Der polnische Gasnetz-Betreiber Gaz-System baut im Ostseehafen Swinoujscie ein Terminal für den Import von Flüssigerdgas, das per Tankschiff angeliefert wird. Europäische Institutionen beteiligen sich an dem Projekt, das in Mittel- und Osteuropa bisher einmalig ist.


Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (European Bank for Reconstruction and Development – EBRD) unterstützt den Bau eines Flüssigerdgas-Terminals in Polen mit einem Kredit von 300 Mio. Zloty (75 Mio. Euro). Der Kredit, der eine Laufzeit von 12 Jahren hat, wird an den polnischen Netzbetreiber Gasy Gaz-System vergeben. Wie Gasy mitteilte, ist die Finanzierung des insgesamt 2,7 Mrd. Zloty teuren Projekts damit gesichert. Daran beteiligen sich außerdem die Europäische Investitionsbank und die Europäische Union. Gasy selbst steuert 1,1 Mrd. Zloty bei.

An dem Terminal für Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas – LNG) im Ostseehafen Swinoujscie wird schon seit März 2011 gebaut. Ab Juni 2014 soll es LNG aus Tankschiffen entladen und zu Pipelinegas regasifizieren, das dann über eine neue Leitung in das nationale Gasnetz eingespeist werden kann. Das Terminal ist für die Regasifizierung von jährlich 5 Mrd. Kubikmetern Erdgas ausgelegt. Das entspricht einem Drittel des polnischen Verbrauchs, der bei 15 Mrd. m³ liegt. Derzeit importiert Polen 10 Mrd. m³, überwiegend aus Russland, und produziert 5 Mrd. m³ selbst. Das neue LNG-Terminal soll dabei helfen, neue Lieferquellen in Asien und Afrika zu erschließen.

EBRD zufolge handelt es sich um das erste LNG-Terminal in Mittel- und Osteuropa. Die Bank sprach sich dafür aus, ein Drittel der Regasifizierungsleistung für Wettbewerber des polnischen Gasversorgers PGNiG zu öffnen. PGNiG beherrscht immer noch mehr als 90 Prozent des nationalen Gasmarktes.

Gasy arbeitet auch in mehreren anderen Projekten daran, neue Lieferquellen und -wege zu erschließen. So plant das Unternehmen den Bau einer „Baltic Pipe“. Sie könnte durch die Ostsee von Polen nach Dänemark führen und den Import von norwegischem Erdgas ermöglichen. Auf dem Festland wurde zuletzt das Netzwerk um den polnisch-deutschen Grenzübergangspunkt Lasow bei Görlitz erweitert, so dass dort die jährliche Transportleistung von 0,9 Mrd. m³ auf 1,5 Mrd. m³ stieg. Zuvor war eine polnisch-tschechische Verbindung in Betrieb gegangen, die offenbar den Transport von jährlich 2,7 Mrd. m³ ermöglichen soll.

Hinzu kommt ein „virtueller Umkehrfluss“ in der Jamal-Pipeline, die russisches Erdgas über polnisches Territorium nach Deutschland transportiert. Derzeit bereitet der polnische Netzbetreiber gemeinsam mit dem litauischen Gasversorger Lietuvos Dujos eine Machbarkeits-Studie für einen Interconnector zwischen Polen und Litauen vor und erkundet ein weiteres Leitungsprojekt mit dem slowakischen Netzbetreiber Eustream. Es gibt auch immer wieder einmal Anzeichen dafür, dass Gasy und der deutsche Partner Verbundnetz Gas weiterhin die Möglichkeiten für eine schon seit langem erwogene zusätzliche deutsch-polnische Verbindung sondieren.



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