Knapp fünf Jahre nach seinem Einstieg in die Sonnenstrom-Technik will der Stuttgarter Konzern nun wieder aus der kristallinen Fotovoltaik aussteigen. Nur ein Entwicklungsunternehmen für Dünnschicht-Technologien soll weitergeführt werden.


Der Technikkonzern Bosch hat angekündigt, aus dem Geschäftsfeld kristalline Fotovoltaik auszusteigen. Die Fertigung von Ingots, Wafern, Zellen und Modulen werde Anfang 2014 eingestellt. Soweit möglich, sollen einzelne Bereiche zeitnah verkauft werden. Sämtliche Entwicklungs- und Vertriebsaktivitäten werden ebenfalls beendet. Auch ein Modulwerk in Frankreich, das erst im März 2012 in Betrieb gegangen war, steht zum Verkauf. Eine ursprünglich in Malaysia geplante Fertigung wird nicht mehr aufgebaut. Außerdem plant Bosch, seine Mehrheitsanteile am Prenzlauer Modulhersteller Aleo Solar zu verkaufen. Das Entwicklungsunternehmen Bosch Solar Cistech in Brandenburg/Havel, das an Dünnschicht-Technologien arbeitet, will der Stuttgarter Konzern dagegen weiterführen. Der gesamte Geschäftsbereich Solar Energy beschäftigt derzeit 3.000 Mitarbeiter, davon 850 bei Aleo und  150 bei Cistech.

Bosch war erst im Juni 2008 in die damalige Wachstumsbranche Fotovoltaik eingestiegen, als der Konzern den Erfurter Solarzellen- und Modulhersteller Ersol mit damals knapp 1.000 Mitarbeitern übernahm. Der damit begründete Geschäftsbereich Solar Energy baute danach im benachbarten Arnstadt eine komplette Wertschöpfungskette für kristalline Solarprodukte auf. Sie beginnt bei den sogenannten Ingots – Rohsilizium-Blöcken, aus denen dann dünne Scheiben gesägt werden – die Wafer. Aus ihnen wiederum entstehen in den weiteren Fertigungsschritten die Solarzellen und schließlich Solarmodule, die zur Stromerzeugung aus Sonnenlicht dienen. 2009 baute Bosch seine Solarsparte weiter aus, als der Konzern die Mehrheitsanteile an Aleo und Cistech übernahm. Später kam das Modulwerk in Frankreich hinzu.

Den nun angekündigten Ausstieg aus der kristallinen Fotovoltaik begründete Bosch mit mangelnder Wettbewerbsfähigkeit. Nahezu die gesamte Branche schreibe aufgrund inzwischen immenser weltweiter Überkapazitäten tiefrote Zahlen. „Trotz umfangreicher Maßnahmen zur Senkung der Herstellkosten im vergangenen Jahr konnten wir den Preisverfall von bis zu 40 Prozent nicht kompensieren“, hieß es. Die Verluste des Geschäftsbereiches Solar Energy allein im vergangenen Jahr 2012 wurden mit einer Milliarde Euro beziffert. Der gesamte Verlust seit dem Einstieg summiere sich auf 2,4 Mrd. Euro. Hinzu kämen Ausstiegskosten, für die noch keine Größenordnung genannt wurde.