind- und Wasserkraftwerken geplant. Bei größeren Anlagen gelte weiterhin ein Zertifikatesystem.