In Neuhardenberg, Templin und Döbern sind im vergangenen Jahr wieder riesige Fotovoltaik-Freiflächenanlagen entstanden. Bayern baut deutlich kleinere Solarstrom-Anlagen – davon aber sehr viele.


In Bayern wurde mit Abstand die größte Fotovoltaik-Gesamtleistung zugebaut. Brandenburg kommt mit seinen Großkraftwerken auf den zweiten Platz. Quelle: Bundesnetzagentur, Grafik: Stefan Schroeter


Im vergangenen Jahr 2012 sind in Brandenburg wieder mehrere Solar-Großkraftwerke gebaut worden. Das geht aus aktuellen Angaben der BNA Bundesnetzagentur hervor. Zu den Großprojekten zählt der Solarpark Neuhardenberg mit einer installierten Spitzenleistung von 138 Megawatt. Der in Radebeul ansässige Projektentwickler Enfo hat hier für Investoren aus Hamburg, Greven und München die Solarmodule auf 240 Hektar Nebenflächen eines aktiven Flugplatzes aufgestellt. Richtig in Betrieb ist dieser Solarpark wohl allerdings noch nicht, da eine notwendige Anschlusstrasse zum Netz von Regionalversorger Eon Edis und Umspannwerke erst Ende Februar fertig werden.

Nicht viel kleiner ist der Solarpark Templin mit 129 MWp, den die Firma Belectric aus dem bayerischen Kolitzheim auf dem Gelände eines ehemaligen Militärflughafens errichtete. Mit etwas Abstand folgt der Solarpark Döbern des Projektentwicklers Sybac-Solar aus Kehrig in Rheinland-Pfalz, der auf knapp 83 MWp kommt. Schon in den Jahren zuvor waren in Brandenburg riesige Solar-Freiflächenanlagen gebaut worden. So hatten verschiedene Investoren in Senftenberg mehrere benachbarte Solarparks errichtet, die im September 2011 eine Gesamtleistung von 166 MWp erreichten.

Sogar noch größer hätte ein Fotovoltaik-Projekt in der Lieberoser Heide bei Turnow-Preilack werden sollen. Hier wollte der Ökostrom-Spezialist Juwi aus Wörrstadt/Rheinland-Pfalz seinen bestehenden Solarpark von 71 auf 300 MWp ausbauen wollen, konnte sich aber offensichtlich nicht mit dem regionalen Netzbetreiber Mitnetz über den Anschluss einigen. Derzeit verfolgt Juwi dieses Projekt nicht aktiv, will aber auch eine spätere Umsetzung nicht ausschließen.

Damit solche Großkraftwerke ihren Strom ins Netz speisen können, müssen oftmals die Leitungen ausgebaut werden. Die Kosten dafür finanziert der jeweilige Netzbetreiber, indem er die regionalen Netzentgelte für Stromverbraucher anhebt. Außerdem entstehen in den dünn besiedelten Regionen, wo große Flächen für Solar- und Windparks verfügbar sind, zunehmend Stromüberschüsse. Der Überschuss-Strom muss dann über weite Strecken abtransportiert werden und stößt dabei ebenfalls auf Netzengpässe – insbesondere beim Transport nach Süd- und Westdeutschland. Einen finanziellen Anreiz, stromintensive Industrie in der Nähe der Ökostrom-Kraftwerke anzusiedeln, gibt es derzeit nicht.

Solarparks in anderen Bundesländern fallen deutlich kleiner aus. So gingen 2012 im sächsischen Kubschütz und im niedersächsischen Großenkneten jeweils Solaranlagen mit 38 MWp ans Netz. In Güstrow, Mecklenburg Vorpommern, wurden 33 MWp angeschlossen. Ähnlich große Projekte gab es auch in Sachsen-Anhalt, Thüringen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz. Sehr viel dezentraler wird die Solarkraft vor allem in Bayern ausgebaut. Die größten neu gebauten bayerischen Solarparks in Stephansposching und Wallersdorf sind lediglich 11 MWp groß. Weil es hier aber viel mehr kleinere Projekte als in anderen Bundesländern gibt, liegen die Bayern bei der insgesamt neu installierten Fotovoltaik-Spitzenleistung mit 1,5 Gigawatt dennoch weit vor allen anderen Bundesländern.

Insgesamt sind im vergangenen Jahr bundesweit Fotovoltaik-Anlagen mit 7,6 GWp installiert worden. Damit stieg die gesamte deutsche Solarstrom-Spitzenleistung auf 32 GWp. Gleichzeitig wurde die gesetzlich festgelegte Höchstmenge des Fotovoltaik-Zubaus von 3,5 GWp deutlich überschritten. Deshalb sinken die Einspeisevergütungen für Solarstrom, die nach dem EEG Erneuerbare Energien Gesetz festgelegt werden, in den kommenden Monaten deutlich stärker als um das normalerweise vorgesehene eine Prozent pro Monat. Vom 1. Februar bis zum 30. April gehen sie jeweils am Monatsersten um 2,2 Prozent zurück. So gilt für Dachanlagen unter 10 kWp, die im Februar in Betrieb gehen, eine Einspeisevergütung von 16,64 Cent pro eingespeister Kilowattstunde. Werden sie erst im April fertig, gilt nur noch eine Vergütung von 15,92 Ct/kWh.