Vor allem Biogas-Kraftwerke sind prinzipiell gut dafür geeignet, die wachsende Stromproduktion aus schwankenden Energiequellen wie Sonne und Wind auszugleichen. Doch ihr Ausbau für einen flexiblen Betrieb wird noch durch mehrere Hindernisse abgebremst.



Biogas-Kraftwerke könnten bereits im Jahr 2020 einen beträchtlichen Beitrag zur Flexibilisierung des Stromsystems leisten. Darauf machte Bernhard Wern aufmerksam, Wissenschaftler am IZES Institut für Zukunftsenergiesysteme Saarbrücken, am vergangenen Donnerstag bei der Statuskonferenz des Förderprogramms „Energetische Biomassenutzung“ in Leipzig. Flexible Kraftwerke werden zunehmend gebraucht, um die wachsende Stromproduktion aus schwankenden Energiequellen wie Sonne und Wind auszugleichen. Vor allem Biogas-Kraftwerke sind dafür prinzipiell gut geeignet, aber bisher wegen fehlender finanzieller Anreize nicht mit der nötigen Technik gebaut worden. Inzwischen gibt es eine spezielle Flexibilitätsprämie für die bedarfsgerechte Stromproduktion aus Biogas.

Nach Werns Ansicht kann nun bis 2020 ein Fünftel der bestehenden Biogas-Kraftwerke so nachgerüstet werden, dass sie Strom bedarfsgerecht erzeugen. Drei Viertel der neugebauten Anlagen könnten gleich für eine flexible Stromproduktion ausgelegt werden. Nach 2020 sieht der IZES-Mitarbeiter gute Möglichkeiten, eine weitere große Anzahl bestehender Anlagen zu flexibilisieren. Sie erhalten dann nach 20 Jahren keine feste Vergütung mehr für den erzeugten Biogas-Strom, so dass sich die Betreiber neue Einnahmemöglichkeiten erschließen müssen.

Bisher hat sich die flexible Stromerzeugung in Bioenergieanlagen nur sehr allmählich entwickelt. Das DBFZ Deutsche Biomasse-Forschungszentrum hat ermittelt, dass bisher erst 278 Anlagen mit einer installierten Stromleistung von insgesamt 139 Megawatt die Flexibilitätsprämie in Anspruch nehmen. Die Zahl der Anlagen gehe allerdings kontinuierlich nach oben, berichtete DBFZ-Mitarbeiter Alexander Krautz. Gleichzeitig nannte er mehrere Hindernisse, die den Ausbau der flexiblen Stromerzeugung bremsen: Dazu gehören Genehmigungsprobleme beim Bau zusätzlicher Gasspeicher sowie Unsicherheiten über die Entwicklung des Erneuerbare Energien Gesetzes und über die rechtliche Anerkennung von Kraftwerkserweiterungen.

Bei letzterer Frage geht es darum, ob der Betreiber einer bestehenden Biogasanlage, deren Kraftwerk er für eine flexible Stromerzeugung erweitert hat, weiterhin die ursprüngliche EEG-Einspeisevergütung für den erzeugten Strom beanspruchen kann. Dieser Streit sei im Oktober durch ein bisher nur mündlich verkündetes Urteil des Bundesgerichtshofes geklärt worden, berichtete Uwe Welteke-Fabricius von der Kasseler Ingenieurfirma Cube Engineering. Danach könne eine bestehende Biogasanlage um ein neues Kraftwerk ergänzt werden, um sie zu flexibilisieren, ohne dass sich an der EEG-Vergütung etwas ändere.

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