Der bisherige Solarzellen-Spezialist plant, künftig mehr Module zu fertigen und ganze Solarsysteme anzubieten. Für 2011 rechnet der Vorstand wieder mit einem hohen Verlust und hofft für 2012 auf einen operativen Gewinn. 15/08/2011


Der Solaranlagen-Hersteller Q-Cells versucht weiter, sich an die Umbrüche im Fotovoltaik-Markt und den damit verbundenen Preisverfall für seine Produkte anzupassen. Um Produktionskosten zu senken, will das Unternehmen seine Zellen nur noch auf sehr wirtschaftlichen Anlagen produzieren. Diese Anlagen befinden sich offenbar vor allem im malaysischen Werk, das im zweiten Halbjahr voll ausgelastet werden soll.

Die zuletzt gedrosselte Zellenfertigung am Unternehmenssitz in Bitterfeld-Wolfen dagegen will Q-Cells dauerhaft halbieren. Andererseits fährt das Unternehmen derzeit in Bitterfeld-Wolfen eine  Modulfertigungslinie für kristalline Hochleistungsmodule hoch, die künftig Module mit 130 Megawatt Spitzenleistung im Jahr produzieren soll. Hier werden die Solarzellen zu Modulen verarbeitet, die sich in Solarstrom-Kraftwerken montieren lassen.

Außerdem ist geplant, dass die ebenfalls in Bitterfeld-Wolfen ansässige Tochterfirma Solibro ab sofort ihre zuletzt nur teilweise genutzte Blueprint-Produktionslinie für CIGS-Dünnschichtmodule wieder voll auslastet. CIGS-Dünnschichtmodule können vollautomatisch und kostengünstig mit vergleichsweise geringem Material- und Energieeinsatz gefertigt werden. CIGS steht dabei für eine hauchdünne Halbleiterschicht aus Kupfer, Indium, Gallium und Selen, die in Vakuum-Anlagen auf eine Glasplatte aufgebracht wird. Solibro verfügt über zwei CIGS-Produktionslinien, die jährlich Dünnschichtmodule mit insgesamt 135 MWp fertigen können.

Insgesamt richtet Q-Cells seine Produktionskapazität bei Solarzellen und -modulen für 2012 auf 1,0 bis 1,2 Gigawatt aus. Seine Forschung und Entwicklung, die bisher auf die einzelne Solarzelle ausgerichtet war, will das Unternehmen auf ganze Solarsysteme und Anwendungen erweitern. Das soll es ermöglichen, rascher marktgängige Angebote mit wettbewerbsfähigen Systemkosten zu entwickeln. Dazu zählen Systemlösungen für Flachdächer und so genannte Carports.

 

In der Verwaltung will der Anlagenhersteller bis zu 30 Prozent der Kosten einsparen. Dabei und bei der Anpassung der Produktion sollen betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden. Derzeit wechseln etwa 90 Produktionsmitarbeiter in die im Juli neu eröffnete Solarmodul-Produktion. Außerdem werden Leiharbeiter nicht weiter beschäftigt. Bisher arbeiteten bei Q-Cells insgesamt 2400 Mitarbeiter.

Für das Geschäftsjahr 2011 erwartet der Q-Cells-Vorstand einen Umsatz von 1 Milliarde Euro und einen operativen Verlust im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. 2012 soll wieder ein operativer Gewinn erwirtschaftet werden. Im zweiten Quartal hatte sich zwar der Umsatz gegenüber dem schwachen ersten Quartal auf 316 Mio. Euro mehr als verdoppelt. Gleichzeitig waren aber hohe Wertberichtigungen auf Produktionsanlagen und Vorräte notwendig.

Hinzu kamen eine geringe Auslastung der Produktionsanlagen und ein Preisverfall bei Solarzellen und -modulen. So verbuchte Q-Cells für das zweite Quartal mit 355 Mio. Euro einen fast ebenso hohen Verlust wie im Quartal zuvor. 2010 hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 19 Mio. Euro erwirtschaftet, nachdem 2009 bereits ein Verlust von 1,3 Mrd. Euro angefallen war.

Nach Einschätzung des Unternehmens belebt sich der Solarmarkt derzeit wieder. So konnte es zuletzt zwei Abschnitte des Solarparks Finsterwalde mit 40 MWp verkaufen. Im Solarpark Zerbst, der für insgesamt 46 MWp ausgelegt ist, sind die ersten beiden Bauabschnitte fertig gestellt worden. Die nächsten drei Abschnitte des Projektes soll Q-Cells im dritten Quartal bauen.

Im kanadischen Ontario errichtet das Unternehmen als Generalunternehmer ein Solarkraftwerk mit 60 MWp – eine der größten derartigen Anlagen der Welt. Außerdem hat es einen ersten Großauftrag für 20 MWp Dünnschicht-Solarmodule erhalten. Damit verfügt Q-Cells derzeit für das dritte Quartal über einen Auftragsbestand von über 200 Mio. Euro.



Lesen Sie auch:

Militärflughäfen werden zu Solarkraftwerken


Der Strombörsen-Preis wurde mit Ökostrom beständiger


Solarion baut seine erste Fabrik