Als Zwischenerwerber der Freiberger Demonstrationsanlage für synthetische Bio-Energieträger tritt ein ungenanntes amerikanisches Unternehmen auf. Die verbliebenen Mitarbeiter der insolventen Choren-Gruppe erhielten im vergangenen Oktober ihre Kündigung.




Die Demonstrationsanlage „Beta“ für die Produktion synthetischer Energieträger im sächsischen Freiberg ist zur Demontage und Weiterveräußerung an ein amerikanisches Unternehmen verkauft worden. Dies teilten die Insolvenzverwalter des früheren Anlagen-Eigentümers Choren jetzt auf Anfrage mit. Der Verkauf sei bereits im Oktober 2012 erfolgt, sagte ein Sprecher der Kölner Kanzlei Kübler. Zu Kaufpreis und Käufer machte er keine weiteren Angaben. „In der Folge der Veräußerung musste die zuvor bereits reduzierte Belegschaft ebenfalls gekündigt werden, wobei unseres Wissens der Erwerber einige Arbeitnehmer weiterbeschäftigt“, gab der Sprecher außerdem bekannt.

Die Choren-Gruppe hatte die sogenannte Carbo-V-Technologie entwickelt. Sie ermöglicht es, aus kohlenstoffhaltiger Biomasse wie Holz synthetisches Gas und Bio-Kraftstoffe der sogenannten 2. Generation herzustellen. Eine Pilotanlage „Alpha“ für den hochwertigen „Sundiesel“ hatte Choren bereits im Jahr 2000 in Betrieb genommen. 2008 sollte die Demonstrationsanlage „Beta“ folgen, die als Zwischenschritt zu einer kommerziellen Industrieanlage „Sigma“ ausgelegt war. Die Fertigstellung von „Beta“ verzögerte sich allerdings und konnte schließlich nicht abgeschlossen werden. Die dabei aufgetretenen Finanzierungsschwierigkeiten wurden als Grund dafür genannt, dass die Choren-Gruppe im Juli 2011 Insolvenz anmelden musste.

Als Insolvenzverwalter für die drei Gesellschaften CI Choren Industries GmbH, die CFF Choren Fuel Freiberg GmbH & Co. KG und die CC Choren Components GmbH mit insgesamt 290 Mitarbeitern wurden damals Bruno Kübler, Bettina Breitenbücher und Tim Brune von der Kanzlei Kübler bestellt. Vom Insolvenzverfahren unberührt blieben zunächst die ausländischen Gesellschaften Choren USA LLC und die Choren China Co., Ltd. mit weiteren zehn Mitarbeitern.

Im Oktober 2011 wurde der Apparatebauer CC mit allen 25 Mitarbeitern von seinem bisherigen und langjährigen Geschäftsführer Jonas Kapeller erworben und übernommen. Das Unternehmen firmiert seitdem wieder unter seinem früheren Namen „TAF Thermische Apparatebau Freiberg GmbH“. In den beiden anderen Unternehmen konnten damals mit einer Brückenfinanzierung noch 140 Mitarbeiter weiter beschäftigt werden. Gleichzeitig erhielten weitere 120 Mitarbeiter eine vorsorgliche Kündigung, die sich bald darauf als endgültig erweisen sollte.

Im Februar 2012 verkaufte Kübler die Carbo-V-Technologie mit allen Patenten und Markenrechten an LED Linde Engineering Dresden. Mitarbeiter von Choren übernahm LED dabei nicht direkt, schrieb aber Stellen für ein „größeres Team“ aus, das mit der Technologie arbeiten sollte. Auf diese offenen Stellen sollten sich auch frühere Choren-Mitarbeiter bewerben können. Bei den beiden verbliebenen Unternehmen der Gruppe, CI und CFF, beschäftigten die Insolvenzverwalter zu diesem Zeitpunkt noch 65 Mitarbeiter. Bis Oktober 2012 mussten auch sie die Unternehmen verlassen.

Die Insolvenzverwalter verwiesen darauf, dass viele frühere Choren-Mitarbeiter von sich aus in andere Unternehmen gewechselt sind. Abschließende Zahlen zu den ausgesprochenen Kündigungen und freiwilligen Wechseln wollten sie allerdings nicht veröffentlichen. Auch bei den eigentlich zuständigen Gewerkschaften IG Metall und IG Bergbau, Chemie, Energie war darüber nichts zu erfahren, da sie nicht mit einem Betriebsrat bei Choren zusammengearbeitet hatten. Die Insolvenzverwalter informierten schließlich noch darüber, dass es bei der Unternehmensgruppe überhaupt keinen Betriebsrat gegeben hatte. Auch ein Interessenausgleich und Sozialplan, der üblicherweise vom Betriebsrat ausgehandelt wird, existiert in diesem Verfahren nicht.

Die beiden ausländischen Gesellschaften Choren USA LLC und Choren China Co., Ltd. hatten zwar keine Insolvenz angemeldet. Die Verwalter fanden aber für sie keine Käufer und lösten sie daher auf. Wann das Insolvenzverfahren endgültig abgeschlossen wird, steht bisher nicht fest. Die Verwalter weisen darauf hin, dass Verfahren dieser Art erfahrungsgemäß einige Jahre dauern.



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