Auf dem Gelände der Deponie Lochau demonstrieren die Stadtwerke Halle, wie pflanzliche Reststoffe zu einem kohleartigen Biobrennstoff veredelt werden können. Die dafür nötige Wärme liefert eine benachbarte Deponiegas-Anlage.


Die SWH Stadtwerke Halle haben Anfang Juli eine Demonstrationsanlage für die Hydrothermale Carbonisierung (HTC) in Betrieb genommen. Bei diesem Verfahren wird organisches Material in heißem Wasser bei Temperaturen von 220 Grad Celsius und einem Druck von 25 bar über mehrere Stunden in einen kohleartigen, veredelten Biobrennstoff umgewandelt. Dieser Prozess ahmt die erdgeschichtliche Entstehung von Kohle, die viele Millionen Jahre dauerte, im extremen Zeitraffer nach. Die so gewonnene HTC-Kohle soll bei  ihren Brennstoffeigenschaften weitgehend mit Braunkohle vergleichbar sein.

In der Demonstrationsanlage, die auf dem Gelände der Deponie Lochau errichtet wurde, sollen jährlich 2.500 Tonnen Grünschnitt zu Biokohle verarbeitet werden. Entwickelt und hergestellt wurde die Anlage von der Firma Artec Biotechnologie aus dem bayerischen Bad Königshofen. Sie besteht aus mehreren Containern. Ihr Kernstück ist der HTC-Reaktor „Art coal 3000k“ – ein horizontal liegender, drei Kubikmeter großer Rohrreaktor.

Die Demoanlage befindet sich in direkter Nachbarschaft eines mit Deponiegas betriebenen Block-Heizkraftwerkes. So kann die erforderliche Wärmeversorgung, insbesondere für das Aufwärmen der wässrigen Biomassesuspension und die Kohletrocknung, durch einen Abgas-Wärmetauscher sichergestellt werden. Diesen Energieverbund bezeichnet SWH als Beispiel für einen Kreislauf- und Ressourcenpark, der in Lochau aufgebaut werden soll.

An einem Verfahren zur Produktion von Biokohle aus biogenen Kommunalabfällen arbeitet auch Suncoal Industries in Ludwigsfelde bei Berlin. Das Unternehmen bereitet seit mehreren Jahren den Bau einer industriellen Anlage vor, die jährlich aus 60.000 t voraufbereiteten Grünabfällen eine Menge von 20.000 t Biokohle produzieren und zu Kohlestaub weiterverarbeiten soll. Das Düsseldorfer Unternehmen Terranova betreibt seit 2010 in Kaiserslautern eine HTC-Demoanlage, die Biokohle aus 1.200 Jahrestonnen Klärschlamm produziert. Den Schritt zur industriellen Produktion hat offenbar Eurosolid Power Systems schon vollzogen: Die Firma aus Leonberg bei Stuttgart hat im November 2012 im Technologiezentrum Ostvorpommern eine HTC-Anlage in Betrieb genommen, die nach Abschluss der Pilotphase aus pflanzlichen Reststoffen jährlich 8.000 t Biokohle herstellen können soll.