© 2020 Stefan Schroeter, Energiejournalist, www.stefanschroeter.com


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Die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck versorgen ihre Kunden mit Strom aus europäischer Wasserkraft und betreiben Biomasse-Anlagen vor Ort. Auch das Jenaer Modell der Bürgerbeteiligung war ein wichtiges Argument für die Agentur für Erneuerbare Energien, um die Thüringer Stadt als „Energie-Kommune“ auszuzeichnen.


Jena ist von der Agentur für Erneuerbare Energien als „Energie-Kommune“ ausgezeichnet worden. Die Thüringer Universitätsstadt gehe den Weg in eine regenerative Zukunft gemeinsam mit den Gemeinden im Umland und mit den Bürgern vor Ort, begründete die Agentur ihre Entscheidung. Über eine Energiegenossenschaft könnten sich die Bürgerinnen und Bürger auch an den Jenaer Stadtwerken beteiligen und sich für den Ausbau der erneuerbaren Energien vor Ort einsetzen.

Seit 2011 versorgen die SEJP Stadtwerke Energie Jena-Pößneck ihre Kunden mit einem Strommix ohne Kernkraft, seit Sommer 2013 sogar ausschließlich mit Strom aus europäischer Wasserkraft. Dabei nutzen sie sogenannte Herkunftsnachweise, mit denen die „grüne Eigenschaft“ von umweltfreundlich erzeugtem Strom europaweit und unabhängig vom tatsächlichen Stromfluss auf einen weniger grünen Strommix am Ort des Verbrauchs übertragen werden kann.

SEJP selbst betreibt Kraftwerke sowohl mit fossilen Brennstoffen, als auch mit erneuerbaren Energien. Dazu gehören drei mit Erdgas gefeuerte Block-Heizkraftwerke in Jena und Pößneck selbst sowie ein kleiner Anteil am Steinkohle-Kraftwerk Lünen in Nordrhein-Westfalen. Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien produziert das Unternehmen in einem Holz-Heizkraftwerk und in drei Biogasanlagen, die es teilweise mit kommunalen und landwirtschaftlichen Partnern betreibt. Hinzu kommen zwei kleine Wasserkraft-Anlagen und Anteile an Windparks.

Die Jenaer Bürgerinnen und Bürger können sich derzeit selbst an SEJP beteiligen. Die Genossenschaft Bürgerenergie Jena hatte von der Stadt Jena im Jahr 2012 einen Anteil von zwei Prozent an dem kommunalen Unternehmen erworben. Der Kaufpreis von 8,3 Millionen Euro wurde zunächst gestundet, muss aber bis zum Jahresende 2014 bezahlt werden.

Die Genossenschaft will diese Summe aufbringen, indem sie Mitgliederanteile über jeweils 500 Euro ausgibt. Inzwischen haben 791 Mitglieder insgesamt 7,6 Mio. Euro aufgebracht, die bereits überwiegend in die Tilgung des Kaufpreises geflossen sind. Vorstand Ralf Lang geht davon aus, dass die gesamte Summe bis zur Jahresmitte bezahlt werden kann. Die Genossenschaft rechnet für die Mitgliederanteile mit einer jährlichen Rendite von vier Prozent. Außerdem will sie sich für eine bürgerfreundliche, ökologische und soziale Unternehmensentwicklung einsetzen.

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