Die Region im Süden Argentiniens eignet sich gut für den Ausbau der Windkraft. Deutsche Unternehmen, die sich daran beteiligen, müssen neue Herausforderungen bewältigen.



Über die Pampas im argentinischen Patagonien weht ein starker, beständiger Wind. Diese steppenartigen Ebenen im Süden des Landes wären damit eigentlich bestens geeignet, um Windparks aufzustellen und damit erneuerbaren Strom zu erzeugen. Doch die Windkraft steht in Argentinien noch am Anfang ihrer Entwicklung. Bisher seien im ganzen Land erst Windräder mit 162 Megawatt Leistung installiert, berichtete Vanesa Revelli Mitte November bei einem Workshop in der Industrie- und Handelskammer Leipzig. Doch das soll sich ändern, sagte die Geschäftsführerin Lateinamerika des Wiesbadener Windkraftentwicklers Abo-Wind: Bis 2020  werde ein Windkraft-Zubau auf 6.000 MW erwartet. Revellis Unternehmen selbst entwickelt derzeit mehrere argentinische Windparks mit Leistungen zwischen 50 und 100 MW.

Die argentinische Regierung will erneuerbare Energien besser nutzen, um weniger abhängig von fossilen Energiequellen zu werden und den steigenden Strombedarf des Landes zu decken. Bisher sind es vor allem kleine Wasserkraftwerke, einige Windparks und Biomasse-Kraftwerke, die Ökostrom erzeugen und damit zwei Prozent zur argentinischen Stromproduktion von 110 Terawattstunden beisteuern. Ein Entwicklungsplan sieht nun vor, dass der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bis zum Jahr 2016 auf acht Prozent wachsen soll.

Um die dafür nötigen Investitionen zu erleichtern, bietet die Regierung einige steuerliche Anreize. Vor allem legt sie sogenannte Genren-Programme auf, mit denen sie jeweils eine begrenzte Zahl von Ökostrom-Projekten fördert. Wie Revelli sagte, sollen in Genren-1 insgesamt 49 Projekte für Windstrom, Biodiesel, Klein-Wasserkraft und Solarstrom mit einer Gesamtleistung von einem Gigawatt unterstützt werden. Dabei wird den Betreibern jeweils ein fester Strom-Verkaufspreis für 15 Jahre garantiert. Inzwischen erwartet die Branche auch schon ein zweites, ähnlich großes Genren-Programm.

Entwicklungsimpulse könnten auch von einem steigenden Strompreis ausgehen, wenn die Regierung bisherige Subventionen abbaut. In der Industrie strebt zumindest Volkswagen an, seine beiden Werke in Buenos Aires und Cordoba schrittweise auf Ökostrom umzustellen. Hinzu kommen weltweit sinkende Anlagenkosten für Windkraft und Fotovoltaik. Und schließlich können die starken stabilen Winde in Patagonien und die kräftige Sonneneinstrahlung im Nordwesten des Landes auch für einen vergleichsweise hohen Stromertrag sorgen. Um das große Windkraft-Potenzial zu erschließen, müssen die Projektentwickler allerdings auch neue Herausforderungen bewältigen.

So musste der Windkraftentwickler EAB New Energy aus dem sächsischen Großschirma bei Freiberg für seine patagonischen Projekte die Frage klären, welche Anlagen überhaupt dauerhaft den hohen Windgeschwindigkeiten von neun bis zwölf Meter pro Sekunde standhalten, und welcher Anlagenhersteller dafür eine bezahlbare Servicegarantie bietet. Wie Jan Greschner, Leiter Auslandsprojekte, berichtete, plant das Unternehmen nun seine beiden Windparks in der patagonischen Provinz Chubut mit Anlagen des deutschen Herstellers Enercon. Um diese Anlagen in Argentinien einsetzen zu können, muss EAB allerdings auch noch die gültigen Importbeschränkungen bewältigen.



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