Die nordwest-europäische Preiskopplung soll das Engpass-Management bei grenzüberschreitenden Übertragungsleitungen deutlich verbessern. Damit könnte mehr Strom als bisher über die zwanzig Grenzen zwischen den beteiligten Ländern fließen.


Grenzüberschreitende Stromleitungs-Engpässe sollen in Nordwest-Europa künftig besser bewirtschaftet werden. Das Bild zeigt eine Höchstspannungsleitung bei Eisenach. Foto: Stefan Schroeter


Vier Energiebörsen und dreizehn Stromnetz-Betreiber arbeiten derzeit an einer Preiskopplung der Strommärkte in Nordwest-Europa. Ihr Ziel ist es, das Engpass-Management bei grenzüberschreitenden Übertragungsleitungen deutlich zu verbessern. Damit könnte über die zwanzig Grenzen zwischen den beteiligten dreizehn Ländern mehr Strom als bisher transportiert werden, so dass sich die Großhandels-Strompreise in den einzelnen Marktgebieten mehr annähern würden. Derzeit gibt es dort je nach Stromangebot und -nachfrage sehr unterschiedliche Preise.

Wie die Partner mitteilten, werden derzeit die Informationssysteme, Abläufe und Verträge vor Ort eingeführt und getestet. Mit den Tests für das Gesamtsystem wollen sie im April beginnen. Verlaufen sie erfolgreich, soll die nordwest-europäische Preiskopplung (NWP) im November 2013 freigeschaltet werden.

Die Preiskopplung von Strommärkten gibt es bisher zwischen mehreren mittel- und westeuropäischen Ländern sowie zwischen den skandinavischen Ländern. Außerdem sind diese beiden Regionen über eine Preiskopplung miteinander verbunden. Die jetzt geplante NWP soll nun über diese Regionen hinaus auch Großbritannien und die baltischen Länder einschließen. Des weiteren ist offenbar eine Kopplung mit Polen vorgesehen – allerdings wohl nur über eine Stromleitung nach Schweden, nicht über die deutsch-polnischen Leitungen.

Die NWP-Partner betonen, dass das neue Preiskopplungssystem auf Robustheit ausgelegt ist und auch in anderen europäischen Regionen anwendbar sein soll. Portugal und Spanien sind die nächsten Kandidaten für einen Anschluss. 

Bei den an NWP beteiligten Energiebörsen handelt es sich um die holländische APX-Endex, die belgische Belpex, die deutsch-französische Epex Spot und die skandinavische Nord Pool Spot. Hinzu kommen dreizehn Übertragungsnetzbetreiber in Benelux und Baltikum, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Skandinavien. Zu ihnen gehören die vier deutschen Netzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und Transnet BW.