Die Hydrothermale Carbonisierung ahmt den erdgeschichtlichen Entstehungsprozess von Kohle im extremen Zeitraffer nach. Die Stadtwerke Halle lassen jetzt für dieses Verfahren eine Demonstrationsanlage bauen, die biogene Reststoffe energetisch verwerten soll. 02/08/2012



Die  SWH Stadtwerke Halle wollen künftig kommunale Bioabfälle zu einem hochwertigen Biobrennstoff verarbeiten, der ähnliche Eigenschaften wie Braunkohle hat. Sie haben Artec Biotechnologie aus dem bayerischen Bad Königshofen damit beauftragt, auf dem Gelände der Deponie Halle-Lochau eine Demonstrationsanlage für die Hydrothermale Carbonisierung (HTC) zu bauen. Bei diesem Verfahren wird organisches Material in heißem Wasser bei Temperaturen von 220 Grad Celsius und einem Druck von 25 bar über mehrere Stunden in einen kohleartigen, veredelten Biobrennstoff umgewandelt. Dieser Prozess ahmt die erdgeschichtliche Entstehung von Kohle, die viele Millionen Jahre dauerte,  im extremen Zeitraffer nach.

In die Lochauer Anlage werden 800.000 Euro investiert. Ab März 2013 soll sie aus jährlich 2.500 Tonnen biogenen Reststoffen wirtschaftlich Biokohle produzieren. Das Projekt wird wissenschaftlich vom Leipziger DBFZ Deutschen Biomasse-Forschungszentrum begleitet. Nach DBFZ-Angaben handelt es sich um die erste kontinuierlich laufende Demonstrationsanlage dieser Größe, die kommunale biogene Abfälle energetisch nutzt. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass Bioabfall aus der braunen Tonne und der nicht holzige Anteil des Grünschnittes viel Wasser enthalten und sich daher nicht für die etablierten bio- und thermochemischen Verfahren zur Energiegewinnung eignen.

HTC soll diese großen Mengen Bioreststoffe nun für die energetische Nutzung erschließen und gleichzeitig Kompostwerke von Stoffströmen entlasten. Ein weiteres Ziel ist, dass die Biokohle künftig den energiereichen fossilen Brennstoff Trockenbraunkohle ersetzen und eine gleichwertige Alternative zu Holzpellets bieten kann. Die Hallenser Anlage gehört zum Verbundprojekt „Integrierte Verwertungsanlage und Strategie für kommunale Biomasse - HTC Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft“, das bis Januar 2014 vom BMU Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert wird.

An einem Verfahren zur Produktion von Biokohle aus biogenen Kommunalabfällen arbeitet auch Suncoal Industries in Ludwigsfelde bei Berlin. Das Unternehmen bereitet derzeit den Bau einer industriellen Anlage vor, die jährlich aus 60.000 t voraufbereiteten Grünabfällen eine Menge von 20.000 t Biokohle produzieren kann. Nach einer Weiterverarbeitung zu Kohlestaub soll sie in dezentralen Heizkraftwerken gemeinsam mit Braunkohlestaub zur Strom- und Wärmeproduktion eingesetzt werden. Das Düsseldorfer Unternehmen Terranova betreibt seit 2010 in Kaiserslautern eine HTC-Demoanlage, die Biokohle aus 1.200 Jahrestonnen Klärschlamm produziert.



Einen ausfuehrlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.







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