Cottbuser Wissenschaftler arbeiten daran, CO2-haltiges Rauchgas aus Kraftwerken für die Produktion von synthetischem Erdgas zu nutzen. Ein Schweizer Unternehmen gewinnt das Treibhausgas aus der Luft, um es als Rohstoff verkaufen zu können.



Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg arbeitet an einem Verfahren, mit dem das Treibhausgas Kohlendioxid zu synthetischem Erdgas verarbeitet werden kann. Dabei reagiert das CO2 bei Temperaturen von 400 Grad Celsius und unter dem Einfluss eines metallischen Katalysators mit Wasserstoff zu Methan und Wasser. Darüber berichtete Dieter Schmeißer, Leiter des Lehrstuhls für angewandte Physik und Sensorik, gestern beim Sächsischen Forum für Brennstoffzellen und Energiespeicher in Leipzig. Diese katalytische CO2-Wandlung werde mit reinem CO2, mit weniger reinem CO2 aus der Oxyfuel-Pilotanlage von Vattenfall in Schwarze Pumpe und mit Kraftwerks-Rauchgas untersucht.

Derzeit läuft eine Technikumsanlage mit dem Verfahren, deren erstes Modul  täglich 100 Kilogramm CO2 zu Methan wandeln kann. Die Anlage soll noch um vier weitere Module ergänzt und ab Juli 2014 am Heizkraftwerk Senftenberg erprobt werden. Mit einer breiten Anwendung des Verfahrens rechnet Schmeißer allerdings zunächst nicht. Dazu seien die eingesetzten metallischen Katalysatoren zu teuer. An kostengünstigeren Alternativen werde allerdings weltweit geforscht.

Einen anderen Ansatz, CO2 als Rohstoff zu nutzen, verfolgt das Schweizer Unternehmen Climateworks. Mit seinem  Verfahren, das an der Eidgenössischen Technischen Hochschule entwickelt worden war, kann CO2 aus der Umgebungsluft gewonnen werden. Es arbeitet mit einem Temperatur- und Druckwechselprozess, der vor allem Niedertemperatur-Wärme von 105°C benötigt. Dazu könne die Abwärme industrieller Prozesse oder von Kraftwerken genutzt werden, erklärte Vorstand Jan Wurzbacher. Eine Demonstrationsanlage für die Technik sei seit einem Jahr in Betrieb und könne 4 kg CO2 am Tag produzieren, mit einer Reinheit von 99,3 Prozent.

In einem nächsten Schritt soll nun eine kommerzielle Anlage gebaut werden, die jährlich 1.000 Tonnen CO2 mit einer Reinheit von 99,9 % erreicht. Als mögliche Kunden sieht Wurzbacher vor allem Unternehmen der Lebensmittelindustrie, die das Treibhausgas als Rohstoff für die Brauseproduktion oder für Verpackungszwecke benötigen. Später sei es auch denkbar, CO2 an Hersteller von synthetischen Treibstoffen zu liefern.

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