An der Talsperre Schmalwasser soll ein Stromspeicher mit 400 Megawatt Leistung gebaut werden. Das Landes-Wirtschaftsministerium hat schon weitere Standorte im Blick. 21/10/2011



Das Stadtwerke-Netzwerk Trianel aus Aachen will  gemeinsam mit der TFW Thüringer Fernwasserversorgung ein Pumpspeicher-Kraftwerk (PSW) an der Talsperre Schmalwasser bei Gotha bauen. Bei dem Projekt soll die bestehende Talsperre, die sich im Eigentum der Thüringer Fernwasserversorgung befindet, als Unterbecken genutzt werden. Außerdem wollen die Partner ein Oberbecken bauen, das fünf Mio. Kubikmeter Wasser fasst. Damit könnte ein Kraftwerk mit einer Leistung von 400 Megawatt betrieben werden. Das würde reichen, um mehr als eine halbe Million Haushalte sechs Stunden lang mit Strom zu versorgen, teilte das Landes-Wirtschaftsministerium mit.


Beide Becken sollen mit einem unterirdischen Stollensystem verbunden werden, in dem Pumpwerk und Turbinen untergebracht sind. Die Höhendifferenz zwischen Unter- und Oberbecken beträgt je nach Oberbeckenstandort zwischen 200 und 300 Metern. Die Investitionen zum Bau dieses Kraftwerks werden mit mehr als 500 Mio. Euro veranschlagt. In den kommenden Wochen und Monaten sollen nun alle notwendigen Planungs- und Genehmigungsverfahren in Angriff genommen werden. Im Jahr 2019 könnte das PSW Schmalwasser ans Netz gehen.


Dem Wirtschaftsministerium zufolge gibt es noch eine Reihe weiterer möglicher PSW-Standorte in Thüringen. Ein Potenzialkataster soll in wenigen Wochen öffentlich vorgestellt werden. Durch den Ausbau erneuerbarer Energien wird es zunehmend wichtiger, die schwankenden Strommengen aus Windkraft und Fotovoltaik zu speichern und bei Bedarf wieder abzurufen. PSW sind eine seit Jahrzehnten erprobte und wirtschaftliche Form von großen Stromspeichern. Andere Techniken wie die chemische Speicherung von Strom als synthetisches Methan werden derzeit noch erforscht. In Thüringen gibt es bereits mehrere PSW. Das größte von ihnen ist das PSW Goldisthal mit 1060 Megawatt Leistung und wird von Vattenfall Europe betrieben.


An Trianel sind 45 Stadtwerke aus Deutschland, Österreich und Schweiz beteiligt, darunter die Stadtwerke Halle und Jena-Pößneck. Das Unternehmen erbringt Energiedienstleistungen für Stadtwerke, darunter Stromerzeugung in eigenen Kraftwerken und Strombeschaffung.

An TFW sind der Freistaat Thüringen und der Fernwasser-Zweckverband Nord- und Ostthüringen beteiligt. Sie betreibt 63 Stauanlagen, davon 10 Trinkwasser-Talsperren sowie 40 Kilometer Stollensysteme.



Lesen Sie auch:

Envia weitet das Netz für Ökostrom

 

Mit Rückkopplungen ins neue Energiezeitalter

 

Braunkohlen-Kraftwerke sollen flexibler werden