Die milde Witterung des Jahres 2011 offenbart die Absatzverluste des kommunalen Versorgers im direkten Gasvertrieb. Ausgleichen kann er sie mit wachsenden Geschäften im direkten Stromvertrieb, im Energiegroßhandel und mit steigenden Gewinnen der polnischen Tochtergesellschaften. 13/06/2012



Die SWL Stadtwerke Leipzig haben unter schwierigen Marktbedingungen im Geschäftsjahr 2011 wieder einen hohen Gewinn von 60,3 Mio. Euro erwirtschaftet und an die Muttergesellschaft LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft abgeführt. Das liegt nur leicht unter dem Rekordergebnis des Vorjahres von 63,8 Mio. Euro, als ein kalter Winter die Gas- und Fernwärme-Verkäufe stark belebte. 2011 ließ die milde Witterung den Absatz der Fernwärme wieder auf das gewohnte Niveau abschmelzen. Der Gasabsatz im Energievertrieb dagegen, der schon im Vorjahr leicht gesunken war, schrumpfte sogar noch etwas mehr. SWL führt dies auch auf den „intensiven Preiswettbewerb“ zurück.

Deutlich besser lief das Stromgeschäft im Energievertrieb. Hier ist es dem Unternehmen nach eigenen Angaben gelungen, seine Marktführerschaft in Leipzig zu behaupten. Außerdem konnte es größere Strommengen an einen bundesweit aktiven Stromvertrieb verkaufen. „Der Strommarkt hat sich stabilisiert, der Gasmarkt schlägt in voller Härte auf die Stadtwerke ein“, fasste Geschäftsführer Thomas Prauße die Situation zusammen. Insgesamt stieg der Umsatz im Energievertrieb, in dem das Unternehmen Strom, Gas und Fernwärme direkt an Kunden liefert, um 1 Prozent auf 443 Mio. Euro.

Im Energiegroßhandel mit Strom und Gas, den SWL an Energiebörsen und im direkten Handel mit anderen Unternehmen betreibt, stieg der Umsatz deutlich kräftiger, um 47 % auf 2.399 Mio. Euro. Hier waren SWL zufolge vermehrt Geschäfte zur Absicherung gegen Risiken nötig, die sich aus „extrem volatilen Marktpreisen, insbesondere nach Verkündung des Kernkraftwerks-Moratoriums im März 2011“ ergeben haben. Generell sorgt der Energiegroßhandel für hohe Umsätze, weil die Strom- und Gasmengen dort oft mehrfach gehandelt werden. Die Umsatzrendite ist hier aber deutlich geringer als im direkten Energievertrieb.

Schwierig für die Stadtwerke war das Geschäft mit den eigenen Kraftwerken. So erzeugte das Leipziger Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk zwar mehr Strom als im Vorjahr, erzielte aber durch niedrigere Marktpreise weniger Stromerlöse. Den Biomasse-Kraftwerken Bischofferode und Piesteritz machen steigende Holzpreise zu schaffen, so dass für sie eine Risikovorsorge nötig wurde.

Die vier polnischen Tochtergesellschaften in und um die Hafenstadt Gdansk (Danzig) entwickelten sich gut und verdoppelten ihre Gewinnausschüttung auf 6,8 Mio. Euro. Die Leipziger Informationstechnik-Tochter Perdata erzielte Erträge von 2,7 Mio. Euro, wurde aber im März an die Bertelsmann-Tochter Arvato verkauft. Mit dem Verkaufserlös von 18 Mio. Euro soll die Verschuldung der LVV abgebaut werden. Aus diesem Grund ist auch ein Verkauf der Telekommunikations-Tochter HL-Komm geplant, die 2011 noch 2,8 Mio. Euro zum Gewinn betrug.

Die Tochtergesellschaft SWL Netz wird zu einer sogenannten mittleren Netzgesellschaft ausgebaut, deren Geschäft aufgrund von Regulierungsvorgaben noch deutlicher als bisher vom Vertriebsgeschäft getrennt werden muss. Daher wechselten 113 Mitarbeiter der Muttergesellschaft zur Netztochter.
 

 

 

Stadtwerke Leipzig GmbH 2011

 

 

 

Umsatz:

4.064,3 Mio. Euro

(+29 %)

Gewinn:

60,3 Mio. Euro

(-5 %)

Stromabsatz:

2.012 GWh

(+35 %)

Gasabsatz:

1.116 GWh

(-21 %)

Fernwärme:

1.313 GWh

(-18 %)

Großhandel Strom:

55.410 GWh

(+21 %)

Großhandel Gas:

17.936 GWh

(+64 %)

Mitarbeiter:

981

(-146)

 



Einen ausfuehrlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.




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