Der kurzfristige Strombörsen-Handel wird inzwischen stark von Strom aus erneuerbaren Energien geprägt. Die hohen Kosten für seine Produktion spielen dort allerdings keine Rolle. 21/08/2012




Die Leipziger Energiebörse EEX European Energy Exchange registriert einen Trend zum kurzfristigen Stromhandel. Im ersten Halbjahr 2012 setzte der Spotmarkt für Strom, den EEX in der Pariser Tochtergesellschaft Epex gemeinsam mit dem französischen Partner Powernext für Deutschland, Österreich, Schweiz und Frankreich betreibt, 171 Terawattstunden Strom um. Das sind 11 Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten 2011.  Im Terminmarkt für den langfristigen Stromhandel sank die umgesetzte Strommenge dagegen um 22% auf 481 TWh. Diesen Trend erklärte EEX-Vorstandschef Peter Reitz heute mit einem „schwierigen Umfeld“, das von der Energiewende geprägt sei. „Die Marktteilnehmer sind vorsichtig, langfristige Positionen einzuplanen.“

Wie stark der sogenannte EEG-Strom zum Wachstum des Spotmarktes beitrug, konnte Reitz nicht beziffern. Strom, der aus erneuerbaren Energien erzeugt wird und eine Vergütung nach dem Erneuerbare Energien Gesetz erhält, muss seit 2010 von den Übertragungsnetz-Betreibern über eine Strombörse vermarktet werden. Der EEG-Strom sei im Handelssystem der Börse nicht sichtbar, sagte der EEX-Chef. Er geht allerdings davon aus, dass dieser Strom komplett über Epex verkauft wird. Die Netzbetreiber wiederum beziffern den im ersten Halbjahr vermarkteten EEG-Strom mit 38 TWh. Das entspricht einem reichlichen Viertel des Epex-Umsatzes. Im deutsch-österreichischen Marktgebiet kommt der EEG-Strom sogar auf einen Anteil von 36%.

Neben dem EEG-Strom werden wahrscheinlich weitere große Mengen Ökostrom über Epex verkauft. Dabei handelt es sich um Strom aus Anlagen, deren Betreiber sich für die Direktvermarktung entschieden haben. Dabei können sie den Ökostrom direkt an Endkunden oder über die Börse verkaufen und bekommen eine Ausgleichszahlung, falls der erzielte Preis geringer ist als die EEG-Vergütung. Wieviel Strom über dieses Modell verkauft wird, geht aus den Netzbetreiber-Daten nicht hervor. Ablesbar sind nur die installierten Leistungen der betreffenden Anlagen. Ihre Gesamtzahl ist seit Januar ständig gestiegen und liegt inzwischen bei 25 Terawatt.

Ein Preissignal für die Strombörse gibt der teure EEG-Strom nicht, für den die Anlagenbetreiber bis zu 30 Cent pro Kilowattstunde von den Netzbetreibern erhalten. „Die Übertragungsnetz-Betreiber verkaufen den EEG-Strom zum absoluten Marktpreis, der bestimmt wird durch die Gesamtmenge des umgesetzten Stroms“, erklärte Reitz. Eine Möglichkeit, die tatsächlichen Kosten des EEG-Stroms in die Preisermittlung einzubeziehen, sah er allerdings nicht. Vielmehr plädierte er für Anreize, die Ökostrom-Produktion stärker am Markt und am tatsächlichen Strombedarf auszurichten.

Bekanntlich hat die zunehmende Ökostrom-Produktion in den vergangenen Jahren zu sinkenden Preisen im deutschen Strom-Großhandel geführt, in dem die Strombörse ein wichtiger Akteur ist. So wurde heute von Epex ein Strom-Spotpreis von 5 Ct./kWh ermittelt. Von diesen günstigen Großhandelspreisen profitieren Händler, Versorger und Großverbraucher. Bei kleinen und mittleren Stromkunden kommen diese Vorteile des Ökostrom-Booms bisher nicht an. Sie müssen aber zunehmend die Kosten für diesen Boom über eine steigende EEG-Umlage tragen, die auf ihre Stromrechung aufgeschlagen wird. Die größten Stromverbraucher sind dagegen weitgehend von den EEG-Kosten befreit.

Zur besseren Marktintegration von Ökostrom will EEX demnächst mit einem speziellen Börsenprodukt beitragen. Dabei sollen Herkunftsnachweise für Strom aus erneuerbaren Energien für den Handel am Spot- und Terminmarkt angeboten werden. Ein Datum für den Start dieses „Grünstrom-Produkts“ konnte Reitz noch nicht nennen. Dazu müsse der Handel an ein deutsches Zertifikateregister angebunden werden, das derzeit noch aufgebaut werde.



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