Das Deutsche Biomasse-Forschungszentrum rechnet im laufenden Jahr mit 400 neuen Biogasanlagen, die in einem angeschlossenem Kraftwerk Strom erzeugen. Das bedeutet einen deutlichen Rückgang, dessen Ursache in neuen Vergütungsregeln liegt.


Die veränderten Vergütungsregeln für Biogasanlagen ab 2012 haben im laufenden Jahr zu einem geringeren Zubau von neuen Anlagen geführt. Das DBFZ Deutsche Biomasse-Forschungszentrum hat ermittelt, dass bis Jahresende voraussichtlich 400 neue Biogasanlagen  mit Vor-Ort-Verstromung und einer Stromleistung von 350 Megawatt in Betrieb gegangen sein werden. Die bundesweite Gesamtzahl dieser Anlagen im gesamten Bundesgebiet steige bis dahin voraussichtlich auf 7.600, mit einer Stromleistung von insgesamt 3.200 MW, prognostizierte die DBFZ-Wissenschaftlerin Jaqueline Daniel-Gromke beim Biogas-Fachgespräch am Mittwoch in Leipzig. Im Jahr zuvor waren noch 1.300 Biogasanlagen mit 550 MW Stromleistung gebaut worden. Die geänderten Vergütungsregeln im EEG Erneuerbare Energien Gesetz 2012 haben laut Daniel-Gromke weg vom bisherigen quantitativen Zuwachs und hin zu einem qualitativen Zuwachs geführt.

Bei Biogasanlagen, die das Gas auf Erdgasqualität aufbereiten und ins Gasnetz einspeisen, rechnet das DBFZ für 2012 mit 32 Neubauten, fast ebenso viele wie im Jahr zuvor. Wie Daniel-Gromke sagte, waren im August bundesweit bereits 94 dieser Biomethan-Anlagen mit einer Aufbereitungsleistung von 57.760 Kubikmeter pro Stunde in Betrieb. Damit könnten jährlich 490 Millionen m³ Biomethan produziert werden. Die Wissenschaftlerin wies darauf hin, dass diese Biomethan-Produktionsmenge erst acht Prozent des Ausbauziels von 6 Mrd. m³ entspricht, das sich die Bundesregierung als Ziel für 2020 gesetzt hat. „Wenn wir dieses Ziel erreichen wollen, wäre ein jährlicher Zubau von 120 Anlagen mittlerer Größe nötig“, sagte Daniel-Gromke. „Die Anreize sind richtig gesetzt, aber die aktuellen Zahlen sind noch weit von dem Ausbauziel entfernt.“

In Sachsen waren im August 220 Biogas-Verstromungsanlagen mit insgesamt 100 MW Stromleistung in Betrieb, berichtete Martina Marx, Referentin im Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft. Das sind 21 Anlagen und 13 MW mehr als ein Jahr zuvor. Hinzu kommen fünf Biomethan-Anlagen, ebenso viele sind derzeit im Bau. Zu einer „Vermaisung“ hat der Biogas-Ausbau in Sachsen bisher nicht geführt: Der Maisanbau blieb hier auf 13 % der Ackerfläche begrenzt. „Das ist moderat im Vergleich zu Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen“, sagte Marx.

Für den Bau von Biogasanlagen haben sich elf ostdeutsche Unternehmen im Netzwerk Cings zusammengeschlossen. Wie Netzwerker Andreas Kretschmer berichtete, bauten die Partner unter anderem eine Biogasanlage im sächsischen Kleinbautzen, die mit Wirtschaftsdünger aus der Milchviehhaltung und nachwachsenden Rohstoffen betrieben wird. Zur Stromerzeugung wird dort ein Zündstrahlmotor mit 235 Kilowatt Stromleistung eingesetzt, in dessen Abgasstrom eine Gasturbine von Schnell Motoren eingebaut ist. Damit steigt die gesamte Stromleistung auf 265 kW. Um die Abwärme der Aggregate unabhängig von der Stromerzeugung nutzen zu können, wurde die Anlage um einen Heizwasserspeicher ergänzt.

In einer anderen Biogasanlage setzte das Netzwerk ein neuartiges Verfahren für die Aufbereitung von Gärresten um. Kretschmer zufolge konnte dabei der bisher übliche Wärmeverbrauch um zwei Drittel gesenkt werden. Derzeit arbeiten die Partner an einem System für die Vermarktung von Regelenergie. „Wir wollen einzelne dezentrale Biogas-Anlagen so ausstatten, dass sie am Energiemarkt mit jedem Energiehändler ihrer Wahl mitspielen können“, sagte Kretschmer.



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