Die Braunkohleverstromer RWE und Vattenfall wollen ihre größeren Projekte für die Abtrennung und Speicherung von CO2 nicht mehr umsetzen, betreiben aber bestehende Pilotanlagen weiter. Die Fortschritte beim Wirkungsgrad ihrer Großkraftwerke bleiben begrenzt, solange die dort anfallende Abwärme nicht besser genutzt wird. 06/08/2012


Moderne Braunkohle-Großkraftwerke wie in Lippendorf erzeugen deutlich effizienter Strom als ältere Anlagen. Doch die reichlich anfallende Abwärme wird hier bisher kaum genutzt. Foto: Stefan Schroeter



Den Energiekonzernen RWE und Vattenfall reichen die gesetzlichen Grundlagen für die Abtrennung und Speicherung von Kohlendioxid (Carbon Capture and Storage – CCS) weiterhin nicht aus, um ihre bereits eingestellten Planungen für CCS-Demonstrationsprojekte wieder aufzunehmen. Ende Juni hatten sich Bundestag und Bundesrat auf ein CCS-Gesetz geeinigt, nach dem insgesamt 4 Mio. Tonnen in deutschen Untergrundspeichern eingelagert werden können. Vattenfall werde das ursprünglich in Jänschwalde geplante Demonstrationsprojekt nicht wieder aufgreifen, teilte das Unternehmen mit. Inzwischen habe es Optionen auf Kraftwerkskomponenten verloren und sich auch nicht an einem Wettbewerb um EU-Fördermittel beteiligen können.

Auch RWE sieht im nun beschlossenen CCS-Kompromiss keine ausreichende rechtliche Grundlage dafür, die Planungen für ein CCS-Kombikraftwerk mit integrierter Kohlegaserzeugung in Hürth wieder aufzunehmen. In den möglichen CO2-Speicherregionen gebe es nach wie vor keine Akzeptanz für die notwendige Infrastruktur, teilte der Konzern mit. Beide Unternehmen betreiben ihre bestehenden Pilotanlagen für die Abtrennung von CO2 aus dem Kraftwerksprozess weiter. Gleichzeitig beschäftigen sie sich mit Möglichkeiten, den Kohlenstoff der Braunkohle stofflich zu nutzen.

Lösungen für das Treibhausgas CO2 zu finden, ist derzeit sicherlich die größte Herausforderung für die deutsche Braunkohlewirtschaft. Denn ihr Energieträger setzt bei der Verbrennung teilweise deutlich größere Mengen CO2 frei als die anderen fossilen Energieträger. Hinzu kommt, dass Braunkohle überwiegend in Großkraftwerken genutzt wird, die auch mit Wärmeauskopplung deutlich unter 50 Prozent Gesamt-Wirkungsgrad bleiben. Dezentrale Heizkraftwerke, die in der Nähe großer Wärmekunden betrieben werden, nutzen den eingesetzten Brennstoff deutlich besser aus.

Dabei ist die Technik für Braunkohle-Großkraftwerke in den vergangenen Jahren schon deutlich verbessert worden: Neue Braunkohleblöcke erreichen deutlich höhere Strom-Wirkungsgrade als alte Anlagen, die nach ihrer Inbetriebnahme abgeschaltet werden sollen. Vattenfall erprobt derzeit eine neue Technik, die den Strom-Wirkungsgrad weiter anheben kann und dazu die Abwärme des Kraftwerks nutzt. Höhere Gesamtwirkungsgrade sind auch möglich, wenn Braunkohle-Heizkraftwerke wie in Chemnitz und Dessau in der Nähe großer Wärmeverbraucher betrieben werden. Eine modernere Lösung sind dezentrale, wärmegeführte Heizkraftwerke für Braunkohlestaub, die für Industrieunternehmen  zunehmend interessant werden.



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