Die Stadtwerke wollen staatliche Belastungen durch die Energiewende direkt an ihre Kunden durchreichen. In der Grundversorgung kommen auch noch höhere Netzentgelte hinzu.



Die SWL Stadtwerke Leipzig heben zum 1. Januar 2013 erneut ihre Strom- und Gaspreise an. Die Strompreise hatte das kommunale Unternehmen erst zum 1. April heraufgesetzt, die Gaspreise waren seit Oktober 2009 stabil. Zum Jahresanfang sollen die Strompreise in der Grundversorgung nun um durchschnittlich 12,2 Prozent oder 3,75 Cent pro Kilowattstunde brutto steigen. Für einen grundversorgten Durchschnitts-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 1.800 kWh bedeutet das jährliche Mehrkosten von 67,50 Euro. Für Kunden in bestehenden Bestpreis-Verträgen fällt die Preiserhöhung geringer aus: Sie zahlen 2,66 Ct/kWh mehr, was bei 1.800 kWh Jahresverbrauch einem Aufschlag von 47,88 Euro entspricht.

Als Grund für die höheren Preise führte SWL-Geschäftsführer Thomas Prauße den deutschlandweiten Anstieg staatlicher Belastungen durch die Energiewende an. Gleichzeitig forderte er die Bundesregierung auf, den Menschen die Wahrheit über die Kosten dieses Großprojekts zu sagen. „Es wird teurer werden“, kündigte Prauße an.

Thomas PraußeThomas Prauße, Geschäftsführer der Stadtwerke Leipzig GmbH. Foto: Stefan SchroeterEr versicherte, dass sein Unternehmen nur die staatlich veranlassten Mehrkosten an seine Kunden weitergebe, ohne dabei einen Gewinn zu erzielen. Dabei ist allerdings anzumerken, dass Grundversorgungs-Kunden auch höhere Netzentgelte zahlen sollen, von denen Bestpreis-Kunden verschont bleiben. Als Grund der Preiserhöhung nannte Prauße staatlich verursachte Mehrkosten durch die Umlage für die Kosten des EEG Erneuerbare Energien Gesetzes, die Umlage zur Befreiung der Strom-Großverbraucher von Netzentgelten, die Umlage für Kraftwärme-Kopplung und die neu eingeführte Umlage zur Absicherung von Meereswindparks. Gemeinsam mit der Mehrwertsteuer steigt der staatlich verursachte Kostenblock so in einem von Prauße präsentierten Rechenbeispiel um 2,84 Ct/kWh auf 15,94 Ct/kWh. Dieses Rechenbeispiel beruht auf einem für Leipziger Haushalte  durchschnittlichen jährlichen Verbrauch von 1.800 kWh in der Grundversorgung.

Auf der anderen Seite konnte SWL seine Strombeschaffungs-Kosten einschließlich Vertrieb für 2013 um 0,2 Ct/kWh auf 10,45 Ct/kWh senken. Diese Entlastung fällt allerdings kaum ins Gewicht, da auch höhere Netzentgelte anfallen, die von der SWL-Tochter Netz Leipzig für die Durchleitung des Stroms vom Lieferanten zum Endkunden berechnet werden. Sie steigen nach dem SWL-Rechenbeispiel um 1,14 Ct/kWh auf 8,17 Ct/kWh im Jahr 2013. Grundlage dafür sind die im Oktober veröffentlichten vorläufigen Netzentgelte von Netz Leipzig, die noch bis Ende Dezember von der Bundesnetzagentur genehmigt werden müssen.

Jan Fuhrberg-BaumannJan Fuhrberg-Baumann, Geschäftsführer der Netz Leipzig GmbH. Foto: Stefan SchroeterAls Grund für die höheren Netzentgelte nannte Netz Leipzig-Geschäftsführer Jan Fuhrberg-Baumann die stark gestiegenen Zahlungen seines Unternehmens an den vorgelagerten Netzbetreiber Mitnetz, der wiederum einen Teil dieser Zahlungen an den ostdeutschen Übertragungsnetz-Betreiber 50Hertz weiterleite. 2009 habe Netz Leipzig noch 16 Mio. Euro an Mitnetz gezahlt, 2013 werde mit 35 Mio. Euro mehr als das Doppelte fällig. Diesen Kostenanstieg führte Fuhrberg-Baumann auf hohe Netzausbaukosten für Solar- und Windstrom bei den vorgelagerten Netzbetreibern zurück. Er rechnet auch damit, dass diese Kosten noch weiter deutlich steigen. Die Netzkosten in Leipzig selbst seien dagegen in den vergangenen Jahren nahezu konstant geblieben und würden für 2013 mit knapp 54 Mio. Euro veranschlagt.

Schon bei den vergangenen Erhöhungen der SWL-Strompreise hatten Berechnungen ergeben, dass das Leipziger Preisniveau deutlich höher ist als in benachbarten Großstädten. Nach der Ursache dafür befragt, wies Prauße diese Darstellung zwar pauschal zurück, führte aber keinen eigenen Preisvergleich an. Für die jetzt geplanten Preiserhöhungen hat SWL bisher nur allgemeine Angaben gemacht. Wann die Preisblätter mit konkreten Daten veröffentlicht werden, die auch Preisvergleiche erlauben, ist noch nicht bekannt.

Eine Preiserhöhung plant SWL zum Jahreswechsel auch für die Gasversorgung. Hier soll ein Haushaltskunde in der Grundversorgung mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh monatlich 11 Euro mehr bezahlen. Prauße begründete den Preisanstieg zu einem kleineren Teil mit gestiegenen Kosten für die Gasbeschaffung. SWL kaufe sein Erdgas immer noch überwiegend über langfristige Bezugsverträge mit teurer Ölpreisbindung ein und könne nur teilweise von günstigen Preisen des kurzfristigen Gashandels profitieren. Zu einem größeren Teil hätten sich höhere Netzentgelte von Netz Leipzig ausgewirkt. Sie steigen nach einer Absenkung, die von der Bundesnetzagentur bewirkt worden war, wieder an.


Geplanter Strompreisanstieg für einen Leipziger Haushalt mit 1.800 kWh Jahresverbrauch in der Grundversorgung

  2012 2013 Veränderung  
  Ct/kWh Ct/kWh Ct/kWh %
         
Netzentgelte: 7,052 8,170 1,118 16
         
Beschaffung / Vertrieb: 10,653 10,448 -0,205 -2
         
Staatliche Belastungen:        
Offshore-Haftungsumlage: 0,000 0,250 0,250  
KWK-Umlage: 0,002 0,126 0,124 6200
§19-Umlage: 0,151 0,329 0,178 118
Stromsteuer: 2,050 2,050 0,000 0
Konzessionsabgabe: 2,390 2,390 0,000 0
EEG-Umlage: 3,592 5,277 1,685 47
Mehrwertsteuer: 4,919 5,518 0,599 12
         
Zwischensumme staatliche Belastungen: 13,104 15,940 2,836 22
         
Strompreis: 30,809 34,558 3,749 12
         
       Quelle: SWL



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