Die beiden Anbindungsleitungen der Ostseepipeline Nord Stream waren bisher nur teilweise verfügbar und haben daher die Transportleistung des gesamten Systems eingeschränkt. Nun kann zumindest die westwärts führende Nordeuropäische Erdgasleitung vollständig genutzt werden.


Die Nordeuropäische Erdgasleitung NEL hat am 1. November ihren kompletten kommerziellen Betrieb aufgenommen. Damit steht nun ihre ursprünglich geplante Transportleistung von jährlich bis zu 20 Milliarden Kubikmeter Erdgas zur Verfügung. NEL ist eine von zwei Pipelines, die die Ostseepipeline Nord Stream mit dem europäischen Fernleitungsnetz verbinden. Während die 470 Kilometer lange Ostseepipeline-Anbindungsleitung Opal südwärts nach Tschechien führt, verläuft NEL über 441 km westwärts – von Lubmin bei Greifswald an Schwerin und Hamburg vorbei bis zum Netzkopplungspunkt nach Rehden in Niedersachsen.

NEL war bereits im Oktober 2012 teilweise in Betrieb gegangen, um Erdgas aus dem gerade fertiggestellten zweiten Strang von Nord Stream übernehmen zu können. Allerdings blieb ihre Transportleistung zunächst auf 20 Prozent beschränkt, da ein 40 Kilometer langes Teilstück südlich von Hamburg erst später gebaut werden konnte. Um zumindest einen Teil der vorgesehenen Erdgasmengen transportieren zu können, wurden sie über bereits bestehende Leitungssysteme vom Netzkopplungspunkt in Sülstorf, Mecklenburg-Vorpommern bis ins niedersächsische Achim bei Bremen umgeleitet.

Während NEL nun mit voller Transportleistung verfügbar ist, kann die nach Tschechien führende Opal wegen Auflagen der Europäischen Kommission nur zur Hälfte genutzt werden. Die Kommission hatte den russischen Konzern Gasprom aufgefordert, Erdgasmengen an Wettbewerber in Tschechien abzugeben, um seine dortige marktbeherrschende Position abzumildern. Weil Gasprom dies verweigert, erlaubt die Kommission dem russischen Erdgasproduzenten nur eine eingeschränkte Nutzung von Opal. Damit kann die eigentlich verfügbare Transportleistung von 32 Mrd. m³ nur zur Hälfte abgerufen werden.

Die Beschränkungen der beiden Anbindungsleitungen haben dazu geführt, dass auch die Transportleistung von Nord Stream selbst bisher nur teilweise nutzbar war. Seit Oktober 2012 kann sie eigentlich jährlich 55 Mrd. m³ Erdgas von der russischen zur deutschen Ostseeküste transportieren. Tatsächlich hat sie aber bis Oktober 2013 nur 20 Mrd. m³ Erdgas befördert. Das teilte die Betreibergesellschaft kürzlich auf Anfrage mit. Diese Transportmengen können nun wachsen, da NEL jährlich 16 Mrd. m³ mehr als bisher transportieren kann. Um Nord Stream vollständig nutzen zu können, wird sich Gasprom allerdings mit der EU-Kommission über die Opal-Auflagen einigen müssen.

Für den Bau von Nord Stream hat Gasprom gemeinsam mit seinen europäischen Partnern, zu denen die deutschen Energiekonzerne Wintershall und Eon zählen, 7,4 Mrd. Euro investiert. Für Opal und NEL fielen außerdem Investitionen von jeweils mehr als 1 Mrd. Euro an. Vor einem Jahr hatten die Partner noch erwogen, Nord Stream um zwei weitere Leitungsstränge zu erweitern. Um dieses Ausbauprojekt ist es allerdings inzwischen ruhig geworden.

Der russische Konzern bereitet derzeit außerdem den Bau der Unterwasser-Pipeline Südstrom vor, die von der südrussischen Schwarzmeerküste nach Süd- und Mitteleuropa führen soll. Sowohl Nord Stream als auch Südstrom sollen künftig wachsende Erdgasexporte aus Russland nach Europa ermöglichen. Darüber hinaus dienen sie als Alternativen zu den bestehenden Festlandverbindungen durch Belarus und die Ukraine. Mit diesen beiden Transitländern war Gasprom in der Vergangenheit immer wieder in Streits geraten, die sich mitunter bis zu Transportunterbrechungen verschärft hatten.

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