Die deutsche Solarwirtschaft strebt eine drastische Kostensenkung für Solarstrom-Anlagen an. Die Systempreise müssten bis 2020 auf 1,50 Euro pro Watt installierter Spitzenleistung halbiert werden, heißt es in der Studie „Wegweiser Solarwirtschaft – PV Roadmap 2020“. 12/11/2010


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Die Studie wurde von den Unternehmensberatern Roland Berger und Prognos für den BSW Bundesverband Solarwirtschaft erstellt und auf der BSW-Mitgliederversammlung angenommen. Durch die niedrigeren Systempreise soll im Jahr 2013 die sogenannte Netzparität erreicht werden. Das heißt, dass Haushalte mit einer eigenen Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach den Solarstrom zu gleichen Kosten erzeugen können, zu denen sie konventionellen Strom aus dem lokalen Netz beziehen können. Wie BSW-Geschäftsführer Karsten Körnig bei der Vorstellung der Studie am 11. November sagte, sind dann immer noch erhöhte Einspeisetarife nötig, damit sich die Einspeisung des nicht selbst verbrauchten Solarstroms ins Netz lohnt. 2017 sollen dann die ersten Fotovoltaik-Anlagen im Haushaltssegment ganz ohne Förderung auskommen.

Die Umlage für Solarstrom, die Kunden mit ihrer Stromrechnung bezahlen, kann der Studie zufolge auf rund zwei Cent pro Kilowattstunde begrenzt werden. Derzeit liegt die gesamte Umlage für Strom aus erneuerbaren Energien noch bei 2 Ct./kWh, 2011 steigt sie auf 3,5 Ct./kWh. Etwa die Hälfte der Umlage entfällt auf Solarstrom. Bei ihrer Prognose gehen die Autoren davon aus, dass im laufenden Jahr Solaranlagen mit acht und im nächsten Jahr mit sechs Gigawatt installiert werden. Ab 2012 soll der Zubau auf jährlich drei bis fünf Gigawatt sinken. BSW-Präsident Günther Cramer rechnet damit, dass dies schon aufgrund der weiter sinkenden Vergütung für Solarstrom passiert. Der BSW sei aber auch bereit, den begrenzten Zubau mit der Politik durch geeignete Maßnahmen abzusichern. Cramer sprach sich außerdem für eine regionale Zubausteuerung aus, die durch differenzierte Einspeisevergütungen erreicht werden könne. Bei Windstrom werde dies bereits praktiziert.

Bis 2020 sollen der Studie zufolge 52 bis 70 Gigawatt installierter Fotovoltaik-Leistung erreicht sein. Zu diesem Zeitpunkt rechnen die Autoren auch damit, dass die bisher auf Förderung angewiesene Branche ihre volkswirtschaftliche Gesamtbilanz ausgleichen kann. Bis 2030 erwarten sie einen positiven Beitrag von insgesamt mindestens 25 Mrd. Euro. Zu dieser Rechnung gehört auch, dass die deutsche Produktion von Fotovoltaikmodulen und anderer Solartechnik stark ausgebaut wird. Damit soll die weltweit wachsende Nachfrage bedient werden. Langfristig könnten so 130.000 Arbeitsplätze in der deutschen Fotovoltaik-Branche gesichert werden.




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