Das Tochterunternehmen des RWE-Konzerns betreibt inzwischen sechs polnische Festland-Windparks. Große Windkraft-Projekte im Land verfolgen auch andere ausländische Unternehmen, einheimische Kraftwerksbetreiber kaufen sich mitunter ein.


RWE Innogy hat im April seinen polnischen Windpark Nowy Staw offiziell in Betrieb genommen. Auf einer 15 Quadratkilometer großen Fläche wurden nahe der Stadt Gdansk (Danzig) in zehn Monaten 19 Windkraftanlagen des Anlagenherstellers Repower Systems errichtet. Damit sei der sechste polnische Windpark des Unternehmens mit einer installierten Leistung von 39 Megawatt ans Netz angeschlossen werden, teilte die RWE-Tochtergesellschaft mit. Das Investitionsvolumen betrage mehr als 60 Millionen Euro. Bis August soll der Windpark um weitere drei Anlagen auf eine Gesamtleistung von 45 MW ausgebaut werden. Die damit mögliche jährliche Stromproduktion wurde mit mehr als 100 Gigawattstunden beziffert.

Der Windpark speist den erzeugten Strom in das Netz des Stromversorgers Energa Obrot ein. Die Vergütung erfolgt zum einen durch den Verkauf des physischen Stroms und zum anderen durch den Verkauf von Grünen Zertifikaten. Der regulierte Preis für physischen Strom liegt RWE Innogy zufolge derzeit bei 201 Zloty/Megawattstunde (48 Euro/MWh). Der Zertifikatepreis habe im Jahr 2012 bei 190 Zloty/MWh (45 Euro/MWh) gelegen, in den ersten Monaten des Jahres 2013 aber stark geschwankt.

Mit Nowy Staw betreibt RWE Innogy nun sechs Festland-Windparks in Polen mit einer installierten Gesamtleistung von 192 MW. Die Standorte verteilen sich auf drei Regionen: Nowy Staw liegt nahe der Stadt Gdansk, Krzecin und Tychowo befinden sich in Westpommern, und die Windparks Suwalki, Piecki und Taciewo liegen nebeneinander in Podlachien im Nordosten von Polen.

Große Windpark-Projekte verfolgen in Polen auch die portugiesische Gesellschaft EDP Renovaveis und der tschechische Stromversorger CEZ. So hat EDPR im Jahr 2010 den Windpark Margonin im Nordwesten des Landes mit 120 MW errichtet. Derzeit plant das Unternehmen in direkter Nachbarschaft den gleich großen Windpark Pawlowo mit 120 MW. CEZ hatte 2012 den polnischen Projektentwickler Eco Wind Construction übernommen, der mehrere Windparks mit mehr als 700 MW entwickeln soll. Auch der deutsche Windkraft-Spezialist Enertrag verfolgt derzeit Windkraft-Projekte in drei küstennahen Regionen Nord- und Nordwestpolens mit insgesamt 1.000 MW.

Interesse an der Windkraft zeigten zuletzt der einheimische Kohleverstromer PGE Polska Grupa Energetyczna und der Wasserkraftwerks-Betreiber Energa Hydro. Sie wollen gemeinsam die polnische Tochtergesellschaft des spanischen Ökostrom-Spezialisten Iberdrola Renovables Energia übernehmen. Dabei sollen drei fertige Windparks mit 70,5 MW an PGE und weitere Windparks mit 114 MW an Energa gehen. Außerdem übernehmen beide jeweils mehrere Windkraft-Projekte, die noch entwickelt werden müssen. Ein ähnliches Geschäft hatten PGE und Energa zuvor auch schon mit dem dänischen Unternehmen Dong Energy Wind Power vereinbart.