Durch veränderte Einspeisevergütungen für Strom ist der Neubau von Biogasanlagen in Deutschland auf weniger als ein Drittel eingebrochen. Der Fachverband befürchtet nun Arbeitsplatz-Abbau und Insolvenzen bei den Anlagenherstellern.


Die Biogasbranche erlebt derzeit nach eigener Einschätzung schwierige Zeiten. Der Anlagenbau sei nahezu vollständig zusammengebrochen, der Ausbau bestehender Anlagen könne diese Lücke nicht schließen, und das Auslandsgeschäft gleiche nur einen Teil der Umsatzeinbrüche aus, resümiert  der Fachverband Biogas das Jahr 2012. Als Gründe dafür nannte Präsident Josef Pellmeyer bei der Jahrestagung in Leipzig hohe Substratpreise, die „verschlechterten Bedingungen des EEG 2012“ und Akzeptanzprobleme. Das kürzlich von Bundesumweltminister Peter Altmaier vorgelegte Konzept für eine Begrenzung der EEG-Kosten werde zu einer zusätzlichen Verunsicherung von Betreibern und Banken führen. „Das war ein unüberlegter Schuss aus der Hüfte, der rechtlich nicht haltbar ist.“

Das EEG Erneuerbare Energien Gesetz hatte ab 2012 die Einspeisevergütungen für Strom aus Biogas deutlich stärker als bisher an spezielle Vorgaben gekoppelt. So muss eine Mindestmenge der Wärme genutzt werden, die bei der Stromerzeugung aus Biogas anfällt. Ein sogenannter „Maisdeckel“ begrenzt den Anteil von Mais und Getreide, der in einer Anlage zur Biogas-Produktion eingesetzt werden kann. Deutlich verbessert wurden dagegen die Stromvergütungen für kleine Bioabfall- und Gülleanlagen.   

Auf diese neuen Regelungen hat sich die Biogasbranche bisher offenbar kaum einstellen können. Nachdem in den Jahren 2009 und 2011 jährlich etwa 1.000 neue Biogasanlagen ans Netz gegangen sind, ist das Neuanlagen-Geschäft im Jahr 2012 nach Einschätzung des Fachverbands auf unter 300 Anlagen eingebrochen. „Wir haben nicht nur eine Stagnation, sondern eine richtig extreme Rezession im Biogassektor“, sagte Claus Rückert, der in Leipzig als neuer Sprecher des Firmenbeirats gewählt wurde. Er rechnet damit, das viele Anlagenbauer massiv Arbeitsplätze abbauen werden, die Gefahr von Insolvenzen sei sehr groß. Am Montag hatte bereits der Biogasanlagen-Hersteller Envitec angekündigt, an seinen deutschen Standorten Lohne und Saerbeck 70 Stellen zu streichen.

Dabei gelingt es auch schon einigen Anlagenbauern, die auf der parallel zur Tagung stattfindenden Biogas-Fachmesse ausstellen, das eingebrochene Geschäft mit neuen Biogasanlagen in Deutschland einigermaßen mit Nachrüstungen bestehender Anlagen und mit Auslandsgeschäften auszugleichen. So baut der Biogas-Anlagenhersteller UTS aus Hallbergmoos inzwischen überwiegend im europäischen Ausland. Derzeit werde der Einstieg in den chinesischen Markt vorbereitet, berichtete Vertriebschef Ludwig Dinkloh. Der Technik-Ausrüster Fliegl Agrartechnik liefert seine Gülle-Rührwerke und Biogas-Einbringautomaten jetzt verstärkt für den Ausbau bestehender Biogasanlagen, das sogenannte „Repowering“.  „Damit können wir den Einbruch beim Neuanlagenbau etwas kompensieren“, sagte Vertriebsmanager Karl-Heinz Lutz.

Betreiber von Biogasanlagen beginnen derzeit auch damit, die Möglichkeiten der Direktvermarktung ihres Stroms zu nutzen, mit der sie gegenüber der EEG-Einspeisevergütung höhere Erlöse erzielen können. Schließlich sind Biogasanlagen prinzipiell dafür dafür geeignet, wertvollen Spitzenlaststrom zu erzeugen. Dabei können sie auf spezialisierte Dienstleister wie das Leipziger Unternehmen Energytomarket (Deutsch: Energie für den Markt) zurückgreifen. Unter den Anlagenbetreibern, deren Strom es an der Energiebörse und an Regelenergie-Märkten verkauft, sind   bisher vor allem Wind- und Solarstromproduzenten. Einen kleineren Teil des Stromportfolios stellen inzwischen auch Biogasanlagen. „Die Betreiber haben verstanden,  dass die Direktvermarktung nicht nur eine Chance, sondern auch eine Verpflichtung ist“, sagte die Leiterin des Kompetenzzentrums Biogas, Annette Keil. „Sie überlegen jetzt, ihre Anlagen marktgerecht auszurüsten.“