Der russische Energiekonzern Gasprom hat die großen Erdgasvorräte der Halbinsel Jamal zunächst mit Pipelines über das Festland erschlossen. Nun verbündet er sich mit einem Partner, um das Jamal-Erdgas auch verflüssigen und per Tankschiff in alle Welt exportieren zu können.


Der russische Energiekonzern Gasprom und der größte unabhängige russische Erdgasproduzent Nowatek bereiten gemeinsam den Bau eines Werkes für die Produktion von Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas – LNG) auf der nordwestsibirischen Halbinsel Jamal vor. Dazu haben die Partner gestern vereinbart, ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen. Die Einzelheiten des Projekts sollen bis Jahresende bestätigt werden.

Nowatek verfolgt auf der Halbinsel bereits ein gemeinsames LNG-Projekt mit dem französischen Energiekonzern Total. Es soll 2016 mit einer ersten Ausbaustufe in Betrieb gehen und im Endausbau jährlich 15 Millionen Tonnen LNG produzieren können. Das Flüssigerdgas lässt sich per Tankschiff in alle Welt transportieren. Allerdings müssen sich Nowatek und Total dabei mit Gasprom arrangieren, weil dieser halbstaatliche Konzern seit 2006 ein Monopol auf den Export von Erdgas aus Russland besitzt. Als Rohstoffbasis für beide LNG-Projekte können mehrere Erdgas-Lagerstätten auf Jamal dienen, an denen Nowatek teilweise bereits beteiligt ist.

Die Halbinsel am Polarkreis ist eine neue russische Förderregion für fossiles Erdgas. Gasprom hatte hier im Oktober offiziell mit der Erdgasförderung aus der Großlagerstätte Bowanenkowo begonnen. Insgesamt vermutet der Konzern hier und in den angrenzenden Küstengewässern Lagerstätten mit Vorräten von insgesamt 16.500 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Sie sollen schrittweise erschlossen werden und so bis 2030 in der Region eine jährliche Förderung von 360 Mrd. m³ ermöglichen. Diese Menge entspricht etwa zwei Dritteln der aktuellen Gasprom-Förderung, die 2011 bei 513 Mrd. m³ lag.

Bisher hatte sich der Konzern darauf konzentriert, die Lagerstätten der Halbinsel über Pipelines auf dem Landweg zu erschließen. Mit dem weltweiten Aufschwung der LNG-Branche ist die Erdgas-Verflüssigung nun auch hier interessanter geworden. Die extremen klimatischen Bedingungen der Region am Polarkreis wirken sich dabei sehr unterschiedlich aus. Für die Verflüssigung selbst sinkt der Energieaufwand, weil die niedrigen Temperaturen die dabei notwendige starke Abkühlung des Erdgases begünstigen. Der Transport über die angrenzenden Eismeere ist dagegen aufwändig und wohl auch zeitlich nur eingeschränkt möglich. Gasprom hatte erst im November mit einem LNG-Tanker erfolgreich getestet, dass der nördliche Seeweg in dieser Zeit noch befahrbar ist. Dabei wurde das Tankschiff von drei Atom-Eisbrechern begleitet.


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