Der erneuerbare Energieträger kann künftig bis zu 15 Prozent des deutschen Primärenergie-Bedarfs decken, schätzt das Deutsche Biomasse-Forschungszentrum. Die knappe Ressource sollte aber besser genutzt werden - möglichst kaskadenförmig.


Biomasse wird zunehmend zur knappen Ressource: ein Anreiz, die Wälder zu durchforsten. Archivfoto: Stefan Schroeter


Die Nutzung von Bioenergie in Deutschland kann nach Auffassung des Deutschen Biomasse-Forschungszentrums DBFZ noch deutlich ausgebaut werden. Es sei zu erwarten, dass der erneuerbare Energieträger künftig bis zu 15 Prozent des deutschen Primärenergie-Bedarfs decken könne, sagte Daniela Thrän, Bereichsleiterin Bioenergiesysteme, gestern bei der Internationalen Biomassekonferenz in Leipzig. Damit würde der heutige Anteil der Bioenergie verdoppelt. Am weitesten verbreitet sei derzeit ihr Einsatz für Heizzwecke, gefolgt von der Kraftstoff- und Stromproduktion.

Sie rechnet damit, dass künftig mehr landwirtschaftliche Flächen für den Anbau von energetisch genutzter Biomasse verfügbar werden. Eine abnehmende Bevölkerung benötige weniger Flächen für die Nahrungsmittel-Produktion, argumentierte die Wissenschaftlerin. Der künftige Zubau von Biomasse-Heizkraftwerken, Biogasanlagen und Bioraffinerien wird ihrer Ansicht nach allerdings mit deutlich geringerer Geschwindigkeit erfolgen als in den vergangenen Jahren. Wichtig sei es dabei, effiziente Technologien einzusetzen und auch die anfallenden Nebenprodukte konsequent zu nutzen. Vor allem die Wärme, die bei der Stromerzeugung in Biogasanlagen anfällt, müsse besser als bisher verwertet werden. Thrän plädierte auch dafür, die knappe Ressource Biomasse künftig kaskadenförmig für stoffliche und energetische Anwendungen zu nutzen.

Eine solche Verbindung von stofflicher und energetischer Biomasse-Nutzung in Sachsen-Anhalt und Sachsen hat sich die Forschungskooperation Bioökonomie vorgenommen. Reststoffe der Holzverarbeitung sollen durch chemische und thermische Verfahren so verarbeitet werden, dass sich Biochemikalien, biochemische Kunststoffe und Bioenergie gewinnen lassen. Die dabei benötigten Verfahren gebe es derzeit im Labormaßstab, sagte Matthias Zscheile, Direktor für Rohmaterial und Holz. „Wir müssen jetzt über Pilotanlagen zu industriellen Anwendungen kommen.“ Das Ziel sei, in fünf Jahren eine Jahresmenge von 500.000 Tonnen Biomasse zu chemischen Produkten verarbeiten zu können. An dem Projekt sind insgesamt 65 Partner beteiligt, darunter Holzverarbeiter, Maschinen- und Anlagenbauer sowie wissenschaftliche Institute. Das Budget von 80 Millionen Euro setzt sich je zur Hälfte aus Bundes-Fördermitteln und eigenen Beiträgen der beteiligten Unternehmen zusammen.

Eine lange Tradition bei der Nutzung von Bioenergie für die Kraftstoffproduktion gibt es in Brasilien. Hier wird bereits seit 1975 in großem Maßstab Ethanol aus Zuckerrohr produziert, berichtete Jose Roberto Moreiro vom brasilianischen Centro National de Referencia em Biomassa. Das Ethanol werde landesweit mit einem Anteil von 20 bis 25 Prozent dem handelsüblichen Benzin beigemischt. Brasilianische Autos seien aber auch so ausgerüstet, dass sie mit reinem Ethanol fahren könnten. Selbst die Dieselmotoren von Bussen ließen sich damit betreiben, sagte Moreiro. Inzwischen werde der Bio-Energieträger außerdem für die Strom- und Wärmeproduktion eingesetzt.

Seit einem deutsch-brasilianischen Energieabkommen im Jahr 2008 hat sich eine Zusammenarbeit zwischen den Ländern entwickelt, an der sich das DBFZ beteiligt. Auf der Konferenz wurden mehrere deutsch-brasilianische Forschungsprojekte für Biomasse vorgestellt. Dazu gehört die Biogasgewinnung aus Reststoffen in Südbrasilien sowie die Vergärung von kommunalen Abfällen und von Schweinegülle.